ID-Austria auf einem Smartphone
APA/Hans Klaus Techt
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Was die ID Austria kann, und wie man sie bekommt

Anfang Dezember wurde die Handysignatur von der ID Austria abgelöst. Sie dient als staatlicher Ausweis für das Internet – nicht nur in Österreich, sondern ab 2026 in der gesamten EU. Man kann sich damit per Smartphone eindeutig identifizieren und viele Behördenwege online erledigen. Auch der Führerschein und bald Zulassungsschein und E-Card können auf dem Handy vorgezeigt werden. Die Aktivierung der ID Austria ist jederzeit möglich.

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1,6 Millionen Österreicherinnen und Österreicher haben die ID Austria bereits, zwei Millionen nutzen noch die Handysignatur, so Florian Tursky (ÖVP), Staatssekretär für Digitalisierung und Telekommunikation im Finanzministerium.

Am meisten genutzt wird der Digitalausweis hierzulande bisher, um über Finanzonline die Arbeitnehmerveranlagung abzugeben, sich beim Onlineportal der Sozialversicherung einzuloggen und etwa Arztbesuche nachzublättern, oder um Wahlarztrechnungen einzureichen, das Pensionskonto einzusehen und um in die elektronische Gesundheitsakte ELGA einzusteigen und zum Beispiel Einblick in seinen E-Impfpass oder Befunde zu nehmen. Auch das Interesse am digitalen Führerschein sowie am digitalen Altersnachweis ist laut Tursky groß.

ID-Austria-Apps: „Digitales Amt“ und „eAusweise“

Die zur ID Austria gehörige App heißt nun nicht mehr Handysignatur, sondern „Digitales Amt“: Sie kann nur auf Smartphones mit Fingerabdruck- oder Gesichtsscanner genutzt werden. In der App gibt es direkte Links zu allen möglichen Amtswegen, zum Beispiel wie man den Hauptwohnsitz ändert oder eine Wahlkarte beantragt.

In einer zweiten App, sie heißt „eAusweise“, werden der digitale Führerschein und in Zukunft auch andere Ausweise wie etwa der Zulassungsschein, der Personalausweis und die E-Card gespeichert. Achtung: Der digitale Führerschein kann nur genutzt werden, wenn man bereits einen Scheckkartenführerschein hat.

Beide Apps können in den Appstores von Google und Apple heruntergeladen werden, für Huawei-Nutzer gibt es bisher keine eigene App-Lösung. Wer kein Smartphone hat und auch keines möchte, der kann die ID Austria auch mit einem Bluetooth-Stick (FIDO) auf einem Stand-PC verwenden.

Polizist kontrolliert digitalen Führerschein am Handy
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Bei einer Polizeikontrolle kann der digitale Führerschein auf dem Handy gezeigt werden

Von Handysignatur umsteigen

Wer die Handysignatur bereits nutzt, kann jederzeit – auch erst nach dem 5. Dezember – auf die ID Austria umsteigen. Dafür ruft man die Website oesterreich.gv.at auf, wählt rechts oben im Menü das Anmeldesymbol und auf der folgenden Seite die Option „Von Handysignatur umsteigen“. Anschließend loggt man sich mit der Handysignatur ein und stimmt zu. Nun hat man die „ID Austria mit Basisfunktion“ – sie hat die gleichen Funktionen wie die Handysignatur bisher.

Wer auch die neuen zusätzlichen Funktionen der ID Austria – die „eAusweise“ auf dem Handy und die künftige EU-weite Gültigkeit – haben möchte, benötigt die „ID Austria Vollversion“. Dafür ist meist das persönliche Erscheinen bei einer Registrierungsstelle nötig.

Neu bei der ID Austria anmelden

Und auch wer die Handysignatur bisher nicht genutzt hat, kann sich jederzeit für die ID Austria anmelden – Voraussetzung ist, dass man mindestens 14 Jahre alt ist. Dafür ist ein Vor-Ort-Besuch einer Registrierungsstelle in dem Bundesland, in dem man gemeldet ist, nötig. In der Regel sind das Bezirkshauptmannschaften, Gemeindeämter, Magistrate, Finanzämter und Landespolizeidirektionen – hier findet sich eine Liste der Registrierungsstellen, nach Bundesland sortiert.

