Mensch putzt Zähne
dpa-Zentralbild/Patrick Pleul
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Zahnbürste: Sie muss nicht elektrisch sein

Doppelt so saubere Zähne und bis zu 15-mal gesünderes Zahnfleisch in wenigen Wochen: Mit diesen und ähnlichen Versprechen werben Hersteller elektrischer Zahnbürsten. Mit der deutlich günstigeren Handzahnbürste bekommt man die Zähne aber ebenfalls sauber – solange die Putztechnik stimmt.

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“In wissenschaftlichen Übersichtsarbeiten sehen wir zwar, dass elektrische Zahnbürsten Zahnbelag und Zahnfleischentzündungen stärker reduzieren können als Handzahnbürsten", sagt Markus Laky, Zahnarzt und Leiter der Spezialambulanz Laserzahnheilkunde in der Zahnklinik der Medizinischen Universität Wien. Hier handle es sich aber nur um einen Vorsprung im Bereich von zehn bis 20 Prozent. Auch mit der Handzahnbürste ließen sich Karies und Zahnfleischerkrankungen gut verhindern, so Laky.

Rotierend oder doch mit Schall?

“Wir nehmen unseren Patienten die Bürste nicht weg, wenn sie sich mit ihr wohlfühlen". Nur, wenn es Patientinnen und Patienten nicht gelinge, mit der Handzahnbürste ihre Zähne ausreichend zu säubern, werde ihnen der Umstieg auf eine elektrische Bürste empfohlen.

Bei elektrischen Zahnbürsten wird zwischen rotierend-oszillierenden Modellen und Schallzahnbürsten unterschieden. Die herkömmlichen, rotierenden Bürsten putzen die Zähne mit runden, drehenden Bürstenköpfen. Schallzahnbürsten haben stattdessen einen länglichen Bürstenkopf, der den Zahnbelag durch zehntausende Schwingungen pro Minute löst.

Elektrische Zahnbürsten: Teurer putzt nicht besser

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) testete im vergangenen Herbst acht elektrische Zahnbürsten. Die Schallzahnbürsten putzten dabei nicht besser als die rotierend-oszillierenden Exemplare. Konsumentinnen und Konsumenten sollten sich beim Kauf nicht von teuren Extrafunktionen oder aufwendigem Design leiten lassen, rät der VKI. Auch günstige elektrische Zahnbürsten putzen gut. So schnitt das teuerste Modell im Test um 330 Euro bei der Zahnreinigung nicht besser ab als eine Zahnbürste desselben Herstellers um 93 Euro.

Zahnarzt schaut in den Mund (oder eher in eine Zahnprothese?)
APA/dpa/Julian Stratenschulte
Eine korrekte Putztechnik kann helfen, eventuell traumatische Erfahrungen zu vermeiden

Putztechnik ausschlaggebend

Auch bei elektrischen Zahnbürsten kommt es auf die richtige Putztechnik an. Die Bürste wird mehrere Sekunden lang an einen Zahn gehalten, der rotierende oder vibrierende Bürstenkopf übernimmt das Putzen. Bei Handzahnbürsten empfehlen Laky und seine Kolleginnen und Kollegen in der Universitätszahnklinik dagegen die “Bass- oder Rüttel-Technik". Die Borsten setzen dabei beim Übergang vom Zahnfleisch zum Zahn an und werden dort sanft hin und her gerüttelt. Anschließend wischt man mit der Bürste vom Zahnfleisch Richtung Zahnoberfläche und wandert zum nächsten Zahn.

Mit dieser Technik sollen das Zahnfleisch und vor allem die Zahnzwischenräume mitgeputzt werden. Die Außenfläche des Zahns würde man wahrscheinlich schon mit der Zunge mechanisch sauber bekommen, der Zahnzwischenraum sei dagegen immer kritisch, so Laky. Die Zahnbürste – egal, ob elektrisch oder nicht – sei in der Regel ohnehin nicht ausreichend, um die Zwischenräume zu reinigen.

Zahnseide und Zwischenraumbürsten

Für die Zähne seitlich im Mund rät Laky zu Zwischenraumbürsten, die in gängigen Drogerien verfügbar sind. Diese Bürsten sollen die Zwischenräume gut ausfüllen, aber nicht zu groß sein, um Verletzungen zu vermeiden. Zwischen den Vorderzähnen sollte man – zumindest bei gesundem Zahnfleisch – dagegen besser Zahnseide verwenden, um die sogenannten “Papillen", das spitz zulaufende Zahnfleisch zwischen den Zähnen, zu schonen. Wenn aber infolge von Zahnfleischrückgang größere Zwischenräume zwischen den Vorderzähnen entstanden sind, sollten auch hier Bürsten zum Einsatz kommen, sagt Laky.

Zwei Mal zwei Minuten – systematisch

Die Zähne zwei Mal täglich für mindestens zwei Minuten zu putzen ist nur ausreichend, solange man dabei systematisch vorgeht und keinen Bereich auslässt. “Meistens überschätzt man, wie gut und wie lang man putzt", schildert Laky. Ein Vorteil vieler elektrischer Zahnbürsten: Sie messen die tatsächliche Putz-Dauer und können dabei helfen, lang genug zu putzen. Plaque-Anfärbe-Tabletten können ebenfalls zeigen, wo nach dem Zähneputzen noch Zahnbelag vorhanden ist und die eigene Routine geändert werden sollte.