Was gegen den Neujahrskater hilft

Zu Silvester kann man sich ungeniert zuprosten, und das eigentlich jedes Mal, wenn man ein schönes Neues wünscht. Da kann es schon passieren, dass das neue Jahr so gar nicht „schön“ beginnt und man ganz im Gegenteil mit stechenden Kopfschmerzen und unruhigem Magen in den 1. Jänner taumelt. Es gibt aber ein paar Tricks, um dem Morgen danach die schlimmsten Schrecken zu nehmen.

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Der Begriff „Prosit Neujahr“ stammt nicht von ungefähr. Fast überall auf der Welt ist es üblich, das neue Jahr unter dem Einfluss alkoholischer Getränke zu begrüßen. Allein rund zwei Millionen Flaschen Sekt bzw. 15 Millionen Gläser Sekt werden in Österreich zu Silvester getrunken. Was allerdings durchwegs unerwünschte Nebenwirkungen nach sich ziehen kann. Was am 31. Dezember mit einer rauschenden Silvesterparty beginnt, kann am 1. Jänner mit Übelkeit und Brummschädel enden.

Vor dem Prosten sollte man etwas essen

Wer schon vor den Feierlichkeiten versuchen möchte, dem möglicherweise bevorstehenden Kater die übelsten Schrecken zu nehmen, der sollte vorher gut essen, meint der Leiter des Departments für Ernährungswissenschaft an der Uni Wien, Jürgen König. Dass die zugeführte Nahrung besonders fetthaltig sein sollte, wie oft zu lesen ist, sei jedenfalls nicht zwingend, so König. Fettes Essen führe wohl dazu, die Alkoholaufnahme in den Organismus ein wenig zu verzögern, nicht aber zu verhindern. Inwieweit sich der Sekt auf den Magen schlägt, komme letztlich auf die Gesamtmenge des konsumierten Alkohols an, so König.

Feuerwerk Sektflöte
APA/BARBARA GINDL
Sekt statt Selters: Zum Jahreswechsel hat man es gerne laut und feucht.

Alkohol entzieht dem Körper Flüssigkeit

Sowohl während als auch nach dem Alkoholgenuss kann es nicht schaden, viel Wasser zu trinken. Alkohol führe in einem gewissen Ausmaß dazu, dass das Elektrolytgleichgewicht und der Wasserhaushalt durcheinandergeraten. Viel alkoholfreie Flüssigkeit könne den Körper dabei unterstützen, diese Flüssigkeitsverluste auszugleichen.

Salzige Speisen gleichen den Elektrolythaushalt aus

Die Empfehlung, bei alkoholbedingtem Unwohlsein auf Kipferl und Müsli zu verzichten und stattdessen zu einem klassischen Katerfrühstück zu greifen, habe ebenfalls mit den Elektrolyten zu tun, so König: „Hier geht’s im Wesentlichen darum, mehr oder weniger salzige Speisen zu essen, etwa den typischen Neujahrshering, der ist ja relativ salzig. Es geht also schlicht und einfach darum, durch das Salz die Verluste an Elektrolyten, die man durch den Alkoholkonsum vielleicht verstärkt erlitten hat, wieder auszugleichen.“

Vorsicht bei Selbstmedikation

Wer daran denkt, kann vor dem Schlafengehen noch ein Aspirin schlucken. Für Menschen mit sensiblem Magen eignet sich besser Alka-Seltzer. Diese beiden Klassiker der Hausapotheke enthalten Acetylsalicylsäure - ein Schmerzmittel, dass helfe, die schmerzhaften Nebenwirkungen des Alkoholkonsums ein wenig zu reduzieren, so König.

Sekt und Bierflasche
dpa/Uli Deck
Nach der Party: Leere Flaschen, brummende Schädel

Vor anderen Medikamenten warnt der Ernährungswissenschaftler. Etwa vor Acetylcystein. Ein schleimlösender Wirkstoff, der bei Atemwegserkrankungen, aber auch bei Leberinsuffizienz eingesetzt wird. Er ist etwa in dem Medikament ACC enthalten. Actylcystein wird nachgesagt, dass es den Alkoholabbau in der Leber fördert und daher Katerbeschwerden lindert. König warnt vor dieser Form der Selbstmedikation. Die Wirksamkeit bei Katerbeschwerden sei umstritten - auf der anderen Seite sei Acetylcystein aber ein hochwirksames Medikament, das im Zweifelsfall schwere Nebenwirkungen zur Folge haben könnte.

Das Reparaturseidel - ein gefährlicher Mythos

Der wahre Freund feuchtfröhlicher Trinkgelage weiß schon lange: Die Übelkeit durch Alkohol bekämpfe man am besten mit noch mehr Alkohol. Das so genannte Reparaturseidel soll alles wieder geradebiegen. Für den Ernährungsexperten König läuten bei dieser Maßnahme allerdings die Alarmglocken. Es könne sein, so König, dass die erneute Zufuhr von Alkohol bei manchen Menschen vorübergehend zu einer Besserung führt. Letzten Endes müsste aber auch dieser Alkohol irgendwann abgebaut werden – das Reparaturseidel führe also bestenfalls zu einer Verschiebung des Problems. Die langfristigen Folgen dieses Anti-Kater-Mittels seien verheerend. Konsumenten der Reparaturseideln hätten den vertretbaren Pfad des Alkoholkonsums wohl bereits verlassen.

Der beste Tipp: frische Luft und Bewegung

In Wahrheit bekämpfe man den Kater am besten, indem man weniger trinkt, so König. Und wenn das Malheur schon passiert ist und der Schädel brummt, heiße es einfach, die Zähne zusammenzubeißen. Die besten Sofortmaßnahmen am Morgen danach seien frische Luft und Bewegung. Das helfe immer und sei schlicht und einfach die beste Empfehlung, die man geben könne, so König. In diesem Sinne: Prosit Neujahr.

Paul Urban Blaha, help.ORF.at

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