Reparaturen: Do It Yourself für die Umwelt

Reparieren kann sich auch bei kurzlebigen Produkten wie Smartphones oder Laptops lohnen. Eine Reparatur schont Ressourcen, spart Energie und ist oft auch kostengünstiger als eine Neuanschaffung. Vor allem dann, wenn man unabhängige Reparaturbetriebe in Anspruch nimmt und in einem Repair-Cafe selbst Hand anlegt.

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Vor 20 Jahren wurde das Reparaturnetzwerk gegründet, ein Zusammenschluss von etwa 80 unabhängigen Reparaturbetrieben im Raum Wien. Reparieren könne man hier fast alles, vom Fahrrad über das Elektrogerät bis hin zum Schreibtisch, sagt Markus Piringer von der Umweltberatung Wien. Er leitet und betreut das Reparaturnetzwerk. Das Praktische an der Initiative sei, dass eine zentrale Webseite zur Verfügung stehe, auf der Interessierte gezielt nach seriösen Reparaturwerkstätten suchen können, die die geforderten Bedürfnisse abdecken. Wer etwa seinen alten VHS-Videorekorder instand setzen möchte, könne den Begriff VHS oder Videorekorder im Suchfeld eintragen und erhalte alle Betriebe aufgelistet, die ein solches Gerät noch reparieren.

Repair-Cafes helfen unter fachmännischer Aufsicht

Wer über die notwendige handwerkliche Geschicklichkeit verfügt, kann abseits von fachmännischen Reparaturwerkstätten auch eines der mittlerweile zahlreichen Repair-Cafes aufsuchen. Unter fachmännischer Anleitung kann man hier selbst Hand anlegen und defekte Geräte reparieren. Freie Spenden sind in der Regel willkommen, die Kosten für eventuell benötigte Spezialwerkzeuge müssen Interessierte selbst tragen.

Stereoanlagen warten in einem Regal auf ihre Reparatur

Help.ORF.at/Paul Blaha

Reparatur von Elektronikgeräten senkt Ressourcenverbrauch und spart Energie

In Repair-Cafes können in der Regel alle Gegenstände und Geräte wieder funktionstüchtig gemacht werden, die man ohne größeren Transportaufwand mitbringen kann. Einschränkungen gibt es bei Handys, Tablets, PCs und Notebooks. Da die Reparatur dieser Geräte oft zeitaufwändig und nicht immer von Erfolg gekrönt sei, werde hier zunächst nur eine 30-minütige Evaluierung des Schadens vorgenommen, um zu überprüfen, ob sich die Arbeit lohnt, heißt es dazu auf der Webseite des Repaicafe Wien im dritten Wiener Gemeindebezirk.

Kreislaufwirtschaft - ein Beitrag zum Klimaschutz

Die Reparatur defekter Produkte ist ein Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Einerseits werden Ressourcen geschont, und andererseits ist eine Reparatur wesentlich energiesparender als die Herstellung neuer Produkte. Ziel der Umweltberatung ist eine Kreislaufwirtschaft, die unter anderem Abfall reduzieren soll. Etwa auch die Rückstände von hochgiftigem Elektroschrott, der häufig auf Mülldeponien in Afrika landet.

Um ein grundsätzliches Umdenken in unserer konsumorientierten Gesellschaft zu fördern, könne man auch einen Blick in andere Kulturkreise wagen, meint Reparaturnetzwerkleiter Piringer. So gebe es etwa in Japan die Tradition, zerbrochenes Porzellan mit Hilfe von Gold wieder zusammenzukleben. Die Tasse sei damit noch wertvoller als im Urzustand. Dies sei ein Beleg dafür, dass man in anderen Kulturen den Dingen einen ganz anderen Wert einräume, so Piringer: „Wir leben halt derzeit leider in einer Wegwerfgesellschaft.“

Reparierte Smartphones schonen Umwelt und Börse

Tatsächlich werden Produkte heutzutage immer kurzlebiger. Neue Smartphonemodelle kommen in immer kürzeren Abständen auf den Markt, ältere Modelle werden nicht selten schon nach kurzer Zeit entsorgt. Für die Reparatur von Elektronik ist ein gewisses Fachwissen erforderlich. Wenn Gewährleistung und Garantie schon ausgelaufen sind, kann die Reparatur in einer unabhängigen Werkstätte aber dennoch oft sinnvoll sein, sagt Manuel Schnabel. Er repariert Smartphones, Tablets, Notebooks und auch Spielekonsolen im Rahmen des Reparaturnetzwerks.

