Cookie-Banner auf einer Webseite
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Lästige Cookie-Hinweise: So wird man sie los

Sie plagen Internetnutzer seit Jahren bei jedem Aufruf einer Website: Cookie-Banner, die daran erinnern, dass das Surfverhalten aufgezeichnet wird. Ein Ende scheint nicht in Sicht, ganz im Gegenteil: Die Cookie-Hinweise werden immer komplizierter. Mittels unübersichtlich vieler Schieberegler sollen Nutzer festlegen, welche Cookies eingesetzt werden dürfen und welche nicht. Help erklärt, wie sich die Bannerflut bewältigen lässt.

Sendungshinweis

„Help“, das Ö1-Konsumentenmagazin, jeden Samstag um 11.40 Uhr in Radio Ö1.

Auch als Podcast.

Bei jedem Website-Besuch hinterlässt der Nutzer Spuren. Diese werden von den Betreibern der Websites gespeichert und ausgewertet. Das nennt man Tracking. Dabei kommen unter anderem Cookies zum Einsatz, kleine Textdateien, welche die personenbezogenen Informationen direkt auf dem Computer des Nutzers speichern. Dadurch muss sich dieser zum Beispiel nicht bei jedem Besuch neu einloggen, sondern wird automatisch wiedererkannt, und auch der etwaige Inhalt des Warenkorbes wird angezeigt.

Cookie weiß genau, was Nutzer wann wo macht

Auch die Werbewirtschaft setzt auf Cookies und versucht, damit das Surfverhalten der User möglichst genau auszukundschaften. Mit Tracking-Cookies verfolgen sie den Nutzer über viele Websites hinweg. Aus einer Fülle von Einzeldaten ergibt sich so eine ausführliche Datenspur, die ein klares Bild des individuellen Nutzerverhaltens zeichnet. Besonders im Bereich der Onlinewerbung sind derart genaue personenbezogene Daten Gold wert.

Collage von Cookie-Bannern
Screenshots Internet (Montage)

Werbeplätze auf Websites werden live versteigert

„Da hängt eine ganze Industrie dran. Man muss sich vorstellen, dass zum Beispiel Werbeplätze auf einer Website live, während man die Seite aufruft, versteigert werden“, so Jo Bager vom deutschen Computermagazin „c’t“. Die meisten dieser vollautomatisierten Versteigerungen laufen über Googles Marktplatz „Doubleclick“.

Sobald ein Nutzer eine Website betritt, wird sein Profil („50 Jahre, computeraffin, technikinteressiert, fährt ein deutsches Auto, reist gern nach Frankreich, kauft oft online“) den verschiedenen Werbeunternehmen angezeigt, und diese bieten Kleinstbeträge von einem Bruchteil eines Cents, um genau diesem Nutzer Werbung anzeigen zu können. Je genauer das Profil, desto höher in der Regel der Preis des Werbeplatzes.

Cookie-Maßnahmen seit 2009

Um die Nutzer vor dem heimlichen Ausspionieren ihrer Surftätigkeit zu schützen, hat die EU bereits 2009 in der Cookie-Richtlinie festgelegt, dass eine Website das Onlineverhalten seiner Besucher nur dann speichern darf, wenn der einzelne User dem vorher zugestimmt hat. In Österreich und Deutschland wurden die EU-Vorgaben allerdings lange Zeit nicht umgesetzt.

Erst eine Verpflichtung von ausgerechnete dem mit Abstand größten Datensammler im Internet, Google, an seine Werbepartner im Jahr 2015, die EU-Richtlinie zu befolgen und auf Cookies hinzuweisen, brachte die Cookies-Banner-Lawine ins Rollen. Seither bekommen Nutzer die Hinweise massenhaft zu sehen.

Verschärfung durch DSGVO: Cookies einzeln abwählbar

Im Jahr 2018 kam durch die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) neuer Schwung in die Cookie-Datenschutzdebatte. Denn die DSGVO sieht zusätzlich vor, dass die Zustimmung freiwillig sein und der Nutzer im Detail über die Wahlmöglichkeiten informiert werden muss.

Diese Regelung ist – wie alle anderen – zwar gut gemeint, hat aber dazu geführt, dass die Cookie-Hinweise noch komplizierter geworden sind. Die Website-Betreiber zeigen gleich eine Vielzahl an Cookie-Auswahlmöglichkeiten an. Das geschieht oft über große Pop-up-Fenster und Kolonnen an unübersichtlichen Schiebereglern.

Auswahlmöglichkeiten unübersichtlich und kompliziert

Dass die Auswahlmöglichkeiten derart verwirrend und unübersichtlich gestaltet sind, ist nicht ganz unabsichtlich, so Bager von „c’t“. „Die Website-Betreiber haben natürlich ein Interesse daran, dass der Surfer möglichst viele Cookies setzt. Ich denke, da ist ein Prinzip dahinter, dass dort viel Text steht, damit die Leute diesen nicht durchlesen, sondern einfach das anklicken, was man ihnen anbietet.“

Buttons extra verwirrend gestaltet

Ein weiterer beliebter Trick sind „Dark Patterns“. Durch ein absichtlich irreführendes Design wird der Nutzer zum Klick auf den falschen Button gelockt. So wird etwas der Button für die Cookie-Erlaubnis groß und grün angezeigt, der Nein-Button hingegen klein und grau, sodass er nur schwer zu finden ist.

„Wenn man da nicht höllisch aufpasst und einfach auf den Button klickt, der am naheliegendsten ist, hakt man häufig genau das Falsche an, nämlich dass man alle Cookies erlaubt. Das ist natürlich ziemlich fies“, so Bager.

Browser, Datenschutzeinstellungen und Werbeblocker

Als erste Maßnahme gegen das ungewollte Ausspionieren durch Werbekonzerne empfiehlt der Computerfachmann einen Blick in die Browsereinstellungen. Die Datenschutzeinstellung sollte auf die mittlere Stufe gestellt werden. „Das sind zwei, drei Mausklicks und dann wird schon eine Menge geblockt“, so der c’t-Redakteur.

Auch die Browserwahl kann eine Verbesserung bringen. Der meistverbreitete Browser Chrome stammt von Google, dem größten Werbekonzern im Internet, der, was die Werbeeinstellungen betrifft, nicht besonders streng ist.

Bager empfiehlt hier den Einsatz von Firefox oder den neuen Microsoft Edge, die beide strengere Einstellungen, was Tracking und Cookies betrifft, aufweisen. Wer noch mehr machen will, kann sich einen Werbeblocker wie Adblock Plus oder – für versiertere Nutzer – uBlock Origin installieren und Tracking-Cookies damit blockieren.

„I don’t care about Cookies“

Für Vielsurfer, die kein Problem mit Cookies haben, sondern von den ständigen Hinweisen einfach nur genervt sind, empfiehlt Jo Bager außerdem die Browser-Erweiterung „I don’t care about Cookies“. Diese blockiert zwar keine Cookies, aber dafür die Cookie-Hinweise. Das Programm ist für alle gängigen Browser kostenlos erhältlich und klickt den „OK“-Button von Cookie-Bannern automatisch an, so dass diese gar nicht erst zu sehen sind.