„Handysignatur neu“ soll sicherer werden

Rund eine Million Österreicherinnen und Österreicher nutzen die Handysignatur, die digitale Unterschrift über das Handy. Die Signatur ist rechtlich der handschriftlichen gleichgestellt, Dokumente können damit elektronisch unterzeichnet werden. Bisher waren dazu neben dem Handy ein Laptop oder PC notwendig, ab Sommer nicht mehr. Und: Die Handysignatur soll sicherer werden.

Sendungshinweis

„Help“, das Ö1-Konsumentenmagazin, jeden Samstag um 11.40 Uhr in Radio Ö1.

Seit 2003 gibt es in Österreich die Handysignatur. Im Zuge der Unterstützungserklärungen für das Nichtraucher-Volksbegehren vergangenen Herbst erlebte die elektronische Signatur einen Boom: 10.000 neue Nutzerinnen und Nutzer pro Tag wurden verzeichnet.

Kein PC oder Laptop nötig

Inzwischen sind es österreichweit mehr als eine Million Menschen, die diese Funktion nutzen: Etwa um Geld zu überweisen oder Verträge zu unterzeichnen. Aus Sicherheitsgründen ist derzeit neben dem Mobiltelefon noch ein weiteres Gerät nötig: Laptop oder PC. Ab Mitte 2018 soll ein Gerät ausreichen, so Reinhard Posch, Berater der Bundesregierung in IT-Fragen und Professor für Informatik an der TU Graz. „Das neue System ist in allen Punkten sicherer als das alte. Unser Ziel war es, Komfort und Sicherheit zu erhöhen“, so Posch.

Um die Signatur am Handy nutzen zu können reichte es bisher aus, SMS empfangen zu können. Für die „Handysignatur neu“ ist ab Juli ein sogenannter integrierter Sicherheitschip nötig. Ein solcher Chip ist in praktisch jedem Handy voreingebaut, das in den vergangenen fünf Jahren produziert wurde, so der IT-Berater. Dieser Sicherheitschip soll das zweite Gerät vollständig ersetzen. So wie bei jeder Überweisung von Seiten der Bank ein TAN zugeschickt wird, soll künftig ein verschlüsselter Code an den Sicherheitschip im Handy versendet werden. Dieses Prozedere solle die Identität der handelnden Person eindeutig nachvollziehbar machen. „Technologisch ist das kein immenser Sprung. Dennoch sind wir die ersten, die dieses Features, das bereits vorhanden ist, auf diese Weise nutzen. Ich halte das für durchaus innovativ“, so Reinhard Posch.

An der TU Graz entwickelt

Die Handysignatur (Remote Signature, engl.) wurde in Österreich, an der TU Graz entwickelt. Die Technologie ist inzwischen in mehreren Länder der EU zugelassen. Von Apple, Google & Co gibt es dazu noch kein Produkt. „Was elektronische Identifikation und elektronische Signatur betrifft, sind wir in Europa über dem Stand der Technik in den USA. In Amerika fehlen auch ganz einfach die gesetzlichen Voraussetzungen, die wir mit der Signaturrichtlinie, sowie der eIDAS-Verordnung in Europa haben“, so Posch. Die elektronische Signatur sei der analogen rechtlich vollkommen gleichgestellt.

Alle Details zur Freischaltung der „Handysignatur neu“ finden sich im Internet hier . Wer sich den zeitlich längeren Weg über die Onlineregistrierung mit Zuschicken des Aktivierungscodes per Post ersparen möchte, kann sich bei einer der Registrierungsstellen freischalten lassen: Finanzämter, Gemeinden, Versicherungsunter-nehmen. Eine diesbezügliche Liste findet sich hier. „Ab dem Zeitpunkt der Identifizierung können Sie frei agieren“, so Posh. Wem zum Beispiel bei einem Vertrag erst einen Tag vor Ende der Frist einfällt, dass er kündigen möchte, dessen Brief könnte am Postweg zu spät ankommen. Mit der Handysignatur ginge es sofort, so Reinhard Posch.

Jonathan Scheucher, help.ORF.at

Mehr zum Thema: