Leere Sitze eines A340 der Lufthansa
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Dienstreisen: Wer für Fehlbuchungen zahlen muss

Für eine Dienstreise hat eine Grazerin über eine Buchungsplattform einen Flug nach New York gebucht. Gegen Aufpreis erhielt sie ein „Flexibles Ticket“, für das ihr eine kostenlose Änderung des Reisedatums versprochen wurde. Als sie tatsächlich umbuchen wollte, wurde das von der Plattform aber abgelehnt. Ihr Flug wurde storniert, und sie musste einen neuen buchen. Auf eine Kostenerstattung wartete sie vergeblich.

Über eine Onlinebuchungsplattform buchte eine Grazerin am 11. September eine dienstliche Flugreise von Wien nach New York. Für Hin- und Rückflug mit den Austrian Airlines bezahlte sie 800 Euro. Während des Buchungsvorganges wurde ihr empfohlen, gegen einen Aufpreis von 50 Euro ein „Flexibles Ticket“ zu buchen. Dafür könne sie bis zu 24 Stunden vor Abflug das Datum ihrer An- und Abreise kostenlos ändern. Sie entschied sich für diese Variante. Zwei Wochen später musste sie ihre Reise tatsächlich um wenige Tage verschieben.

Buchungsplattform verweist auf Versicherung

Nachdem die Grazerin ihre Flüge auf der Plattform erfolgreich umgebucht hatte, erhielt sie eine E-Mail des Buchungsportals. Eine Änderung des Tickets sei aufgrund der Tarifbestimmungen der Fluglinie nicht möglich. Der Flug sei aber storniert worden. Für die Erstattung der Kosten solle sie sich an die Versicherung wenden, die sie mit dem Kauf des Tickets abgeschlossen habe, so die Plattform.

Verärgert wandte sich die Konsumentin an die Arbeiterkammer (AK) Steiermark. „Ich glaube, es war ihr zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, dass diese Erstattung letztlich über eine Versicherung erfolgt“, sagt Gunter Popodi, Jurist in der Konsumentenschutzabteilung. Er teilte der Grazerin mit, dass seiner Meinung nach ihr Gegner in diesem Fall die Versicherung sei. Die Konsumentin buchte einen neuen Flug und reichte einen Erstattungsantrag bei der Versicherung ein.

Hin- und Rückflug kosteten 1.000 Euro, 200 Euro mehr als die ersten Flüge. Damit hatte sie für die stornierten und die neugebuchten Flüge zusammen bereits 1.800 Euro ausgelegt. Auf eine Antwort der Versicherung, die hinter dem „flexiblen Ticket“ steckte, wartete sie wochenlang vergeblich.

AK: Wer haftet für Fehlbuchung?

Wer aber muss dafür aufkommen, wenn es bei der Buchung einer Dienstreise zu Komplikationen kommt und etwa Hin- und Rückflug doppelt bezahlt werden müssen? „Generell handelt es sich bei einer Dienstreise um die Arbeitsaufnahme an einem anderen Ort im Auftrag des Arbeitgebers“, sagt AK-Arbeitsrechtler Christoph Schribl. Wird dafür ein Verkehrsmittel in Anspruch genommen, muss das der Arbeitgeber bezahlen, so Schribl.

Kommt es beim Kauf der Tickets, wie in diesem Fall, zu Fehlbuchungen, seien die Kriterien des Verschuldens heranzuziehen. Damit könne beurteilt werden, inwiefern der Dienstnehmer für den Schaden haftet. Diese Kriterien reichen von „Vorsatz“ bis zu „Entschuldbare Fehlleistung“. Liegt ein Vorsatz vor, ist der Dienstnehmer verpflichtet, in vollem Umfang für den Schaden aufzukommen.

AK Bestenfalls leichte Fahrlässigkeit

Handelt es sich um eine entschuldbare Fehlleistung, muss der Arbeitgeber zahlen. Was die Buchung der Grazerin betrifft, sagt AK-Jurist Schribl: Es sei nicht „außerhalb der Lebenserfahrung“, auf so einer Seite zu buchen. Damit bewege sich die Konsumentin im Bereich der „leichten Fahrlässigkeit“, so Schribl. Das bedeute, dass die Tickets, selbst wenn sie doppelt gebucht wurden, vom Arbeitgeber bezahlt werden müssen.

Es sei höchst unwahrscheinlich, dass eine Dienstnehmerin dazu verpflichtet werden darf, für einen Teil der Kosten für Fehlbuchungen wie diese aufzukommen. Es sei denn, es handle sich etwa um eine Reisebüroangestellte, die mit Flugbuchungen vertraut ist, und der auffallen hätte müssen, dass es sich bei der Seite eventuell um ein nicht seriöses Portal handelt, so Schribl. In einem solchen Fall wäre eine Einstufung in Richtung Fahrlässigkeit denkbar.

Buchung mit Arbeitgeber abklären

Um erst gar nicht in die Situation zu kommen, dass sich Haftungsfragen aufgrund von Mehrkosten bei Reisebuchungen stellen, empfiehlt AK-Jurist Schribl, sich vor Abschluss einer Buchung das Einverständnis des Arbeitgebers einzuholen. Einerseits über die genauen Umstände der Plattform, über die gebucht werden soll, andererseits über die entstehenden Kosten.

Der Konsumentin aus Graz blieben derlei Haftungsfragen letztendlich erspart. Nach einem Monat Wartezeit erhielt sie diese Woche eine Antwort der Versicherung. Man werde ihr die Ticketkosten für den stornierten Flug demnächst ersetzen.

Um Situationen wie diese zu verhindern, rät AK-Konsumentenschützer Popodi, Flüge nicht auf Buchungsportalen, sondern lieber direkt bei den Fluglinien zu buchen. Sollte es dann zu Probleme wie Annullierungen oder Flugverspätungen kommen, könne die Fluglinie den Passagier nicht an das Buchungsportal verweisen und umgekehrt, so Popodi.