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ORF.at/Birgit Hajek
ORF.at/Birgit Hajek

Falsche Finanzsanierer locken mit Krediten

Bei der Arbeiterkammer Steiermark (AK) häufen sich Anfragen von Menschen in Kreditschwierigkeiten, die im Internet auf unseriöse Angebote für vermeintliche Finanzsanierungen hereingefallen sind. Die Betroffenen sind meist überschuldet und bekommen auf üblichem Weg keinen Kredit. Im Internet stoßen sie auf verlockende Kreditangebote – ohne Bonitätsprüfung. Zu gut, um wahr zu sein: Nach Überweisung von hunderten Euro Bearbeitungsgebühr sind die Firmen plötzlich nicht mehr erreichbar.

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Anfragen zu unseriösen Finanzsanierungen erreichen die AK Steiermark zwar schon seit langem, seit dem vergangenen Jahr sei aber ein deutlicher Anstieg der Beschwerden zu verzeichnen, so Juristin Sandra Battisti, Bankrechtsexpertin in der Konsumentenschutzabteilung der AK Steiermark.

„Das Blaue vom Himmel versprochen“

Betroffen sind meist überschuldete Menschen in Zahlungsschwierigkeiten, die bei keiner österreichischen Bank mehr einen Kredit bekommen. Im Internet stoßen sie dann auf vermeintliche Kreditanbieter, die ihnen das Blaue vom Himmel versprechen: „Sofortkredit“, „ohne Bonitätsprüfung“, „ohne Eintrag beim Kreditschutzverband“, „unkomplizierte Vergabe“.

Einem Betroffenen sei ein Kredit über 6.000 Euro angeboten worden, rückzuzahlen mit 120 Euro im Monat, so Battisti. Nach einer positiven Zusage würden die Finanzsanierer eine Vorauszahlung verlangen, die unterschiedlich bezeichnet werde: als „Kreditbearbeitungsgebühr“, „Vermittlungsgebühr“, „Kaution“ oder „Nachnahmegebühr“ für das Zusenden der Vertragsunterlagen. Verlangt würden meist zwischen 400 bis 800 Euro, so die Konsumentenschützerin.

Verträge wegen Irrtum anfechten

Ist das Geld einmal überwiesen, sind die Firmen für die Konsumenten plötzlich nicht mehr zu erreichen. Keiner der Betroffenen, die später bei der AK Hilfe suchten, erhielt tatsächlichen einen Kredit, so Battisti. Die AK-Juristen prüfen jeden einzelnen Vertrag.

Ein gültiger Vertrag komme nur dann zustande, wenn keiner der beiden Vertragsparteien einem Irrtum unterliegt, so Battisti. In diesen Fällen unterliege der Kreditsuchende sehr wohl einem Irrtum. „Er sucht eine Finanzierung, bekommt aber eine Finanzsanierung“, so die Juristin. Und diese Finanzsanierung sei vollkommen unseriös, „absolut leere Versprechungen“. Die Verträge könnten mittels einer Irrtumsanfechtung aufgehoben werden.

Ein Drittel bekam Geld zurück

Die Schwierigkeit liege darin, dass die Firmen ihre Niederlassungen in der Schweiz oder in Liechtenstein haben, so die Konsumentenschützerin. Da sei es oft nicht einfach, rechtliche Schritte einzuleiten. Außerdem sei das Vorgehen sehr kostspielig. Bei einem Drittel der Fälle seien die Interventionsschreiben der AK aber erfolgreich, sodass die Konsumenten ihr Geld zurückbekommen, so Battisti.

Vor allem bei Firmen, die in Österreich ihren Sitz haben, gewährt die AK den Betroffenen Rechtsschutz: „Credivisor GmbH“ und „Debitoria GmbH“ heißen zwei heimische Anbieter, beide aus Tirol. Sie werden von der AK in einer laufend aktualisierten Liste unseriöser Finanzsanierer geführt, darunter finden sich auch Namen wie „In Punkto Finanz“, „Liquid First AG“ und „Luzern Finanz GmbH“.

Wie man unseriöse Anbieter erkennt

Unseriöse Anbieter erkenne man daran, dass sie vorab Geld verlangen, so Battisti. Das würde kein seriöses Kreditinstitut tun. Menschen, die von keiner Bank einen Kredit bekommen oder eine Schuldenlast haben, die sie zu erdrücken scheint, empfiehlt die Juristin, sich an die staatlich anerkannten Schuldnerberatungen zu wenden. „Die können Ihnen sehr effizient, professionell und vor allem kostenfrei helfen.“