Lauda setzt Familien absichtlich auseinander

Die Ryanair-Tochter Lauda setzt gemeinsam gebuchte Paare, Gruppen und Familien, die nicht reservieren, offenbar absichtlich auseinander. Das berichtet das Portal Aviation Net Online. Die Billigfluglinie will sich so ein zusätzliches Körberlgeld sichern. Eine Sitzplatzreservierung kostet zwischen vier und 15 Euro pro Passagier und Flug.

Lauda (früher: Laudamotion) erklärte laut dem Bericht, die Plätze nach dem „Zufallsprinzip“ zu vergeben. Die Passagiere würden demnach zufällig auf freie Sitzplätze verteilt. Das Ergebnis: Gemeinsam gebuchte Gruppen und Familien, die gemeinsam einchecken und naturgemäß gern nebeneinander sitzen möchten, haben ohne Zahlung einer Extragebühr für das Reservieren keine Chance zusammenzusitzen. AviationNetOnline konnte diese Praxis bei Tests nun nachweisen.

Frau mit Kleinkind schaut aus einem Flugzeugfenster
Getty Images/Gemma Ferrando Palau/Eyeem
Vieles kostet extra: Wer sein Kind neben sich haben möchte, muss bezahlen

Wer zusammensitzen will, muss extra zahlen

Wer mit seinen Kindern zusammensitzen wolle, muss laut den Lauda/RyanAir-Geschäftsbedingungen reservieren. Regulär kostet die Reservierung vier Euro pro Erwachsenem, bei großer Nachfrage, etwa in den Sommermonaten, kann sie aber auf bis zu 15 Euro steigen und auch für Kinder verlangt werden, geht aus den Allgemeinen Beförderungsbedingungen (ABB) hervor.

„Zufälliges“ Auseinandersetzen

Die Beförderungsbedingungen sind in äußerst holprigem Deutsch verfasst und zum Teil widersprüchlich. So heißt es im Punkt "Familienbuchungen - Reservierte Sitzplätze wörtlich: „Die Erwachsene,die Sitzplaetze kaufen bekommen den Preis von 4 Euro. Man hat die Wahl die Standartplaetze, die Reihe 18 bis 33. Diese Sitzplätze werden kostenlos sein.“

Gegenüber AviationNetOnline erklärte eine Lauda-Pressesprecherin die Formulierung. „Kunden, die keinen Sitzplatz erwerben möchten, erhalten automatisch nach dem Zufallsprinzip beim Online-Check-in einen freien Platz,“ so die Sprecherin.

Auch Wizz Air kassiert mit dieser Methode

Bei Ryanair sorgt diese Praxis seit längerer Zeit für Aufregung. Passagiere und Verbraucherschützer in Irland und Großbritannien hegten schon länger den Verdacht, dass Familien und gemeinsam Reisende über einen Algorithmus absichtlich auseinandergesetzt werden.

Laut einem Bericht der irischen Zeitung „Independent“ passiert das über den Nachnamen sowie die Buchungsnummer. Laut der britischen „Daily Mail“ setzt auch die ungarische Billigfuglinie Wizz Air Familien, Paare und Gruppen ohne Sitzplatz-Reservierungen auseinander. Ob weitere Billigfluglinien ähnlich vorgehen, ist nicht bekannt. In den USA ist das Auseinandersetzen von Familien sogar per Gesetz verboten. Der US-Kongress verabschiedete 2016 den „Families Flying Together Act“.

Passagiere beim Check-in für einen Air Berlin-Flug
APA/Helmut Fohringer
Auch beim Check-in und bei der Gepäckaufgabe wird kräftig abkassiert

Verwirrende und komplizierte Handgepäcksregeln

Durch den massiven Preiskampf bei Flügen innerhalb Europas stehen die Airlines unter Druck, neben dem eigentlichen Ticketpreis zusätzliche Umsätze zu lukrieren. So ist bei Ryanair und Lauda seit kurzem kein Handgepäckskoffer mehr inkludiert, kostenfrei ist nur noch eine kleine Tasche, die maximal 20 x 25 x 40 Zentimeter groß sein darf und unter den Sitz passen muss. Ist sie größer, fallen 25 Euro an - mehr dazu in Verwirrung um neue Handgepäcksregeln bei Lauda.

Wizz Air zog nach, dort gelten nun die Maße 40 x 30 x 20 cm. Aber auch die Vorschriften anderer Airlines weichen mittlerweile vom bisher gängigen Maximalmaß für Handgepäck von 55 x 40 x 23 cm ab, wie ein Vergleich des ÖAMTC kürzlich zeigte.

Überhöhte Gebühren für Flughafen-Check-in

Gegen eine andere Gebühr, jene für den Check-in am Flughafenschalter, laufen bereits Gerichtsverfahren. Die Konsumentenschützer des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) erwirkten im Auftrag des Sozialministeriums gegen Lauda ein erstinstanzliches Urteil, wonach die Gebühr aufgrund der Höhe von 55 Euro „exorbitant hoch“ und unzulässig sei - mehr dazu in Check-in-Gebühr von Laudamotion unzulässig.

Die Arbeiterkammer Wien bereitet indes auch eine Klage gegen die Check-in-Gebühren beim Konkurrenzen Wizz Air vor. Sie begründete dies mit zahlreiche Beschwerden, in denen der kostenlose Online-Check-in gar nicht möglich war und am Flughafen dann abkassiert wurde - mehr dazu in Ärger über teuren Check-in bei Wizz Air.

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