Covid-19: Aktuelle Informationen zu Reisestornos

AUA und Lauda stellen den Flugbetrieb ein, der Flughafen Wien-Schwechat plant einen Notbetrieb. In vielen Fällen haben Verbraucherinnen und Verbraucher nun Anspruch auf kostenfreie Stornos oder Kostenersatz. Fluggesellschaften wollen derweil die Passagierrechte einschränken.

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Aktualisiert am 27. März um 16:09

Das Coronavirus hält Politik, Medien und Bürger weiterhin in Atem. Bei den Konsumentenschützern des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) und des Europäischen Verbraucherzentrums (EVZ) gehen derzeit täglich tausende Anfragen über die mit dem Sozialministerium eigens eingerichtete Hotline zu reiserechtlichen Fragen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ein. (Mo-So / 09:00-15:00 /0800 201 211). Die meisten erkundigen sich, ob es eine Möglichkeit gibt, ihre bereits gebuchte Reise kostenlos zu stornieren, sagt EVZ-Jurist Andreas Hermann.

Pauschalreisen: Reiseveranstalter kontaktieren

Im Fall einer Pauschalreise, bei der Anfahrt und Hotel inkludiert ist, kann man aus Sicht des EVZ kostenlos vom Vertrag zurücktreten, sofern sich das Reiseziel im Gefahrengebiet befindet. Ein kostenloser Rücktritt ist außerdem dann möglich, wenn man in das Land aufgrund eines Einreisestopps nicht einreisen darf, der Flughafen geschlossen ist oder nicht angeflogen wird.

Darüber hinaus könne man natürlich kostenlos stornieren, wenn man nach einer Einreise zwingend in Quarantäne kommen würde, so Herrmann. Wichtig sei allerdings, dass die Reise unmittelbar bevorsteht und nicht erst in einigen Wochen stattfindet. Sollte der Reiseantritt innerhalb der kommenden sieben Tage stattfinden, ist ein kostenloser Reiserücktritt möglich, so das EVZ. Darüber hinaus müsse die Pauschalreise vor Bekanntwerden der Epidemie gebucht worden sein. Eine Reisewarnung des Außenministeriums sei jedoch nicht zwingend erforderlich, so EVZ-Jurist Hermann.

Touristen mit Atemschutzmasken vor dem Trevi-Brunnen in Rom

APA/AFP/Alberto PIZZOLI

Italien-Reisende werden zunehmend nervös wegen des Virus

Wenn diese Punkte zutreffen und seriöse Medienberichte auf eine Unzumutbarkeit der Reise schließen lassen, sollten Verbraucherinnen und Verbraucher unverzüglich den Reiseveranstalter kontaktieren. Die Konsumentenschützer bieten dafür einen Musterbrief an. Ein Rechtsanspruch, etwa auf einen kostenlosen Rücktritt der Italien-Reise rund um Ostern, bestehe zurzeit allerdings noch nicht. Sollte allerdings bereits klar sein, dass man auf jeden Fall nicht reisen kann, weil es keinen Flug gibt oder weil man auch zu Ostern nicht einreisen darf, dann darf man natürlich auch schon zum jetzigen Zeitpunkt das Geld zurück verlangen. Sollte das aber noch nicht hundertprozentig sicher sein und sich die aktuelle Lage noch verändern können, dann müsse man leider noch zuwarten, so Herrmann.

Individualreisende müssen verhandeln

Wenn bei einer Individualreise Verkehrsmittel und Unterkunft selbst und direkt gebucht wurden, werde es mit dem Storno schwieriger, so Hermann. Fluglinien, Busreiseanbieter, Eisenbahnen und Hotels verzichten auf Stornokosten nur dann, wenn sie selbst die Leistungen nicht erbringen können oder der Zielort von Behörden gesperrt wurde.

