Schadstoffe in bunten Haartönungen

Naturtöne wie Blond und Braun waren gestern – heute trägt man Regenbogenfarben im Haar. Das deutsche Magazin „Öko-Test“ hat die Inhaltsstoffe der Regenbogentönungen genauer unter die Lupe genommen - und wurde fündig.

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Getestet wurden 14 Einkomponenten-Haarfarben, darunter bekannte Marken wie Goldwell, Schwarzkopf und L’Oreal. Das sind Tönungen, die allgemein als schonendste Art der Farbveränderung empfohlen werden. Anders als beim Blondieren oder Färben, die mit Oxidationsmitteln arbeiten, hält eine solche Tönung nicht dauerhaft, sondern wäscht sich mit der Zeit heraus, und die Farbe verblasst langsam.

Regenbogen Haartönung
Getty Images/heckmannoleg
Möglichst viele Farben, möglichst schöne Verläufe: Der Unicorn-Hair-Trend

Die Tönungen wurden im Labor auf Schadstoffe untersucht und die Inhaltsstoffe mit den aktuellen Datenbanken der EU-Kosmetikgesetzgebung verglichen, so Marieke Jörg, Leiterin des Tests.

Das Ergebnis war ernüchternd: Denn auch die Farben neuester Generation sind nicht verträglicher als die klassischen Chemiekeulen-Haarprodukte. „Egal ob Grün Gelb, Blau, Lila oder Rot – von den Farben im Test hat sich keine als unbedenklich erwiesen“, so Jörg. „Wir können kein einziges Produkt empfehlen.“ In der bunten Farbpalette steckt gleich eine Vielzahl an problematischen Bestandteilen.

Allergieauslösend, krebsverdächtig, hormonwirksam

„Zum einen haben wir problematische Färbestoffe gefunden, die Allergien auslösen können oder die wegen fehlender wissenschaftlicher Daten noch gar nicht abschließend bewertet werden konnten. In einem Produkt wurde sogar eine Färbesubstanz nachgewiesen, die als krebsverdächtig gilt“, so Testleiterin Jörg. Zudem seien problematische Konservierungsstoffe festgestellt worden, von denen manche im Tierversuch hormonwirksam gewesen seien und auch kritische Duftbestandteile seien bei den Farben ein Thema.

Für den Kunden und die Kundin sind die schädlichen Substanzen praktisch nicht zu erkennen. Zwar müssen sämtliche Inhaltsstoffe auf der Verpackung angegeben sein, doch gerade bei Färbemitteln sind das so viele, dass man ohne Hintergrundwissen keine Chance hat, die unterschiedlichen Substanzen richtig einzuordnen. Ob man auf das Mittel reagiert, zeigt sich erst bei der Anwendung.

Bei Jucken oder Brennen sofort ausspülen

Merkt man beim Auftragen oder Einwirken, dass sich die Kopfhaut rötet, es anfängt zu jucken oder zu brennen, sollte die Haarfarbe schnell wieder ausgespült werden. Das sind bereits Hinweise auf eine allergische Reaktion.

Lohnt es sich hier, tiefer in die Tasche zu greifen und die Regenbogenfarbe lieber vom Friseur auftragen zu lassen? Mit Hilfe von Profis kann zwar sicher ein schöneres Farbergebnis erzielt werden, die Farben und Inhaltsstoffe sind aber auch in den Profifarben dieselben. „Der Vorteil zur Do-it-yourself-Haarfarbe für das Badezimmer daheim ist aber sicher, dass der Friseur sofort merkt und reagieren kann, wenn eine allergische Reaktion eintritt,“ so Konsumentenschützerin Jörg.

Tipp: Nur Haarspitzen tönen

Wer auf eine gelegentliche Typveränderung nicht verzichten will, kann zu klassischen Pflanzenfarben wie Henna greifen. Die Farbvielfalt ist hier aber sehr eingeschränkt. Neben rötlichem, braunem und schwarzem Henna gibt es nur noch eine farblose Variante, die die Haare pflegen soll. Die Farben des Regenbogens sucht man allerdings vergeblich.

Jugendlichen, die dem aktuellen Trend folgen und mit den auffälligen Regenbogenfarben herausstechen wollen, rät die Testleiterin, die Farben möglichst nicht an der Kopfhaut zu verwenden. „Vielleicht reicht es für einen knalligen Effekt ja auch, sich die Haarspitzen bunt zu färben“, so Jörg. Wer dem Regenbogenhaartrend trotzdem folgen möchte, sollte das zumindest nicht allzu oft tun. Denn auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift. Das Risiko für Allergien ist geringer, wenn man nicht so oft färbt. „Wenn man hin und wieder färbt und keine Symptome bei sich beobachtet, dann kann man das schon mal machen“, so Jörg.

Faschingsfarbsprays noch bedenklicher

Noch kritischer als Haartönungen, sieht Konsumentenschützerin Jörg Haarfarben zum Aufsprühen, wie sie etwa zur jetzigen Faschingszeit in den Drogeriemärkten angeboten werden. „Bei den Sprays ist es so, dass die Darreichung an sich schon weitere Risiken birgt. Sprays mit Treibgas können leicht eingeatmet werden. Und es gibt durchaus einige Schadstoffe, die vor allem dann gefährlich sind, wenn sie in die Lunge gelangen. Da sollte man wirklich vorsichtig sein“, so Jörg.

Liste der getesteten Produkte

Die getesteten Produkte mit der Note „Mangelhaft“: Color 2 Create by Isana Mix + Shade, Passion Purple; Goldwell Elumen Pure RR@all 3-10; Paint Glow Rebellious Colours Semi-Permanent, Blue Lagoon.

Die getesteten Produkte mit der Note „Ungenügend“: Arctic Fox Semi-Permanent Hair Color, Iris Green; Manic Panic Semi-Permanent Hair Color Cream, Electric Banana; Schwarzkopf Got2BFarb Artist, 096 Caribbean Türkis; Schwarzkopf Professional Igora Color Worx Direct Dye, Purple; Smart Beauty Semi-Permanente Haarfarbe, Rosa Pastell; Crazy Color by Renbow Semi-Permanent, Pine Green No. 46; HeadshotHairDye, Captain Carrot; Knight & Wilson Colour-FreedomHaartönung, Coral Blush; La Riche Directions Farbcreme zum Tönen, PillarboxRed; L‘Oreal ColoVistaWashout, Bluehair und Stargazer Hair Colour Rinse SemiPermanent, RoyalBlue.

Beate Macura, help.ORF.at

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