Was CO2-Kompensationen bei Flügen bringen

Wenn bei der Flugbuchung das Klimagewissen zwickt, kann es durch Aufpreis etwas beruhigt werden. CO2-Kompensationen werden häufig gleich bei der Buchung angeboten. Die beim Flug anfallende Menge des Treibhausgases wird dabei errechnet, und auf dieser Basis die Möglichkeit finanzieller Unterstützung für Klimaschutzprojekte als eine Art Wiedergutmachung angeboten.

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Bei Kreuzfahrten, Bus- und vor allem Flugreisen ist die CO2-Kompensation oft schon bei der Buchung eine Option. Man kreuzt ein Kästchen an und schon fliegt man mit besserem Gewissen. Doch nicht alle Anbieter dieser Kompensationsprojekte halten die höchsten Standards ein und nicht alle arbeiten transparent.

Biogasanlage, Windräder und Aufforstung

Pro Kopf fallen hierzulande rund acht Tonnen Treibhausgase im Jahr an. Mobilität ist einer von vielen Faktoren, die den CO2-Fußabdruck beeinflussen. Immer mehr Menschen wollen ihre Flugreisen ausgleichen und buchen das entweder gleich zu ihrem Ticket dazu, oder erledigen das nachträglich. Kompensationsanbieter, wie gemeinnützige Vereine, Stiftungen oder Unternehmen, verwenden die einlangenden Zahlungen und setzen damit Klimaschutzprojekte um. Das reicht von Aufforstung über das Errichten von Biogasanlagen bis hin zu erneuerbaren Energien.

Tauernwindpark Oberzeiring
ORF.at/Christian Öser
Windräder und Wasserkraftwerke zählen zu den Projekten

Solche Zahlungen sind, zumindest für Privatpersonen, freiwillig. Auch immer mehr Unternehmen entscheiden sich dazu mehr für den Klimaschutz zu tun, auch wenn sie nicht dazu verpflichtet sind. „Der weltweite freiwillige CO2-Markt hat derzeit ein Volumen von etwa 200 Millionen Euro pro Jahr“, weiß Dominik Schmitz vom Zentrum für globalen Wandel und Nachhaltigkeit an der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU). Der Preis pro Tonne CO2, die kompensiert werden soll, variiert je nach Anbieter. Das hängt unter anderem mit der Art der umgesetzten Projekte zusammen. Während man bei der Klimamanufaktur fünf Euro zahlt, sind es bei Atmosfair und bei Klima-Kollekte rund 23 Euro. Auch die CO2-Rechner auf den Websites liefern unterschiedliche Ergebnisse. Für einen Hin- und Rückflug von Wien nach London werden bei einem Anbieter 533kg berechnet, bei einem anderen knapp 900kg.

Unterschiede bei Transparenz

Zahlen Reisende gleich bei der Buchung einen Aufpreis für die CO2-Kompensation, wurde der Anbieter bereits von der Fluggesellschaft oder dem Reiseveranstalter ausgewählt. Alternativ können Reisende den CO2-Ausstoß ihrer Reise online ausrechnen lassen und haben dann die Qual der Wahl. „Ein wichtiges Kriterium ist, dass diese Klimaschutzprojekte ohne die Finanzierung durch Kompensation nicht realisiert werden würden“, betont Dominik Schmitz. Würden die Projekte ohnehin durchgeführt, könne man dabei nicht von Kompensation reden.

Als ein weiteres Qualitätsmerkmal nennt Dominik Schmitz Gütesiegel wie den Gold Standard. Er wurde unter anderem vom WWF mitentwickelt und hat mitunter die strengsten Auflagen für die Kompensationsanbieter. Hier muss nicht nur die Reduktion der Treibhausgase nachgewiesen werden, sondern auch der positive Effekt auf die lokale Umwelt und Bevölkerung. Damit fließen auch soziale Belange mit ein. Das sei auch bei Aufforstungsprojekten wichtig. „Etwa wenn schlimmstenfalls die genutzte Fläche zuvor indigenen Völkern entwendet wurde. Da gibt es vielleicht ein paar ganz wenige schwarze Schafe“, so Dominik Schmitz.

