Minzfrisch gegen Karies: Mundspülungen im Test

Sie schützen vor Karies, bekämpfen Zahnbelag und beugen Zahnfleischentzündungen vor. Das sind wohl die gängigsten Werbeversprechen für Mundspüllösungen. Aber können sie diese auch tatsächlich einhalten? Können sie vielleicht sogar das Zähneputzen ersparen? Die deutsche Stiftung Warentest und der Verein für Konsumenteninformation (VKI) haben zehn Mundspülungen getestet.

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Im Labor wurde die Konzentration der Inhaltsstoffe untersucht. Anhand der gewonnenen Daten haben Zahnexperten anschließend überprüft, ob die Produkte tatsächlich halten, was die Werbung verspricht. Die Ergebnisse waren durchwegs positiv, sagt VKI-Projektleiterin Birgit Schiller, viele Produkte haben mit der Gesamtbewertung „Gut“ abgeschnitten. Der erste Platz ging an „Dontodent“, die Eigenmarke von DM. Aber auch Markenprodukte von „Odol“ oder „Meridol“ hätten im Test gut abgeschnitten, so Schiller.

Mundspüllösungen sind kein Mundwasser

Mundspülungen wirken gegen Bakterien an der Zahnoberfläche, die für Karies und Zahnfleischentzündungen verantwortlich sind. Im Gegensatz zu Mundwasser, das primär als Atemerfrischer dient, können Mundspüllösungen hier tatsächlich wirksam sein, sagt die Zahnärztin Corinna Bruckmann von der Universitätszahnklinik in Wien. Zwingend notwendig seien die roten, blauen und grünen Lösungen mit dem mehr oder weniger intensiven Minzgeschmack aber nicht. Als Goldstandard der Mundhygiene gelte nach wie vor: zweimal täglich Zähneputzen. Dabei sollten die Zahnflächen gründlich mit der Zahnbürste geputzt und auch die Zahnzwischenräume mit Zahnseide gereinigt werden. So könne man auch ohne Mundspüllösungen eine gute Mundgesundheit erhalten, so Bruckmann.

Nicht notwendig, aber manchmal hilfreich

Der korrekte Umgang mit Zahnbürste und Zahnseide sei aber nicht jedermann gegeben, es gebe daher immer wieder Fälle, wo der Einsatz von Mundspülungen durchaus nahegelegt werden kann, meint die Zahnexpertin. Etwa wenn man eine festsitzende Zahnspange trägt, oder bedingt durch eine schmerzende Schulter den Arm nicht gut heben kann. Auch im Falle einer Sehschwäche oder nach einer Operation könne „die Chemie durchaus anfühlend helfen“, so Bruckmann.

Mundspülungen im Test
Getty Images/Mauro_Scarone; Stiftung Warentest (Montage)
Zwei der drei Top-Produkte im VKI-Test sind Eigenmarken

Chlorhexidin: Die chemische Zahnbürste

Das Zähneputzen ersetzen können die im Test vertretenen Drogerieprodukte nicht. Dazu sei die Konzentration der Inhaltsstoffe zu gering, so Corinna Bruckmann. Anders wäre das nur bei einer 0,2 Prozent Lösung Chlorhexidin. Chlorhexidin ist im Supermarkt aber nicht erhältlich und wurde daher auch nicht getestet. Mundspülungen mit Chlorhexidin werden im medizinischen Bereich eingesetzt und sind apothekenpflichtig. Man könne sie als chemische Zahnbürste bezeichnen, und sie würden als solche etwa auch auf Intensivstationen eingesetzt, so die Expertin.

Langfristig sollte man Chlorhexidin nicht verwenden. Es können Nebenwirkungen wie starke Zahnverfärbungen oder Geschmacksstörungen auftreten. In Ausnahmefällen, „wenn man aus irgendeinem Grund einmal überhaupt nicht dazu kommt“, könne man das Zähneputzen aber tatsächlich durch hochdosiertes Chlorhexidin ersetzen, so Bruckmann. Man könne in so einem Fall aber nicht irgendeine Mundspülung aus dem Drogeriemarkt verwenden.

Fluoride: „Sinnvoll und nicht schädlich“

Inwiefern eine Mundspülung für den individuellen Bedarf geeignet ist, hängt auch von den Inhaltsstoffen ab. Produkte wie „Listerine“ beispielsweise enthalten Alkohol. Der wirkt antibakteriell, ist aber beispielsweise nichts für trockene Alkoholiker oder für Kinder. Kinder sollten außerdem frühestens nach dem Zahnwechsel, also etwa mit 12 oder 13 Jahren zu Mundspülungen greifen.

Nicht unumstritten sind auch Fluoride, die in Zahnpflegemitteln zur Kariesprophylaxe enthalten sind. In extrem hohen Dosierungen können diese toxisch wirken. Auch das Gerücht, das Fluoride Krebs verursachen, hält sich auf diversen Verschwörungsplattformen hartnäckig. Jedoch gilt auch hier: Die Dosis macht das Gift. In Ländern, in denen etwa das Trinkwasser mit Fluoriden versetzt ist, sollte man vorsichtig sein. Von Zahnpflegemitteln, die nicht eingenommen, sondern nach dem Gebrauch wieder ausgespuckt werden, gehe aber keine Gefahr aus, meint die Zahnärztin. Hier gebe es zahlreiche Langzeitstudien, man könne also davon ausgehen, dass eine vorschriftsmäßig erfolgte Anwendung sinnvoll und nicht schädlich sei, so Bruckmann.

Testergebnisse: Auf die Details kommt es an

Sämtliche Produkte ohne Fluoride sind bei der Überprüfung auf ihre Wirksamkeit bei Stiftung Warentest und dem VKI übrigens durchgefallen. Testsieger war mit 82 Punkten die DM Eigenmarke „Dontodent“, gefolgt von der Rewe-Eigenmarke „Today-Dent“. Auf dem dritten Rang findet man ein Produkt von Listerine. Die Marke Listerine erhielt auch deswegen Pluspunkte, weil ihre Produkte als Einzige über eine Kindersicherung verfügen.

VKI-Projektleiterin Birgit Schiller rät daher aber auch dazu, nicht nur das Gesamturteil im Auge zu haben, sondern auf die Detailergebnisse zu achten, um die richtige Mundspülung für den individuellen Bedarf zu finden. Schließlich wirken sich die Listerine-Pluspunkte für die Kindersicherung zwar erheblich auf die Gesamtbewertung aus, dürften kinderlosen Personen aber wohl eher gleichgültig sein. Die genauen Ergebnisse werden am kommenden Donnerstag im VKI-Magazin „Konsument“ veröffentlicht.

Paul Urban Blaha, help.ORF.at

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