Gasgriller im Test: Gute Geräte ab 300 Euro

Sobald es draußen warm ist, wird wieder gegrillt. Zunehmend beliebt sind Gasgriller: Sie werden schnell heiß, ihre Temperatur lässt sich exakt einstellen. Die Geräte unterscheiden sich in Qualität und Preis jedoch erheblich. Gute Gasgriller gibt es ab 300 Euro, so ein Test des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) und der deutschen Stiftung Warentest.

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Die Zeiten, wo zum Grillen ein Gitterrost und Holzkohle genügten, sind vorbei. In Fachgeschäften und Baumärkten finden sich neben einfachen Kugelgrillern große Gasgrillwägen mit mehreren Brennern, die von den Dimensionen her schon eher an eine ausgewachsene Outdoorküche denken lassen.

Vier Geräte schnitten gut ab

„Nur weil ein großer Griller sechs Flammen hat, ein Monster ist und glänzt, heißt das noch nicht, dass er auch gut grillt“, so Adi Bittermann, Gastwirt aus Göttlesbrunn (Niederösterreich) und Grillweltmeister. Damit nicht allein die Optik entscheidet, hat der VKI gemeinsam mit der Stiftung Warentest elf Modelle einem Praxistest unterzogen. Vier kleine Geräte waren tragbar und mit einem einzelnen Brenner ausgestattet, sieben waren große, schwere Grillwägen mit jeweils drei einzeln regelbaren Brennern.

rauchender Griller in einem Park
APA/dpa-Zentralbild/Sebastian Willnow
Die einen schwören auf Holzkohlegriller, die anderen auf Gasgriller

„Das Ergebnis war erstaunlich gut“, so Karin Baumgarten, Projektleiterin beim VKI. Drei der getesteten Grillwagen und ein tragbarer Griller erzielten ein gutes Ergebnis. Die übrigen Geräte wurden durchschnittlich bewertet.

Auf die Temperaturverteilung kommt es an

Die höchste Punktezahl erreichte der kompakte, tragbare Griller Q 1200 von Weber. Das Gerät war mit 299 Euro auch das teuerste in seiner Gruppe. Bei den Grillwägen schnitten drei Geräte gut ab: An der Spitze der Rexton PTS 3.0 von Landmann punktegleich mit dem Spirit II E-310 GBS von Weber. Knapp dahinter der Griller Royal 320 von Broil King. Der Weber-Grill war auch hier mit 599 Euro am teuersten. Den punktegleichen Landmann-Grill gab es bereits um 349 Euro zu kaufen.

Wichtig ist, dass der Griller eine gute Temperaturverteilung hat. „Bei einigen Modellen wurde die Temperatur zwar über den Brennern erreicht, aber rundherum nicht“, so Baumgarten. Das habe die Grillfläche bis zu ein Drittel eingeschränkt. Abzüge gab es hier für die Grillwägen von Enders, Campingaz und Bauhaus sowie für den kompakten Griller von Tepro.

Umständlicher Aufbau bei Gasgrillwägen

Bei vielen Geräten wurde der Deckel so heiß, dass man sich die Finger verbrennen konnte. Positive Ausnahme war der Landmann-Griller, er blieb außen kühl. Die kleinen Geräte ließen sich problemlos rasch zusammenbauen. Für die großen wurden zwei Personen benötigt, weil sie recht schwer waren. Die großen Grillwägen sind für einen fixen Standplatz auf der Terrasse gedacht.

Aufpassen sollte man beim Gebrauch der Gasflaschen. Am besten stellt man sie neben das Gerät und nicht darunter. Sonst besteht die Gefahr, dass der Schlauch in Kontakt mit der heißen Fettwanne kommt, schmilzt und Gas austritt.

Direktes und indirektes Grillen

„Vor dem Kauf lohnt es sich zu überlegen, wie viele Leute man tatsächlich bewirten möchte“, so Grillprofi Bittermann. Er empfiehlt ein mittleres Gerät mit mindestens zwei Zonen. Das ermöglicht sowohl direktes als auch indirektes Grillen. „Ich grille mein Steak direkt auf voller Leistung an, lege es dann links oder rechts, drehe eine Seite zurück und lasse es dort heiß rasten.“ Bei Geräten mit drei Brennern kann eine Flamme zum Anbraten und eine für das langsame Garen verwendet werden. „Der dritte Brenner bleibt ausgeschaltet, dort ruht das Grillgut“, so VKI-Projektleiterin Baumgarten.

Fleisch auf einem Griller
help.ORF.at/Karin Fischer
Gasgriller sind in 15 Minuten einsatzbereit

Wichtig ist auch ein massiver Deckel. Er strahlt die Hitze auf das Gargut zurück. Dieser Deckel sollte die meiste Zeit geschlossen bleiben, da sonst Hitze und Aromen entweichen und das Fleisch trocken wird. Das erfordere ein gewisses Zeitmanagement und das Befolgen einiger Grundregeln, so Bittermann.

Das perfekte Steak

Beim Steak rechnet der Grillprofi mit einer Minute pro Zentimeter Fleischstärke. Das vorher gesalzene Steak kommt je Seite bei 250 Grad für drei Minuten auf den heißen Grillrost und wird nur ein mal gewendet. Danach sollte es noch in der indirekten Grillzone garen bis die gewünschte Kerntemperatur erreicht ist. So bleibt das Fleisch saftig.

Bittermann würzt das Steak zwar vorher mit grobem Steinsalz, mariniert es aber nicht in Öl, da dieses sofort verbrennen würde. Marinade oder Olivenöl verwendet er erst, wenn das Fleisch zum indirekten Grillen auf dem Warmhaltrost liegt. Käsekrainer sticht der Haubenkoch vor dem Grillen an und legt sie bei 250 Grad indirekt für zehn Minuten auf den Warmhalterost. Für die knusprige Grillmarkierung genügt am Ende eine Minute direkte Hitze auf dem heißen Rost.

Holzchips für das Raucharoma

Gas- und auch Elektrogriller sind praktischer als Holzkohlegriller, weil sie weniger Rauch erzeugen und es nicht so lange dauert, bis sie heiß sind. 15 Minuten Vorheizen auf 250 Grad genügt. Dafür fehlt aber das Raucharoma des Holzkohlegrills.

Orangen auf einem Zedernholzbrett
help.ORF.at/Karin Fischer
Auf einem Zedernholzbrett gegrillte Orangen haben ein feines Raucharoma

Wer trotzdem eine Rauchnote möchte, kann mit Holzchips nachhelfen. Diese kleinen Holzstücke werden miterhitzt bis sie glosen und rauchen. Einen ähnlichen Effekt hat ein Brett aus Zedernholz. „Man legt ein Stück Schafkäse auf ein Zedernholzbrett und grillt es auf dem Gasgriller bei 250 Grad kurz an“, so Bittermann. Danach wird die Temperatur auf 150 Grad verringert und der Käse zieht zehn Minuten im Zedernholzrauch. Zum Schluss Pfeffer, frische Kräuter, Honig und fertig ist das Gericht.

Wer die Anschaffung eines teuren Gasgrillers plant, sollte die Handhabung an einem zusammengebauten Gerät im Geschäft ausprobieren, rät VKI-Testleiterin Baumgarten. Auch ein Grillkurs könne nicht schaden.

Karin Fischer, help.ORF.at

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