Wie „fair“ Kosmetik ist

Neben fair produzierten Bananen, Kaffee, Schokolade und Mode werden auch Pflegeprodukte angeboten, die mit gutem Gewissen gekauft werden können. Doch was ist eigentlich „faire Kosmetik“? Was hinter dem Begriff steckt und welche Produkte unbedenklich sind.

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Für Konsumenten, die beim Einkaufen bewusst auf die Herkunft der Rohstoffe und faire Herstellung achten wollen, liegt es nahe, auch bei Kosmetik zu fair produzierten Cremen, Shampoos und Seifen zu greifen. Und da ist zunächst einmal Vertrauen gefragt. Denn ein Problem haben alle fair gehandelten Produkte gemeinsam: Der Begriff „fair“ ist nicht genau definiert.

100 Prozent „fair“ bei Kosmetik nicht möglich

Es gibt keine gesetzlichen Vorgaben, wann ein Produkt als fair deklariert werden darf. „Theoretisch kann jeder Hersteller Begriffe wie ‚fair‘ oder ‚mit fairen Inhaltstoffen‘ auf sein Produkt schreiben und dafür dann seine eigenen Maßstäbe für fairen Handel anlegen“, sagte Marieke Jörg vom deutschen Verbrauchermagazin „Öko-Test“. Die Zeitschrift prüfte unterschiedliche Kosmetikprodukte mit dem Prädikat „fair“ und befragte die Hersteller zu ihren Angaben zum Thema fairen Handel.

Anders als bei Bananen und Kaffee, wo der Rohstoff gleichzeitig auch das fertige Produkt ist, steckt bei Cremen und Co. der Teufel im Detail. Sie bestehen aus einer Vielzahl an Inhaltsstoffen. Für den Verbraucher ist es schwierig, zu erkennen, wie groß der Anteil an fair gehandelten Inhaltstoffen ist. „Manchmal stammt wirklich nur ein Bruchteil der Gesamtrezeptur wirklich aus fairem Handel“, so Jörg.

Rohstoff für Sheabutter
LIONEL BONAVENTURE / AFP
Der Rohstoff für Sheabutter kommt aus Afrika

Rohstoffe wie Kakao, Honig, Zucker, Kokosöl und Sheabutter können fair produziert und für Kosmetika verwendet werden. Viele Inhaltsstoffe seien aber gar nicht aus fairem Handel verfügbar. Kosmetika bestehen außerdem in der Regel zu einem Großteil aus Wasser, das eben nicht fair zertifizierbar sei, meint die Expertin von „Öko-Test“. „Wichtig zu wissen ist, dass 100 Prozent fair bei Kosmetik nicht möglich ist.“

Vertrauen auf Gütesiegel und Herstellerangaben

Wenn es darum geht, wie groß der Anteil an fair gehandelten Rohstoffen im Produkt ist, müssen sich Konsumenten auf die Angaben des Herstellers verlassen bzw. auf Fair-Trade-Siegel vertrauen. Verschiedene Labels wie „Fairtrade“, „Fair for Life“ und Produkte von einschlägigen Handelsorganisationen wie EZA und Gepa setzen gewisse Mindeststandards und sind eine Orientierungshilfe. Sie haben aber auch Nachteile, meinte Jörg: „Wenn ein Produkt ein Label trägt, könnte der Verbraucher schon auf die Idee kommen, dass das ganze Produkt fair gehandelt ist. Damit das Produkt das Label tragen darf, müssen aber oft nur ganz kleine Mengen der zertifizierten Inhaltsstoffe enthalten sein.“ Außerdem erscheine der Anteil am Gesamtprodukt höher, wenn Hersteller den zumeist hohen Wasseranteil herausrechnen.

Bei dem Label „Fair for Life“ sind das mindestens zehn Prozent aller Inhaltsstoffe - ohne Wasser, Salze und Mineralien - und mindestens fünf Prozent des Gesamtprodukts. Für das „Fairtrade“-Siegel braucht es für Produkte, die auf der Haut bleiben, mindestens fünf Prozent Inhaltsstoffe aus fairem Handel. Für Kosmetika, die abgewaschen werden, sind zwei Prozent nötig. Der Wasseranteil wird hier mit einberechnet. „Zwei bis fünf Prozent sind aus unserer Sicht jetzt nicht besonders viel“, so die Testerin.

Kakaofrucht und Kakaobohnen
Masterfoods
Auch Kakao wird für Kosmetikprodukte verwendet und kann fair gehandelt werden

Unterschiedliche Ansätze zu fairem Handel

Trotzdem bieten sichtbare Siegel eine gewisse Transparenz und Mindeststandards. Manche Anbieter von fairer Kosmetik verzichten auf Labels und verweisen auf der Produktverpackung auf die enthaltenen fairen Inhaltstoffe. Andere wiederum verstehen fairen Handel als Teil der Unternehmensphilosophie und beschreiben das auf ihren Websites, aber nicht auf der Verpackung selbst.

Nachvollziehbarkeit für den Konsumenten sei hier nicht gegeben, so Jörg: „Oft stecken dahinter auch zertifizierte Inhaltsstoffe, aber hier kann der Verbraucher eben nicht überprüfen, wie groß der Anteil am gesamten Produkt ist und wie die Maßstäbe für die übrigen Inhaltsstoffe angelegt wurden.“ Außerdem sei die Möglichkeit, die zugrunde liegenden Kriterien einzusehen, nicht so einfach.

Naturkosmetik ist nicht immer auch fair

Hauptsächlich werden fair gehandelte Rohstoffe bei Naturkosmetikprodukten verwendet. Es gibt aber auch konventionelle Kosmetika, die nachhaltig produzierte Inhaltsstoffe ausweisen. Von der Aufmachung dürfen sich Konsumenten hier nicht verwirren lassen. Auch wenn der Eindruck manchmal entstehen kann - fair gehandelt bedeutet nicht Naturkosmetik und auch nicht automatisch biologisch. Außerdem sind faire Produkte nicht immer unbedenklich, wie das Ergebnis von „Öko-Test“ zeigt. „Zwar hatten wir an den Inhaltsstoffen der allermeisten Produkte nichts auszusetzen, aber in drei Produkten wurden im Labor dann doch problematische Substanzen nachgewiesen. Diese Produkte haben dann auch schlechter abgeschnitten. Eine Seife war dann sogar ungenügend“, so die Testerin.

Gütesiegel und Inhaltsstoffliste beachten

Wer also Kosmetik mit gutem Gewissen kaufen möchte, kann sich an den Gütesiegeln orientieren und hat damit eine Garantie für gewisse Standards, rät Jörg. Gibt es das nicht, könne auch die Inhaltsstoffliste Aufschluss geben. Je weiter vorne der als fair gehandelte Stoff in der Liste steht, desto mehr davon ist im Produkt enthalten.

Melanie Stocker, help.ORF.at

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