Das andere Tor ins Internet: Alternativen zu Google

Das Wort „googeln“ ist zum Synonym für die Recherche im Internet geworden. Über 90 Prozent der Anwender nutzen Google bei ihrer Websuche, obwohl es jede Menge Alternativen gibt, die laut einem Test des Computermagazins „c’t“ ähnlich gute Ergebnisse liefern. Diese gehen mit persönlichen Daten der Nutzer wesentlich sorgsamer um als Google.

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Laut der aktuellen Statistik der Analyseplattform Statcounter Global vom Februar 2019 laufen etwa 92,9 Prozent aller Suchanfragen im Internet über die Suchmaschine Google. Und das, obwohl mittlerweile auch dem Gelegenheitsanwender bekannt sein müsste, dass Google Suchanfragen genauestens protokolliert und speichert. Auch durchaus intime Informationen werden dem Unternehmen bekannt gegeben. Etwa wenn man nach diversen Krankheitssymptomen googelt. Schon die Suche nach einem Arzt liefere schließlich Informationen, die man wohl kaum einem beliebigen Passanten auf der Straße mitteilen würde, meint Jo Bager, Redakteur beim deutschen Computerfachmagazin „c’t“. Aber einem US-Unternehmen gebe man über seinen Gesundheitszustand bereitwillig Auskunft, ärgert sich der Experte.

Startpage, Qwant und MetaGer: Es gibt viele Alternativen

Viele Anwenderinnen und Anwender würden ganz automatisch zu Google greifen, so Bager. Das liege auch daran, dass der Konzern sein Handwerk beherrsche. Google liefere ausgezeichnete Suchergebnisse und sei ziemlich gut darin, nach nur zwei eingegebenen Worten zu erraten, wonach man eigentlich sucht. Datenschutzbedenken würden dadurch eher verdrängt, obwohl dieses Talent, gute Suchergebnisse zu liefern, durchaus auch mit den persönlichen Profilen zusammenhänge, die Google über seine Nutzer anlegt, so Bager.

Hände über Tastatur
ORF.at/Zita Klimek
Viele Anwender tippen schon ganz automatisch Google in den Browser

Jo Bager hat für das Computerfachmagazin des deutschen Heise Verlags sechs Alternativen zu Google getestet. Neben Microsofts Bing hat er Duck Duck Go, MetaGer, Qwant, Searx und Startpage unter die Lupe genommen. Bing liefert zwar ähnlich gute Ergebnisse wie Google, ist aber auch ähnlich bedenklich, wenn es um Datenschutz geht. Die anderen Kandidaten schützen die Privatsphäre ihrer Nutzer weit besser, so Bager. Viele der alternativen Anbieter verwenden Proxy Server. Das sind verschlüsselte Computersysteme, über die die Suchmaschine eine Seite angewählt. Nicht der Anwender ruft also die Seite auf, sondern die Suchmaschine tut das und stellt die Seite dann auf dem Bildschirm des Nutzers dar. Dadurch könne der Nutzer nicht identifiziert werden, der Webseitenbetreiber wisse nicht, wer seine Seite besucht hat.

Experte: In Europa sind Daten sicherer aufgehoben

Ohne die firmeninternen Praktiken der einzelnen Anbieter genauer zu kennen, gebe es zwar keine hundertprozentige Garantie für anonymes Surfen, so Bager, um hinsichtlich des Datenschutzes aber großteils auf der sicheren Seite zu sein, empfiehlt der Experte dennoch, Anbieter zu wählen, deren Server auf europäischem Gebiet aufgebaut sind. Hier biete die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) einen recht umfassenden Sicherheitsschutz. Anbieter wie MetaGer Quant oder Startpage seien hier eine gute Wahl, so der Experte.

Logo Startpage
Screenshot Startpage
Startpage sendet Suchanfragen über verschlüsselte Server

Ein wenig anders verhalte es sich bei der Internetsuchmaschine Duck Duck Go. Dahinter stecke ein Unternehmen aus den USA. Das habe zur Folge, dass theoretisch US-amerikanische Behörden, wie etwa eine Strafverfolgungsbehörde, auf die firmeninternen Daten von Duck Duck Go zugreifen können.

Meta-Suchmaschinen: Eine für Viele

Wer eine alternative Suchmaschine sucht und trotzdem ähnliche Suchergebnisse erwartet, wie er sie sie von Google gewohnt ist, sollte aus Sicht des „c’t“-Redakteurs zu Startpage greifen. Die Betreiber von Startpage bezahlen dafür, dass sie Google-Ergebnisse in die Suche einbeziehen dürfen. Es würden aber keine Daten an Google übertragen. Wenn man Startpage über Google aufruft, dann wisse Google zwar, dass man Startpage angesurft hat, alle Suchanfragen und Seitenaufrufe laufen dann aber anonymisiert über verschlüsselte Server ab.

Logo Duck Duck Go
Screenshot Duck Duck Go
Bei Duck Duck Go können US-Behörden theoretisch Daten anfordern

Eine weitere Möglichkeit, ohne Google auch an Google-Ergebnisse zu kommen, sind so genannte Meta-Suchmaschinen wie MetaGer oder Searx. Eine Meta-Suchmaschine besitzt keine eigene Datenbank sondern führt die Ergebnisse mehrerer Suchmaschinen zusammen. Wer über eine Meta-Suchmaschine im Internet nach Informationen fahndet, erhält also beispielsweise eine Kombination der Ergebnisse von Google, Bing und Qwant.

Alternative Suchmaschinen bieten einen anderen Zugang ins Netz, sagt „c’t“-Redakteur Bager. Auch wenn die Google-Treffer meist gut und hilfreich sind, erhalte man über andere Suchhilfen durchaus auch interessante Seiten angeboten, die man bei Google vielleicht übersehen hätte. Die Google-Alternativen bieten außerdem oft Vorteile in bestimmten Spezialgebieten. Qwant helfe beispielsweise optimal bei der Musiksuche, Searx und MetaGer seien Spezialisten im Auffinden wissenschaftlicher Artikel. Alles in allem rät der Experte dazu, die eigene Suchstrategie einmal zu überdenken, nicht immer nur auf Google zu vertrauen und die zahlreich vorhandenen Alternativen einfach einmal auszuprobieren.

Paul Urban Blaha, help.ORF.at

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