Trotzdem sollten Individualreisende versuchen, mit den Anbietern Kontakt aufzunehmen, um einen kostenlosen Rücktritt zu erreichen. Eventuell gelingt eine einvernehmliche Lösung, wie etwa ein Wertgutschein, eine Umbuchung auf einen späteren Zeitpunkt oder Ähnliches. Dabei kann man auch auf besondere Gründe wie fortgeschrittenes Alter oder Vorerkrankungen verweisen. Bei Hotelbuchungen im Internet gibt es ohnehin oft kurzfristige kostenlose Stornofristen bis 24 Stunden vor der Ankunft.

Strategisch überlegen: Stornieren oder abwarten

Ist ein kostenloser Rücktritt nicht möglich oder wird dieser vom Veranstalter nicht akzeptiert, könne man die Reise auch stornieren. Dabei fallen allerdings Stornogebühren an, die Höhe dieser richtet sich nach den Stornobedingungen im Vertrag und dem Zeitpunkt der Stornierung. Je näher die Reise rückt, desto teurer wird es. Reisende sollten daher gegebenenfalls die Vertragsbedingungen des Reiseveranstalters prüfen.

Bei Stornogebühren gibt es gestaffelte Tarife der Veranstalter. Bis 30 Tage vor Beginn der Reise lägen diese in der Regel bei 20 bis 30 Prozent, so EVZ-Jurist Hermann. Kurz vor Reisebeginn können die Stornokosten bis zu 90 Prozent betragen. Sollte sich die Gefahrensituation bis kurz vor Reiseantritt verschlimmern, dann können die Betroffenen jedoch auch auf einen kostenlosen Reiserücktritt bestehen und mit dem Wegfall der Vertragsgrundlage aufgrund der veränderten Situation argumentieren, so Hermann. Dies gelte natürlich auch, wenn der Flughafen gesperrt ist, die Flüge ausfallen oder man in Quarantäne müsste, sollte man einreisen.

Fluggesellschaften wollen Passagierrechte einschränken

Doe Branchenvertreter der Airlines wollen angesichts der Coronavirus-Pandemie die Passagierrechte einschränken. „Wir sind in einer der schlimmsten Krisen, die wir je hatten“, sagte der Generalsekretär Weltvernbands der Fluggesellschaften (IATA) Alexandre de Juniac. Die üblichen Rechte auf Erstattungen bei Flugstreichungen oder Verspätungen seien für die Airlines nun problematisch. Diese Vorschriften seien in so außergewöhnlichen Zeiten zu streng, so de Juniac: „Es übersteigt völlig die Kapazität der Fluggesellschaften, diese Vorschriften einzuhalten.“

Anstelle von Kostenerstattungen bieten viele Airlines nun kostenlose Umbuchungen und Gutscheine an. Die Flugbranche möchte nun generell durchsetzen, dass im Fall einer Flugannullierung von Seiten der Airline keine Erstattung des Ticketpreises mehr erfolgen muss. Bei Teilen der deutschen Bundesregierung stößt sie mit dieser Maßnahme auf Verständnis.

Verbraucherschützer kritisieren die Pläne der Airlines

Der Passagierluftverkehr ist fast vollständig zum Erliegen gekommen, sagtt Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Den erheblichen Fixkosten der Unternehmen stünden praktisch keine Einnahmen mehr gegenüber. In dieser Situation bedrohe eine Rückzahlpflicht die Liquidität der Unternehmen existenziell. Eine Gutscheinlösung bei annullierten Flügen würde den Unternehmen helfen und gleichzeitig die Kunden nicht schädigen, da diese ihre gebuchten Reisen nach Ende der Corona-Pandemie tatsächlich auch antreten könnten, so Randow.

Verbraucherschützer kritisieren solche Forderungen vehement. Vor allem deswegen, weil Airlines Staatshilfe beantragt haben, um die Reisegutscheine zu finanzieren. Aus Sicht des Deutschen Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) wäre es besser, das Geld dazu zu verwenden, die Kundengelder staatlich abzusichern, damit die Fluggesellschaften ihren Rücktahlungsverpflichtungen nachkommen können.

Paul Urban Blaha / Karin Fischer, help.ORF.at

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