Illustration zum Thema Finanzierung – Geldscheine liegen auf einem Ausdruck mit dem begriff „Finanzierung“
APA/BARBARA GINDL
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AK-Erhebung: Wohnbaukredite in Zeiten steigender Zinsen

Nach sechs Jahren der Negativzinsen steigt der Sollzins wieder an. Das spüren vor allem Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer. So seien mittlerweile die Zinsen auf variable Wohnbaukredite um satte 4,5 Prozent nach oben geklettert, sagt die Arbeiterkammer Oberösterreich (AKOÖ). Der aktuelle AK-Banken-Vergleich zeigt, wie man dennoch zu günstigen Konditionen kommen kann.

Jeden Herbst führt die AKOÖ einen Banken-Vergleich für Wohnbaukredite durch. Angeschrieben wurden acht Geldinstitute, mit der Bitte, ein Angebot für einen Kredit über 300.000 Euro zu stellen. Bei guter Bonität. Für variabel verzinste Kredite waren die Konditionen heuer um drei Prozent teurer als im Vorjahr, sagt Betriebswirt Gerhard Augustin, Finanzexperte bei der AKOÖ.

Bank Austria ist AK-Testsieger

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Wie schon bei vergangenen Erhebungen, habe die Bank Austria die besten Konditionen geboten. Bei den variablen Krediten lege sie diesmal jedoch gleichauf mit der Volkskreditbank (VKB-Bank). Beide Geldinstitute boten mit fünf Prozent die günstigsten Zinssätze, so Augustin. Mit sechs Prozent habe dieses Jahr die Sparkasse Oberösterreich das schlechteste Angebot gelegt: „Das war überraschend, weil das doch ein starker Abfall ist im Vergleich zu den anderen“, so AK-Finanzexperte Augustin. Ansonsten hätten sich die Zinsen in ähnlicher Bandbreite zwischen 5,25 und 5,5 Prozent bewegt.

AK-Experte: Ergebnisse waren überraschend

Mit rund 0,5 Prozent war der Anstieg bei fix verzinsten Krediten deutlich geringer, sagt Augustin. Bestbieter sei auch hier die Bank Austria gewesen. Vor einem Jahr habe sie bei einem Fixzinssatz für 25 Jahre 3,5 Prozent angeboten, heuer seien es 3,75 Prozent gewesen. Ein relativ geringer Zinssprung von 0,25 Prozent, so der Experte. Am schlechtesten habe die VKB-Bank abgeschlossen, die im variablen Bereich führend gewesen sei. Für zehn Jahre Laufzeit habe die VKB einen Fixzins von 5,8 Prozent angeboten. Das sei mehr als der variabel verzinste Kredit der Bank, was sehr überraschend sei, so der Augustin.

„Erleben Zeiten großer Unsicherheit“

Generell seien heuer bei mehreren Banken die langfristigen Kredit-Zinssätze niedriger als die kurzfristigen. Das bewirke, dass fix verzinste Kredite zurzeit einen niedrigeren Zinssatz aufweisen als variable. So etwas komme nur äußerst selten vor, zuletzt bei der Weltfinanzkrise 2008: „Weil damals das Vertrauen zwischen den Banken am Nullpunkt war. Jetzt erleben wir wieder eine Zeit großer Unsicherheit“, sagt Gerhard Augustin.

Derzeit kann der AK-Finanzexperte keine Empfehlung abgeben, ob ein variabler oder ein fix verzinster Wohnbaukredit vorzuziehen ist. Das sei eine höchst individuelle Entscheidung: „Ist man eher ein sicherheitsorientierter Mensch, spricht das für einen fixverzinsten Kredit, ist man risikofreudiger, wird man auf einen variabel verzinsten Kredit setzen“, so Augustin.

Wer ein gutes Einkommen habe und sich auch wesentlich höhere Zinsen leisten kann, könne durchaus weiterhin auf variabel verzinste Kredite setzen: „Weil es ist ein Auf und Ab bei der Zinsentwicklung, und bei Laufzeiten von 20 bis 35 Jahren kann sich ein variabler Kredit durchaus auszahlen“, so der Experte. In jedem Fall schlägt Augustin vor, sich mehrere Angebote geben zu lassen. Variabel verzinste Kreditangebote ebenso wie Fixzins-Kredite.

„Auf ESIS-Merkblatt bestehen und nichts überhasten“

Dabei sei es wichtig, sich von der Bank das gesetzlich vorgeschriebene „ESIS-Merkblatt“ aushändigen zu lassen, sagt Augustin. Darauf müssen die Banken alle wesentlichen Informationen in standardisierter Form bekanntgeben. Damit könne man die Angebote leichter vergleichen. „Wenn man das nicht macht, bekomme man häufig unverbindliche Finanzierungsangebote, die hübsch aussehen, auf denen aber wesentliche Informationen fehlen“, so Augustin.

Bei variabel verzinsten Krediten rät der Finanzexperte dazu, besonders auf zwei Kennzahlen zu achten: den effektiven Jahreszinssatz und den Gesamtbetrag. Der effektive Jahreszinssatz vermittle einen raschen Überblick über die tatsächlichen Kosten eines Kredits. Im Unterschied zum Sollkredit-Zinssatz sind darin nämlich sämtliche anfallende Kosten wie Bearbeitungs- oder Kontoführungsgebühren eingerechnet. Der Gesamtbetrag wiederum gebe Auskunft darüber, wie viel insgesamt für die Rückzahlung des Kredites zu zahlen sei: „Auf jeden Fall zahlt es sich aus, das nicht überhastet zu machen und sich die Entscheidung gut zu überlegen“, so Augustin.

Mit dem Bankberater feilschen

Zudem sei es sinnvoll, mit den Bankberatern über die Konditionen zu verhandeln. Wenn man etwa Konkurrenzangebote vorlege, sei die Bank in der Regel bereit, niedrigere Zinsen anzubieten. Angesichts der aktuellen Zinslage sei es sinnvoll, um jedes Achtelprozent zu verhandeln. Da gehe es um sehr viel Geld. Wenn es gelinge, ein Viertelprozent herunter zu handeln, seien das einige 1.000 Euro Ersparnis. Es zahle sich durchaus aus, hart zu bleiben“, so Augustin.

Mit August vergangenen Jahres hat die Finanzmarktaufsicht (FMA) die Vergaberichtlinien für Wohnbaukredite verschärft. Seither gilt die Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung (KIMVO). Ziel dieser Regelung ist es, Kreditnehmer vor Überschuldung zu schützen. Die Laufzeit wurde auf 35 Jahre beschränkt, die Rückzahlungsrate darf nicht mehr als 40 Prozent des monatlich verfügbaren Nettohaushaltseinkommens betragen.

FMA: Strengere Regeln bei Kreditvergabe

Außerdem müssen rund 20 Prozent der Immobilie aus Eigenmitteln finanziert werden. Alles Maßnahmen, die der AK-Experte begrüßt: „Weil wir als Konsumentenschützer natürlich Haushalte vor einer Überschuldung bewahren möchten“. Insbesondere aufgrund der gestiegenen Lebensmittel- und Energiepreise gerate man als Kreditnehmer nicht nur von der Zinsseite her unter Druck: "Das kann schnell zu einer Überforderung führen, weshalb ich der Meinung bin, dass diese Regeln sinnvoll sind“, so Augustin.