Ausweis, Smartphone, Passfoto mitbringen

Achtung: Meist muss man sich vorher einen Termin ausmachen. Zu diesem Termin muss man seinen Reisepass oder Personalausweis, sein Smartphone (mit Fingerabdruck- bzw. Gesichtsscanner) und ein aktuelles ausgedrucktes Passfoto mitbringen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Registrierungsstelle aktivieren die ID Austria und händigen einem dann einen Zettel mit einem Freischaltcode und einem Widerrufspasswort aus.

Zu Hause muss die Registrierung dann noch auf einem zweiten Gerät (zum Beispiel auf dem Computer) fertiggestellt werden. Dafür müssen der Code auf einer Website eingegeben, Benutzername und Passwort festgelegt sowie die App „Digitales Amt“ installiert und dort wiederum ein TAN eingegeben werden.

ID-Austria auf einem Smartphone
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Rundumservice im Wiener Rathaus

Wem das alles zu kompliziert ist, der bekommt zumindest in Wien ein Rundumservice im Rathaus. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Stadtservice Wien richten einem die ID Austria so ein, dass zu Hause nichts mehr zu tun ist.

„Wir machen alles fix und fertig. Bei uns stehen einem alle ID-Austria-Leistungen zur Verfügung, wenn man nach Hause geht. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führen durch das Programm“, so Walter Hillerer, Leiter des Stadtservice Wien, gegenüber help.ORF.at.

Ein Termin ist dafür nicht nötig, Wienerinnen und Wiener können spontan im Rathaus vorbeikommen. „Vielleicht muss man mal zehn Minuten warten, aber das ist eher die Ausnahme im Moment“, so Hillerer. Er rechne jedoch damit, dass ab Dezember mehr los sein werde und es dann doch zu Wartezeiten kommen könne.

Ab 2026 kann ID Austria in allen EU-Ländern genutzt werden

Auch ausländische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger können die ID Austria in Österreich bei den Landespolizeidirektionen beantragen, zwingend nötig ist dafür der Nachweis eines Bezugs zum Inland.

Spätestens ab 2026 sollen dann alle EU-Staaten die Digitalausweise nach dem gemeinsamen europäischen Standard akzeptieren. Österreicher und Österreicherinnen mit ID Austria können dann in der gesamten EU zum Beispiel ihren Führerschein vorzeigen oder die dortigen Amtswege digital erledigen.

„Unser Ziel ist es, dass einige Länder wie etwa Tschechien schon vor 2026 die heimische ID Austria akzeptieren“, so Tursky zu help.ORF.at. Deutschland und Italien zählten da jedoch eher nicht dazu, da die Umsetzung der digitalen Ausweise dort noch recht weit hinten sei.

Alle Behördenwege weiter auch in persona möglich

Und: Alle Amtswege können laut Digitalstaatssekretär Tursky auch weiterhin persönlich an Ort und Stelle mit Papierdokumenten erledigt werden. Es wird laut ihm keine Behördenwege geben, die nur online möglich sind.

Login künftig auch bei Bank, Notar und Co.

Die ID Austria soll schon bald nicht mehr nur auf Amtswege beschränkt sein. Künftig soll man sich damit auch bei privaten Unternehmen einloggen können. Statt sich ein Kunden-Log-in und ein Passwort zu merken, soll das also künftig mit der ID Austria erfolgen.

„Zum Beispiel Banken und Notariate werden zukünftig in der Lage sein, ihre Identifikationsprozesse über die ID Austria anzubieten, sodass ich auch hier eine eindeutige Identifikation online herstellen kann. Ich selber habe zum Beispiel bereits eine erste Verlassenschaft komplett digital mit der ID Austria abgewickelt“, so Tursky.