Ein Flugzeug landet bei Sonnenaufgang in Düsseldorf
APA/dpa/Marcel Kusch
Auf Flüge verzichten ist noch immer die bessere Maßnahme

Das deutsche Verbrauchermagazin Finanztest, herausgegeben von Stiftung Warentest, hat vergangenes Jahr sechs Anbieter getestet. Mit „sehr gut“ schnitten Atmosfair, der kirchliche Kompensationsfond Klima-Kollekte und Primaklima ab. Klimamanufaktur und Arktik wurden nur mit „ausreichend“ bewertet. Die Transparenz dieser beiden Anbieter stufte Finanztest als mangelhaft ein. Sie hatten keinen Jahres- und Tätigkeitsbericht veröffentlicht. Somit war für Konsumentinnen und Konsumenten nicht ersichtlich, wie viel Geld tatsächlich in die einzelnen Projekte floss und wie viel etwa für Werbung und Verwaltung ausgegeben wurde. Getestet wurde vor allem die Qualität der Kompensationsprojekte und wie die Unternehmen geführt und kontrolliert werden.

Klimaschutzprojekte von Unis

„In Ländern des Südens werden diese Projekte umgesetzt, die nachweislich die Menge an CO2-Emissionen reduzieren und diese Mengen werden an Industrieländer verkauft“, so Dominik Schmitz vom Zentrum für globalen Wandel und Nachhaltigkeit der BOKU. Dass die Projekte vor allem in Entwicklungsländern umgesetzt werden, sei eine Platz- und eine Geldfrage. Ein paar Beispiele gibt es auch in Österreich. Schmitz nennt die steirische Ökoregion Kaindorf als Beispiel, die sich auf Humus spezialisiert hat und an der 220 Landwirte aus ganz Österreich teilnehmen.

Die BOKU hat ein eigenes CO2 Kompensationssystem entwickelt. Dabei gehe es nicht mehr um Forschung, so Dominik Schmitz, sondern um die Weiterführung von Maßnahmen wie Kompostierungsanlagen oder effiziente Kochstellen. Jede der Abteilung der Universität zahlt jährlich ein, außerdem wird das System von Privatpersonen und Unternehmen genützt. Das Projekt wurde beim Klimagipfel R20 Austrian World Summit, der am 28. und 29. Mai in Wien stattfand, als Best-Practice-Modell zur Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen vorgestellt. Schmitz sieht in dem Kompensationssystem eine Möglichkeit, um Klimaschutzprojekte fortzusetzen, die sonst um eine weitere Finanzierung bangen müssten. Auch andere Universitäten hätten bereits Interesse an eigenen, ähnlichen Kompensationssystemen geäußert.

Verzicht besser als Kompensation

CO2 einzusparen ist besser als es zu kompensieren. Als Finanztest sechs Kompensationsanbieter unter die Lupe nahm, wurde auch beurteilt, ob das auf deren Websites zu lesen ist. Denn eine Zahlung gegen das schlechte Gewissen ersetzt nicht den Verzicht auf den Flug.

Dominik Schmitz von der BOKU rät zuerst zu überlegen, ob eine Flugreise wirklich nötig ist und ob es Alternativen gibt, um zum Reiseziel zu gelangen. Er verstehe den Reiz an Reisen in ferne Länder. Wenn möglich, sollte man aber genügend Zeit einplanen, damit sich der Flug nach Südafrika oder Mexiko auch wirklich auszahlt. Ist man beruflich auf Flugreisen angewiesen, oder kann man das Urlaubsland nicht mit der Bahn oder dem Bus erreichen, dann seien Kompensationszahlungen eine gute Option. Sie sollten aber als letzter Schritt und nicht als Freibrief für Flugreisen gesehen werden. Die Gefahr dabei sei, dass das schnelle Anklicken eines Kästchens bei der Buchung nicht immer zu mehr Bewusstsein führe.

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