Test: Zehn-Euro-Hemd schlägt teure Markenware

Ein Businesshemd sollte gut sitzen, einfach zu pflegen sein und lange halten. Die deutsche Stiftung Warentest hat aktuell 14 hellblaue Hemden zwischen zehn und 140 Euro unter die Lupe genommen. Mit überraschendem Ergebnis: Das günstigste Hemd schnitt am besten ab.

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Getestet wurden 14 hellblauen Business-Hemden aus 100 Prozent Baumwolle, vor allem die Haltbarkeit stand im Fokus. Dafür wurden alle Hemden 30 Mal gewaschen, um eine Lebensdauer von 1,5 bis zwei Jahren zu simulieren.

Mann im Büro
Getty Images/Luis Alvarez
Einige teure Baumwollhemden für Männer verschleißen schnell

Lidl vor P&C und Hugo Boss

Sieben Hemden haben im Test mit der Note „Gut" abgeschnitten. Auf dem ersten Platz lag ein Modell von Lidl „Nobel League“ um zehn Euro. Das Hemd des deutschen Diskonters blieb im Waschtest fast ohne Schäden, außerdem war der Zwirn der blickdichteste aller Hemden. Den zweiten Rang errang ein Hemd der Eigenmarke Jakes von Peek & Cloppenburg. Es punktete mit der besten Haltbarkeit und war am schnellsten zu bügeln.

Auf dem dritten Platz folgt das Hemd „Enzo“ der deutschen Marke Hugo Boss um 100 Euro. Allerdings ist das Modell nichts für starke Schwitzer. Beim Schweißtransport schnitt es nur „befriedigend“ ab. Die Haltbarkeit hingegen war laut den Testern ebenfalls richtig gut.

Bio-Hemd auf Platz fünf

Zu den weiteren Hemden mit der Note „Gut“ zählen Modelle der deutschen Textilmarken Walbusch (60 Euro) und van Laack (Modell „Ringo“, 140 Euro) sowie des internationalen Modekonzerns Esprit (40 Euro) mit Sitz auf den Bermudas. Das beste Hemd aus 100 Prozent Biobaumwolle lag im Test auf Rang fünf, das Modell „Blue Sky“ des deutschen Herstellers Brainshirt (80 Euro). Schadstoffe wurden in keinem Hemd gefunden.

Wirklich bügelfrei war keines der Hemden, so Anne Kliem von Stiftung Warentest gegenüber help.ORF.at. „Fast alle Hemden tragen Aufschriften wie bügelfrei, bügelleicht oder easy iron,“ so die Konsumentenschützerin. „Das bedeutet, dass diese Modelle mit Kunstharz imprägniert werden und das führt tatsächlich dazu, dass sie sich ein bisschen schneller und leichter bügeln lassen.“

Am schnellsten gelang das Bügeln beim Hemd von Peek & Cloppenburg, in 4:25 Minuten war es fertig gebügelt. Mit sieben Minuten die längste Bügelzeit brauchte das Modell von van Laack.

Hemden im Regal
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Die Auswahl ist groß: Viele Farben und ebenso viele Preisklassen

Kurzes Waschprogramm, niedrige Schleudertouren

Wer möglichst wenig Arbeit beim Bügeln haben will, sollte das nasse Hemd mit dem obersten Knopf geschlossen, zum Trocknen auf einen Bügel hängen. Richtiges Waschen verlängert außerdem die Lebensdauer.

Ideal sei es, die Hemden in einem relativ kurzen Waschprogramm zu waschen, wie zum Beispiel in einem Oberhemdenprogramm. Aber auch ein Pflegeleichtprogramm mit 30 oder 40 Grad sei geeignet, so Kliem. Außerdem solle ein Color-Waschmittel verwendet werden und die Schleuderzahl niedrig eingestellt werden.

Um ein Aufscheuern der Kragenspitzen in der Waschtrommel zu verhindern, sollten die Kragenstäbchen vor dem Waschen entfernt, sowie der Kragen und die Manschetten nach innen geschlagen werden.

Produktionsbedingungen unter der Lupe

Neben Qualität und Haltbarkeit hat die Stiftung Warentest auch geprüft, wie es um die soziale Verantwortung der Unternehmen steht und unter welchen Arbeitsbedingungen produziert wird.

Der Preis allein sagt laut den Testern nichts über die Produktionsbedingungen aus. Denn auch in dem CSR-Test (Corporate Social Responsibility, gesell­schaftliche Unter­nehmens­ver­antwortung) schnitt Lidl mit „Gut“ ab, andere Hemden die deutlich teuer waren, produzierten teils deutlich weniger transparent und unter schlechteren Bedingungen.

Die meisten Hersteller lassen in großen Fabriken in Niedriglohnländern in Asien, Osteuropa und Nordafrika produzieren. Mindeststandards wie etwa bei der Arbeitssicherheit würden zwar inzwischen eingehalten. Echtes Engagement, wie etwa faire Löhne oder die Unterstützung von Gewerkschaften, sei jedoch noch immer die Ausnahme, so Kliem von der Stiftung Warentest. Hier müssten die Unternehmen noch nachbessern.

Beate Macura, help.ORF.at

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