Hygienestreit über Händetrockner

Moderne Händetrockner schauen gut aus, trocknen die Hände rasch und die Haut dank Kaltluft nicht aus. Zahlreiche Restaurants, Hotels und Raststätten setzen die mit Druckluft betriebenen Geräte ein. Ob sie auch in puncto Hygiene neue Standards setzen, ist seit Langem umstritten. Laut britischen Forschern sind die stylishen Designgeräte Keimschleudern. Marktführer Dyson sieht das anders.

Seit Jahren tobt zwischen den Herstellern von WC-Ausstattung ein Kampf darum, wer die beste Hygiene beim Händetrocknen bietet. Jede Seite versucht dabei, ihren Standpunkt mit Studien zu untermauern. Eine im „Journal of Applied Microbiology“ veröffentlichte Studie der Universität Westminster in London heizt die Debatte neu an.

Im Rahmen der Studie verglichen die britischen Forscher drei verschiedene Methoden des Händetrocknens: Einwegpapiertücher, normale Warmlufttrockner und die Hochgeschwindigkeitshändetrockner, bekannt etwa in der silbernen Ausführung des britischen Herstellers Dyson.

Keime werden drei Meter weit geschleudert

Für die Untersuchung wurden die Hände von Testpersonen in eine Flüssigkeit mit ungefährlichen Keimen getaucht. Die Hände wurden danach nicht gewaschen, sondern nur getrocknet, und anschließend werden die Keimspuren im Raum gemessen. Das Ergebnis: Das 690 km/h starke Gebläse der Hochgeschwindigkeitstrockner verbreitet 60-mal mehr Keime als normale Trockner und 1.300-mal mehr als Papiertücher. Außerdem schleudert es die Keime laut Studie bis zu drei Meter in den Raum hinein. Zwar werden auch bei den anderen Methoden Keime im Raum verteilt, aber nicht so weit. Beim Warmluftgebläse waren es 75 Zentimeter, bei Papiertüchern 25 Zentimeter.

Trocknen ohne Gerät zu berühren schwierig

„Wenn ich die Hände nicht gut abgewaschen habe und sie dann triefend nass in so einen Lufttrockner halte, dann tropft das Wasser einerseits in das Gerät und sammelt sich dort unten an und zum Teil wird es durch den intensiven Luftstrom in die Umgebung verschleudert“, erklärt Magda Diab-Elschahawi, Fachärztin für Hygiene und Mikrobiologie am Allgemeinen Krankenhaus in Wien im Gespräch mit help.ORF.at. Auch sei die Öffnung meist recht schmal, so dass man beim Trocknen durchaus auch am Gerät anstreift. „Das heißt, ich kann mich entweder beim Berühren der Geräteoberfläche selbst oder beim Berühren der Umgebung kontaminieren“, so Diab-Elschahawi.

Händetrockner
ORF.at/Christian Öser
Hygienexperten vertrauen auf das Einweg-Papiertuch

Darmbakterien, Durchfallerreger, Viren

Erwischt man im Waschraum nur die unzähligen normalen und guten Bakterien der gesunden Hautflora, schadet das dem Körper grundsätzlich nicht. Gerade nach dem Gang zum WC kann es sich aber auch um Darmbakterien oder im schlimmsten Fall um Durchfallerreger oder Viren handeln. „Aus meiner Sicht ist das hygienischste sicher das Verwenden eines Einmalpapiertuchs,“ so Hygieneexpertin Diab-Elschahawi. Dieses Einmalpapiertuch werde - wie der Name schon sagt - nach dem Gebrauch im Mistkübel entsorgt, so sei eine Übertragung von Keimen auf andere nicht mehr möglich.

Dyson kritisiert unrealistische Studienbedingungen

Dyson, als Marktführer bei den modernen Händetrocknern am meisten von der Studie betroffen, sieht das anders. Die britische Firma kontert in einem englischsprachigen YouTube-Video, bei Papiertüchern bestehe schon während der Herstellung in der Fabrik die Gefahr einer Verunreinigung durch Bakterien verunreinigt. Außerdem seien Papiertücher in Waschräumen ohnehin ständig aus, und damit bestehe oft gar keine Wahl beim Abtrocknen.

Zu diesem Thema würden seit Jahren immer wieder Studien veröffentlicht, die unter unrealistischen Bedingungen im Labor entstünden, so Peter Pollak, Managing Director bei Dyson Österreich, in einer Stellungnahme gegenüber help.ORF.at. Zum Beispiel würden die Hände in Handschuhe gesteckt oder wie im vorliegenden Fall sogar vor dem Trocknen gezielt mit Viren verunreinigt. „Wir sind überzeugt, dass ein großer Teil von Herr und Frau Österreicher das ganz anders macht – sich nämlich vor dem Händetrocknen erst einmal die Hände wäscht. Mehr muss man zur Relevanz dieser Studie eigentlich nicht sagen“, so Pollak.

Geschätzte 50 Prozent waschen die Hände

Händewaschen ist der einfachste Schutz vor vielen Erkrankungen und weder mit viel Aufwand noch mit viel Zeit verbunden. Es scheint aber recht wenig verbreitet zu sein. Exakte Zahlen, wie viel Prozent der Toilettenbenutzer sich nach ihrem Geschäft wirklich die Hände waschen, gibt es nicht. Verschiedene Schätzungen sprechen von einem Drittel bis maximal der Hälfte der Personen, die sich um Wasser und Seife bemühen. „Das korrekte Händewaschen, wie ich es mir aus hygienischer Sicht wünschen würde, machen sicher nur sehr wenige“, sagt auch AKH-Hygieneexpertin Diab-Elschahawi.

Keimfrei in mindestens 30 Sekunden

Um sich die Hände richtig zu waschen, reicht das kurze Halten unter laufendes Wasser allein jedenfalls nicht. Vielmehr muss man die Hände zuerst nass machen und dann ausreichend Seife nehmen. Danach sollten die Handflächen und auch die Zwischenfingerräume gegeneinander gerieben werden, erklärt die Expertin. Etwa 30 Sekunden sind nötig, damit die Keime zuverlässig verschwinden. Danach mit sauberem Wasser abspülen, damit Schmutz und losgelöste Bakterien weggeschwemmt werden. Danach sollten die Hände gründlich abgetrocknet werden, am besten laut der Expertin, mit einem Einwegpapiertuch.

Beate Macura, help.ORF.at

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