Zerstörtes Smartphone

Getty Images/praetorianphoto

Die Bildschirmreparatur ist wesentlich günstiger, als ein Neukauf

Der Fachmann kommt direkt zum Kunden und führt Reparaturen - wenn möglich - auch außerhalb der Werkstatt durch. Um den Fehler zu finden, müsse eine kleine Servicepauschale verrechnet werden, die dann aber gutgeschrieben werde, wenn man sich zur Reparatur entschließt. Der Austausch eines defekten Handybildschirms oder Akkus schone nicht nur die Umwelt, sondern meist auch die Geldbörse der Kundinnen und Kunden, meint Schnabel. Ersatzteile würden mit der Zeit günstiger. Warum solle man also ein neues Gerät um etwa 900 Euro anschaffen, wenn man eine Bildschirmreparatur um nur 55 Euro haben könne?

Hersteller machen Reparateuren das Leben schwer

Den Markenherstellern sind unabhängige Reparaturbetriebe aber offensichtlich ein Dorn im Auge. Sie lassen sich alle möglichen Tricks einfallen, um den Reparateuren das Leben schwer zu machen. Etwa, dass Smartphones in der Regel verklebt sind und, dass spezielle Werkzeuge notwendig sind, um ein Gerät überhaupt öffnen zu können. Die Schrauben bei Apples iPhone seien beispielsweise nicht einheitlich, sondern unterschiedlich stark und unterschiedlich lang, so Schnabel.

Unter diesen Umständen sei es nicht selten eine große Herausforderung, die Geräte nach der Reparatur wieder zu montieren. Es sei auch nicht selten, dass Apple bei neuen Modellen völlig neue Schraubentypen einsetzt. Es könne dann eine Weile dauern, bis man die dafür benötigten Spezialwerkzeuge zur Verfügung habe, erzählt der Elektronikexperte: „Sie machen es einem wirklich nicht leicht, das muss man schon sagen.“

Ein weiteres Ärgernis ist der Einsatz spezieller Software, die ein Gerät erst dann wieder für die Konsumentinnen und Konsumenten zum Gebrauch freigibt, wenn ein nur der Fachwerkstätte bekannter Code eingegeben wurde. Solche Programme kommen bei fast allen Geräten zum Einsatz, die im Inneren über die entsprechende Computertechnik verfügen. Auch moderne Waschmaschinen und Geschirrspüler werden auf diese Weise vor dem Zugriff unabhängiger Reparaturfachleute geschützt.

EU will „reparaturfreundliche“ Produkte fördern

Diese Hürden sollen aber schon bald der Vergangenheit angehören. Im Rahmen der so genannten Ökodesign-Richtlinie, die etwa auch die Energieplaketten auf Elektrogeräten vorschreibt, plant die Europäische Union, dass nur noch reparaturfreundliche Geräte auf dem europäischen Markt zugelassen werden sollen. Die erweiterte Richtlinie soll 2020 erlassen werden. Inklusive Übergangsfristen sollte diese Maßnahme etwa ab 2023 sowohl Konsumentinnen und Konsumenten als auch unabhängigen Reparaturbetrieben zu Gute kommen. Das Einstimmigkeitsprinzip innerhalb der EU könnte dem Ganzen zwar noch einen Strich durch die Rechnung machen. Experten und NGOs sind aber zuversichtlich, dass sich die Befürworter der Richtlinie letztlich durchsetzen werden.

Paul Urban Blaha, help.ORF.at

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