Schlechte Noten für Recycling-Küchenrollen

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat 15 Küchenrollen getestet und nur ein einziges „Sehr gut“ vergeben. Besonders schlecht schnitten Küchenrollen aus Recyclingpapier ab. Sie enthielten Weißmacher, fast alle waren zudem mit Keimen belastet. Der Preis alleine sagt nichts über die Qualität der Produkte aus.

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Wer schon einmal im Supermarkt vor einem Regal mit Küchenrollen gestanden ist weiß, wie unübersichtlich das Angebot ist. Es gibt Packungen mit zwei, vier, sechs, acht und mehr Rollen, es gibt zweilagiges Papier und dreilagiges und es gibt Küchenrollen aus Recyclingpapier und Produkte, für die Bäume gefällt wurden. Auf vielen Verpackungen ist nicht klar ersichtlich, wie viel man für sein Geld bekommt.

„Original“ von Plenty ist Testsieger

„Um einen besseren Preisvergleich zu haben, haben wir den Preis pro Quadratmeter ausgerechnet“, so Christian Undeutsch, Projektleiter beim VKI. Es habe sich gezeigt, dass der Testsieger nicht das teuerste Produkt war. „Man kann leider nicht über den Preis auf die Qualität des Papiers schließen.“

Eine Maschine überprüft die Reißfestigkeit einer Küchenrolle
vki.at
Im Testlabor wurde geprüft, wie reißfest die Küchenrollen sind

Zum Testsieger wählte der VKI die Küchenrolle „Original“ von Plenty. Sie war in punkto Saugfähigkeit und Reißfestigkeit als einziges Produkt top. Das Papier fusselte weder noch löste es sich im nassen Zustand sofort auf. Die einzelnen Blätter ließen sich problemlos abreißen. Mit 15 Cent pro Quadratmeter war es sogar recht günstig. Insgesamt lagen die Preise zwischen elf Cent und 35 Cent pro Quadratmeter. Um elf Cent bekommt man im besten Fall durchschnittliche Qualität – für mehr Geld nicht unbedingt etwas Besseres: Die zwei teuersten Produkte im Test waren unter den Schlechtesten.

Recyclingprodukte mit Weißmachern

Auffällig war das schlechte Abschneiden sämtlicher Küchenrollen aus Recyclingpapier. Die Note „Weniger zufriedenstellend“ teilen sich hier die Produkte von Danke, Dm, Lidl, Mach mit und Penny. „Schuld daran sind die optischen Aufheller“, so Undeutsch. Diese fluoreszierenden Chemikalien können sich aus dem Papier herauslösen und auf Lebensmittel übergehen.

fluoreszierende Weißmacher in einer Küpchenrolle
vki.at
Fluoreszierende Chemikalien lassen das Papier weißer wirken

Da die Frage der gesundheitlichen Auswirkungen noch nicht abschließend geklärt sei, rät der VKI hier zur Vorsicht. Woher diese optischen Aufheller stammen ist unklar. Sie könnten aus dem verwendeten Altpapier stammen oder später zugesetzt worden sein. Bei allen Recycling-Küchenrollen lösten sich diese Weißmacher heraus, daher gab es durchwegs Abwertungen.

Viele Küchenrollen durch Keime verunreinigt

Viele Küchenrollen haben auch beim Prüfpunkt Hygiene enttäuscht. „Bei sehr vielen Produkten im Test hat sich gezeigt, dass diese nicht mikrobiologisch einwandfrei sind“, so der Testleiter. Bei sieben Produkten war diese Keimbelastung so hoch, dass hier die Noten „Weniger zufriedenstellend“ und „Nicht zufriedenstellend“ vergeben wurden. Das ist heikel, wenn man bedenkt, dass Küchenrollen oft dazu verwendet werden, um Fleisch und Gemüse trocknen zu tupfen oder Frittiertes abtropfen zu lassen. Keime könnten so auf die Lebensmittel gelangen. Auch hier waren es wieder vor allem Küchenrollen aus Recyclingmaterial, die negativ auffielen.

Küchenrollen diverser Hersteller
vki.at
Recyclingprodukte haben im Test enttäuscht

„Nach diesem Testergebnis empfehlen wir, bei Küchenrollen auf Recyclingpodukte zu verzichten“, so Undeutsch. Vier der fünf Rollen aus Altpapier hätten eine sehr hohe Keimbelastung aufgewiesen. Der VKI-Testleiter vermutet, dass möglicherweise bei der Herstellung geschlampt wurde.

Küchenschwamm nicht die bessere Wahl

Andere Mängel fielen weniger ins Gewicht. So fusselte etwa die Küchenrolle von Hofer stark, was unschöne Spuren auf Gläsern hinterlassen kann. Das Küchenpapier von Spar, Penny und Clever war in nassem Zustand „wenig zufriedenstellend“ – es löste sich auf. Die Clever-Rolle war im Gegensatz zu allen anderen auch nur Mittelmaß bei der Saugfähigkeit. Generell gilt: Nur weil sich ein Papier weich anfühlt, heißt das noch nicht, dass es besonders viel Flüssigkeit aufnehmen kann.

Aber braucht man überhaupt eine Küchenrolle, die nach dem Gebrauch sofort im Müll landet? Oder wäre ein Küchenschwamm die bessere Wahl?Der VKI überprüfte in der Vergangenheit auch die Hygiene von Küchenschwämmen und kam zu dem Ergebnis, dass die Mikrobiologie in diesen Produkten auch nicht die sauberste ist. „Bei einem Schwamm, den wasche ich aus, lasse ihn trocknen und bis er entsorgt wird, können sich immer mehr Keime ansammeln und das ist im Endeffekt dann vielleicht grauslicher als eine Küchenrolle“, so Christian Undeutsch.

Karin Fischer, help.ORF.at

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