Auf welchen Lebensmitteln Schimmel gefährlich ist

Schimmel auf Lebensmitteln ist nicht nur unappetitlich, sondern unter Umständen auch gesundheitsgefährdend. Nur bei wenigen Lebensmitteln genügt es, den Schimmel wegzuschneiden. Die meisten gehören in den Müll. Trotzdem nimmt ein Drittel der Österreicher das Problem auf die leichte Schulter.

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Grüner Staub auf der Zitrone, weißer Flaum auf dem Parmesan, Verfärbungen im Joghurt – Schimmel kann sich rasch bilden. Es lohnt sich daher, Lebensmittel vor dem Verzehr genauer unter die Lupe zu nehmen.

Brot, Nüsse, Feigen in den Müll

„Tückisch ist, dass Schimmel oft das ganze Lebensmittel durchzieht, auch wenn nur ein kleiner Fleck sichtbar ist“, so Ingrid Kiefer von der österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES). Es gibt unzählige Schimmelarten: Völlig harmlose wie den Kulturschimmel auf Camembert, aber auch viele, die Gifte bilden, die für den Menschen gefährlich sind. Nahezu alle Schimmelpilzgifte schädigen laut AGES Leber, Nieren und das Erbgut und können Leberkrebs verursachen.

Schimmel auf Toastbrot-Scheiben
dpa-Zentralbild/Hans Wiedl
Vorsicht bei schimmeligem Brot, Nüssen und getrockneten Feigen

In Nüssen, Pistazien, getrockneten Feigen und Getreide bilden sich besonders leicht gefährliche Schimmelpilzgifte. Diese lassen sich auch nicht durch Hitze zerstören. Daher sollten angeschimmelte Lebensmittel auch nicht verkocht werden. „Beim Brot wächst Schimmelpilz sehr häufig durch das ganze Brot hindurch. Das gehört unbedingt weggeben,“ so Ernährungswissenschaftlerin Kiefer. Auch Toastbrot, bei dem nur eine Scheibe verschimmelt ist, gehöre in den Müll.

Angeschimmeltes Obst aussortieren

Ärgerlich, wenn sich nach dem Einkauf herausstellt, dass eine Orange im Netz bereits schimmelig ist oder, wenn sich im Kühlschrank eine Zitrone mit weißgrünem Pelz findet. Genügt es, die anderen Früchte abzuwaschen oder müssen sie ebenfalls in den Müll? Oder sollte gar der gesamte Inhalt des Kühlschranks entsorgt werden? „Sie müssen nicht alles wegwerfen. Es genügt, den Kühlschrank auszuräumen, gründlich zu säubern, die verschimmelten Produkte wegzuwerfen und die anderen zu kontrollieren“, so Kiefer.

Verschimmelte Orangen im Netz
Getty Images/MandyHB
Kondenswasser im Kühlschrank lässt Lebensmittel rascher schimmeln

Erdbeeren und Himbeeren in der Plastikschale verderben ebenfalls leicht. Schimmelt nur eine Beere, sollte man auch die direkt danebenliegenden entfernen. Paprika mit angeschimmeltem Stiel gehört ebenso in den Müll wie verschimmelte Gurken, Marmeladen und Joghurt. „Schauen, schmecken, riechen und sobald etwas verklumpt ist, muffig riecht oder farbliche Veränderungen hat - weg damit“, so die AGES-Expertin.

Schimmel bei Parmesan wegschneiden

Schimmel liebt Feuchtigkeit. Im Gewürzregal über dem Herd gedeihen die Schimmelpilze prächtig, ebenso in den ungeöffneten Plastikverpackungen von Salat, Gemüse und Obst. Auch bei Kälte wächst der grüne Rasen, Einfrieren nützt nichts gegen die Giftstoffe, die sich dabei bilden.

Trockenheit bremst hingegen das Pilzwachstum. Lebensmittel, die selbst wenig Wasser enthalten wie Hartkäse und Speck im Ganzen, sind weniger anfällig. Der Schimmel wächst dort auch nicht weit hinein. Deshalb könne man bei Parmesan und Speck den Schimmel auch wegschneiden, mindestens ein, zwei Zentimeter entfernt von der grünen Stelle, so die Expertin. Man solle aber darauf achten, dass Pilzsporen nicht mit dem Messer auf andere Lebensmittel übertragen werden.

angeschimmelter Parmesan
Karin Fischer/help.ORF.at
Verschimmeltes im Zweifelsfall lieber wegwerfen

Männer unterschätzen die Gefahr

AGES-Expertin Kiefer rät, nur so viel wie nötig einzukaufen und die Grundprinzipien der Küchenhygiene einzuhalten. Dazu zählt den Kühlschrank sauber zu halten, die richtige Temperatur zu wählen und die Kühlschranktüre nicht unnötig lange offen zu lassen, damit kein Kondenswasser entsteht. Lebensmittel, die in Plastikfolien verschweißt sind, sollten aus der Verpackung genommen werden, da sich dort ebenfalls Kondenswasser bildet. Ein bereits verschmutzter Kühlschrank lässt sich mit Wasser, Geschirrspülmittel und ein wenig Essig wieder sauber bekommen.

Im Handel kontrollieren die amtlichen Lebensmittelbehörden und die Betriebe selbst, ob die Waren einwandfrei sind. Rückrufe wegen gefährlicher Pilzgifte gibt es laut AGES nur selten. Sorgen bereiten Ingrid Kiefer aber die Privathaushalte, weil hier das Risiko noch immer unterschätzt werde. „Mehr als ein Drittel der österreichischen Bevölkerung hat hier überhaupt kein Problembewusstsein“, so die Expertin. Interessanterweise sei das Bewusstsein bei Frauen aber höher als bei Männern. Mehr Sorgen als über Schimmel machen sich die Österreicher laut AGES-Risikobarometer über Hormone in Lebensmitteln und falsche Informationen auf Lebensmittelverpackungen.

Karin Fischer, help.ORF.at

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