Leichtwanderschuhe im Test: Schwächen bei Nässe

Den passenden Wanderschuh zu finden kann angesichts der großen Auswahl schwierig sein. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat zwölf Modelle getestet, die sich für das Wandern in leichtem Gelände eignen. Die meisten dieser Halbschuhe schnitten gut ab. Bei Nässe war kein Modell wirklich rutschfest.

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Nichts ist unangenehmer als sich mit den falschen Schuhen auf eine Wanderung zu begeben. Im besten Fall gibt es nur Blasen, im schlimmsten Fall Verletzungen nach einem Sturz. Der Spaß ist auf jeden Fall vorbei.

Mit Halbschuhen bis zur Baumgrenze

Beim Wandern muss es nicht immer ein klobiger Bergschuh sein. Für Wanderwege bis zur Waldgrenze genügt auch ein Leichtwanderschuh. Diese Halbschuhe sollten eine griffige Sohle für festeren Halt haben, leicht und trotzdem stabil sein. Viele Modelle eignen sich auch als Freizeitschuh in der Stadt. Der VKI wählte für den Test zwölf Leichtwanderschuhe aus, sie kosteten zwischen 130 und 190 Euro.

„Das Testergebnis war nicht so schlecht“, so Christian Undeutsch, Projektleiter beim VKI. Die Modelle waren gut oder durchschnittlich, wobei es in einzelnen Bereichen doch auffallende Mängel gab. Getestet wurden die Schuhe im Labor und im Gelände.

Rutschfest nur bei trockenem Untergrund

Der Praxistest im Gelände ergab drei Sieger: Das Modell „Ultra Fastpack“ von The North Face (150 Euro) sowie eines der beiden Modelle im Test von Salomon, „OUTline GTX“ (130 Euro), und der Schuh „Epic GTX“ von Scarpa (180 Euro) waren hier sehr gut. Kein Wanderschuh fiel im Praxistest komplett durch.

Ein Leichtwanderschuh auf einem Prüfgerät im Labor
vki.at
Der VKI unterzog zwölf Modelle einem Praxis- und einem Labortest

Bei der technischen Überprüfung im Labor war das Ergebnis aber doch eher durchwachsen. „Es gab sowohl Unterschiede bei der Beständigkeit der Sohle als auch bei der Rutschfestigkeit“, so Undeutsch. Die meisten Schuhe erwiesen sich nur bei trockenem Wetter als wirklich rutschfest. Die Modelle von Hanwang und Merell waren hier sogar sehr gut.

Bei Nässe konnte jedoch keines der Modelle richtig punkten. „Gerade bei nassem Untergrund hatten alle Modelle Schwächen, keines ist über ein ‚Durchschnittlich‘ hinausgekommen“, so der Testleiter. Für sieben Wanderschuhe reichte es hier nur für ein „Weniger zufriedenstellend“.

Schwachpunkt Sohle

Die Sohle von Wanderschuhen muss Einiges aushalten: Sie soll stabil sein, damit man einen guten Halt hat, sie darf nicht reißen oder brechen und, sie soll sich auf rauem Untergrund nicht rasch abnützen. Gerade bei der Haltbarkeit der Sohle gab es große Unterschied: Von sehr gut bis nicht zufriedenstellend war alles dabei.

Die Sohle eines Leichtwanderschuhs im Labor
vki.at
Belastungsprobe für die Sohle im Labor

Am besten schnitt die Sohle des Modells von Lowa ab, am schlechtesten war Adidas. Die Adidas-Sohle nutze sich rasch ab, sie bot dafür aber den besten Halt bei nassem Untergrund – ein großes Plus. Für das Adidas-Modell reichte es trotzdem nur für den drittletzten Platz, denn der Schuh war trotz seiner Goretex-Ausstattung nicht wasserfest. „Eventuell wurde hier bei der Verarbeitung geschlampt“, so Undeutsch. Bei fast allen anderen Wanderschuhen behielt man auch bei Regen trockene Füße.

Schnürung sorgt für festen Halt

Am Komfort der Schuhe hatten die Tester wenig auszusetzen. Bemängelt wurde nur, dass sich einige Modellen nicht gut schnüren ließen – auch dafür gab es Abzüge, zum Beispiel bei dem sonst guten Schuh von Scarpa. Den perfekten Leichtwanderschuh fanden die Tester nicht.

Leichtwanderschuh Ultra Fastpack von The North Face
vki.at
Der Testsieger: „Ultra Fastpack III GTX“ von The North Face

Gesamttestsieger wurde das Modell von The North Face, das auch im Praxistest vorne lag. Es kostet 150 Euro. Auf Platz zwei und vier landeten die Modelle von Salomon – sie gehören mit 130 Euro zu den günstigsten. Der mit 190 Euro teuerste Schuh im Test von Hanwang kam an dritte Stelle.

Die richtige Größe finden

„Wer auf der Suche nach einem neuen Leichtwanderschuh ist, sollte sich Zeit lassen beim Anprobieren“, so Projektleiter Undeutsch. Wichtig ist ein stabile Sitz, der die Ferse gut umschließt. Man sollte nicht der Gefühl haben, im Schuh zu „schwimmen“. Für Bergtouren oberhalb der Baumgrenze empfiehlt der VKI knöchelhohe, festere Trekking- oder Bergschuhe.

Am besten probiert man die Schuhe mit einem dickeren Paar Socken an und zwar am Nachmittag, weil die Füße gegen Abend ein bisschen anschwellen. Als Faustregel gilt: Bei den Zehen sollte maximal ein Daumen breit Spielraum sein.

Karin Fischer, help.ORF.at

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