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Weiter Ärger über überteuerte Ticketpreise bei Viagogo

Seit Jahren beschweren sich Konsumentinnen und Konsumenten über die Online-Ticketbörse Viagogo. Tickets für Konzerte und Sportevents werden überteuert angeboten. Die Kunden werden zudem mit einem Countdown unter Druck gesetzt, rasch zuzuschlagen, sonst seien die vermeintlich letzten Tickets weg. Trotz erfolgreicher Klagen gegen Viagogo macht die Firma mit Sitz in der Schweiz unverfroren weiter, so die Arbeiterkammer.

Sendungshinweis

„Help“, das Ö1-Konsumentenmagazin, jeden Samstag um 11.40 Uhr in Radio Ö1 und als Podcast.

Seit dem Jahr 2017 melden sich bei der Arbeiterkammer (AK) Steiermark verstärkt Betroffene, die sich wegen überteuerter Eintrittskarten beschweren, die sie bei Viagogo erworben haben. Eine Konsumentin kaufte zum Beispiel drei Karten für den Nachtslalom in Schladming. Erst als sie ihr zugestellt wurden, bemerkte die Frau: auf den Karten war vom Veranstalter ein Ticketpreis von 39 Euro abgedruckt. Bei Viagogo hatte die Betroffene 170 Euro bezahlt, das ist mehr als das Vierfache.

Zu hohe Preise

Für Bettina Schrittwieser, Leiterin der Konsumentenschutzabteilung der Arbeiterkammer Steiermark, ist das nur ein Fall unter vielen. Mit den erhöhten Preisen verstoße das Schweizer Unternehmen gegen das Gesetz, so die Juristin.

Sie wirft der Ticketbörse „laesio enormis“ vor. Im juristischen Fachjargon bedeutet das: Die Eintrittskarten werden um mindestens die Hälfte teurer verkauft als vom Veranstalter.

Konsumenten werden unter Druck gesetzt

Außerdem besteht für Schrittwieser bei Viagogo der dringende Verdacht auf irreführende Geschäftspraktiken. Die Gestaltung der Internetseite vermittle den Kartensuchenden, sie müssten sich so schnell wie möglich für einen Kauf entscheiden, da nur noch äußerst wenige Tickets verfügbar wären, so die Konsumentenschützerin.

Tatsächlich blendet Viagogo auf der Website eine Uhr ein, auf der ein Countdown von zehn Minuten herunterläuft. Zudem würde suggeriert, es gäbe fast keine Karten mehr. Das setze die Betroffenen unter Druck, den Ticketkauf umgehend abzuschließen, so Schrittwieser. Alles ziele darauf ab, die Konsumentinnen und Konsumenten so rasch wie möglich zu einem Geschäftsabschluss zu drängen.

Rechtsdurchsetzung in Schweiz schwierig

In zwei Fällen hat die AK Steiermark bereits erfolgreich gegen Viagogo geklagt. Trotz Gerichtsurteil weigerte sich das Unternehmen aber beide Male, den Betroffenen die Ticketpreise zu erstatten. Erst ein Schweizer Exekutionsanwalt konnte das Geld am Firmensitz des Unternehmens in Genf eintreiben: Einmal 500 Euro für den oben angeführten Fall mit drei Karten für den Nachtslalom in Schladming, einmal knapp 800 Euro für zwei Tickets eines Konzerts der US-Rockband „Imagine Dragons“ in der Wiener Stadthalle.

Im zweiten Fall blieb die Arbeiterkammer jedoch auf rund 3.300 Euro Gerichts- und Exekutionskosten sitzen, ärgert sich Konsumentenschützerin Schrittwieser. Der Grund dafür: Das Schweizer Exekutionsgericht habe sich dagegen entschieden, Viagogo aufzutragen, die Verfahrenskosten zu bezahlen. In Österreich oder dem anderen EU-Raum wäre das undenkbar, „da würden selbstverständlich alle Kosten, die im Exekutionsverfahren nach einem rechtskräftigen Titel entstehen, auch ersetzt werden müssen“, so die Juristin.

Viagogo ignoriert Gerichtsurteile

Alles in allem sei es sehr schwer, gegen Viagogo vorzugehen. Trotz vieler gewonnener Klagen gegen das Unternehmen und einer Reihe von Verfahren einzelner Künstlerinnen und Künstler, die den Verkauf ihrer Tickets über die Plattform verhindern wollen, geht Viagogo ungeniert weiter vor wie bisher, so Schrittwieser.

Das zeigt auch ein Urteil des Landesgerichts Linz aus dem Jahr 2019. Das Gericht beschloss, Viagogo müsse künftig die Original-Ticketpreise sowie die Identität der Verkäuferinnen und Verkäufer offenlegen. Beides ist nicht passiert, stellt Schrittwieser bei einer aktuellen Recherche auf der Plattform fest.

Help.ORF.at-Anfragen allesamt nicht beantwortet

Ebenso 2019 gab Google bekannt, Viagogo als Werbekunden zu sperren und die Vorreihung der Seite bei den Suchergebnissen künftig zu verhindert. Doch es blieb beim Vorsatz: Wer etwa auf Google Eintrittskarten für das Eric-Clapton-Konzert kommendes Jahr in Wien sucht, erhält zu oberst eine Werbeanzeige von Viagogo und unter den ersten Suchergebnissen eine Verlinkungen auf die Seite der Plattform.

Warum Google sein Versprechen nicht gehalten hat, wollte das Unternehmen gegenüber help.ORF.at in einer schriftlichen Stellungnahme nicht beantworten. Man verwies nur auf die internen Richtlinien zur Bekämpfung missbräuchlicher Anzeigen.
Viagogo hat help.ORF.at bereits in der Vergangenheit wiederholt um Stellungnahme zu einzelnen Fällen gegeben. Geantwortet hat das Unternehmen nie.

„Wer dort kauft, muss damit rechnen, mehr zu zahlen“

Um beim Kartenkauf nicht in die Falle unseriöser Ticketverkaufsplattformen zu tappen, rät die AK-Juristin, Tickets nur direkt beim Veranstalter zu kaufen. Verkauft dieser die Karten nicht selbst, würde er auf der offiziellen Internetseite der Veranstaltung bekannt geben, über welche Plattformen die Tickets zu erwerben seien.

Problematisch werde es, wenn für ein Konzert oder eine andere Veranstaltung keine Karten mehr verfügbar sind. Dann fallen viele auf den sogenannten Zweitticketmarkt hinein, den auch Viagogo bedient, so die Konsumentenschützerin. „Wer dort Karten kauft, muss immer damit rechnen, dass er weit überhöhte Preise bezahlt“, so Schrittwieser.