Blutdruckmessgeräte schlechter als vor zwei Jahren

Stiftung Warentest hat Blutdruckmessgeräte unter die Lupe genommen und die Ergebnisse mit jenen einer Untersuchung von 2016 verglichen. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus. Die Hersteller haben heute schlechtere Geräte im Angebot als vor zwei Jahren. Wer ein aktuelles Gerät kauft, muss sich mit Mittelmaß abfinden.

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Er verursacht keine Schmerzen, man spürt ihn kaum, und doch ist er gefährlich: Ein hoher Blutdruck, der Fachmann spricht von Hypertonie, fördert die Arterienverkalkung, ein Herzinfarkt kann die Folge sein. Hochdruckpatienten sollten ihre Werte im Auge behalten, zahlreiche Messgeräte stehen zu diesem Zweck für Privatanwender zur Verfügung.

Aktuelle Modelle tendenziell schlechter als Vorgänger

Stiftung Warentest testete einige dieser Geräte nun und verglich die Ergebnisse mit einer Untersuchung aus dem Jahr 2016. „Die Resultate waren unerfreulich“, sagt Marcus Pritsch, Projektleiter bei Stiftung Warentest. Man habe den Test von vor zweieinhalb Jahren hinsichtlich der Herstellerauswahl wiederholt und die aktuellen Modelle mit den damaligen Produkten verglichen. Die Geräte seien allesamt tendenziell schlechter geworden, so Pritsch.

Viele Hersteller, die 2016 noch die Gesamtnote „Gut“ für ihre Produkte erreichen konnten, mussten sich nun mit der Bewertung „Befriedigend“ abfinden. Verglichen habe man die Werte mit jenen, welche die altmodischen aber sehr präzisen Profigeräte abnehmen, bei denen der Blutdruck mit Hilfe einer Quecksilbersäule ermittelt wird. Die Ungenauigkeiten seien durchaus beträchtlich gewesen, es gab Abweichungen von siebeneinhalb bis zehn Millimeter, verglichen mit den Werten der Quecksilbersäule. Ein systolischer Blutdruckwert von 120 auf dem Perfektionsgerät konnte auf diese Weise auf dem elektronischen Pendant einen Wert von 130 oder mehr ergeben.

Frau misst sich selbst den Blutdruck
Getty Images/Kathrin Ziegler
Geräte für das Handgelenk sind bequemer, messen aber weniger genau

Messgenauigkeit beim Arzt überprüfen

Ein Blutdruckwert von 120/80 gilt als normal. Wenn die Messung ein wenig von diesem Optimalwert abweicht, sollte man deswegen aber nicht gleich in Panik verfallen, meint Pritsch. Wer zu Hause einen Ruheblutdruck bis zu 135/85 erzielt, dessen Werte seien durchaus noch in einem guten Bereich. In so einem Fall müsse man noch nicht extra zum Arzt gehen oder sich in eine Therapie begeben.

Ab einem Wert von 140/90 spricht der Fachmann von hohem Blutdruck, dieser wird bereits als krankhaft eingestuft und sollte auf jeden Fall behandelt werden. Liegen die Werte bei 180/110 oder darüber, leidet man unter stark erhöhtem Blutdruck. Da de facto jedes elektronische Messgerät Ungenauigkeiten aufweist, sei es wichtig zu wissen, wie groß diese sind, so Pritsch. Der Experte empfiehlt, das Heimgerät ein paar Mal zum Arzt mitzunehmen und die Messergebnisse mit denen des Arztes zu vergleichen. Auf diese Weise lerne man die Messdifferenz seines Geräts kennen und könne diese dann bei einer zu Hause durchgeführten Messung entsprechend einkalkulieren. Ein Profigerät mit Quecksilbersäule anzuschaffen, lohne für den Laien nicht, so der Stiftung Warentest-Experte. Diese seien zwar genau, in der Handhabung aber zu kompliziert. Selbst manche Ärzte würden heute zu elektronischen Alternativen greifen.

Oberarmgeräte messen genauer

Der Konsument kann in der Regel zwischen zwei Typen wählen. Der Blutdruck kann über das Handgelenk abgenommen werden oder mittels Manschette am Oberarm. Das Oberarmgerät messe tendenziell genauer, weil sich die Position des Apparats bedingt durch die Manschette, die am Oberarm angebracht wird, automatisch auf Herzhöhe befinde. Allerdings sei es etwas komplizierter, die Manschette am Oberarm anzulegen, weil man dazu etwa den Pullover ausziehen oder das Hemd öffnen und den Ärmel aufkrempeln müsse.

Das Handgelenksgerät sei einfacher in der Anwendung, hier müsse man nur das Handgelenk frei machen, so Pritsch. Allerdings müsse man genau darauf achten, dass sich das Handgelenk immer genau in Herzhöhe befindet. Anderenfalls erhalte man falsche Werte, die deutlich gravierender seien als die Messfehler des Geräts.

Während der Messung nicht sprechen

Die Deutsche Hochdruckliga, eine Gesellschaft für Hypertonie und Prävention, empfiehlt, vor einer Blutdruckmessung 30 Minuten ruhig zu sitzen. Soweit möchte Markus Pritsch zwar nicht gehen - bevor man den Blutdruck misst, solle man sich aber dennoch etwa fünf Minuten ruhig hinsetzen, um zur Ruhe zu kommen. Auch sollte man nicht reden, keine Musik hören und auch die Beine während dieser Zeit nicht bewegen. Das Gerät sollte man langsam benutzen und auch während der Messung nicht sprechen. Nur auf diese Weise erhalte man realistische Ergebnisse, an denen man sich orientieren könne, so Pritsch.

Der Stiftung Warentest-Testsieger 2018 bei den Oberarmgeräten ist das Modell ExaktFit 5 von Braun, es erreichte als einziges die Note „Gut“. Bei den Handgelenksmodellen erzielte das Omron RS6 die beste Platzierung mit der Gesamtnote „Befriedigend“. Stiftung Warentest empfiehlt jedoch weiterhin, zu den Testsiegern von 2016 zu greifen, nämlich dem Omron RS 2 für das Handgelenk und dem Boso Medicus X für den Oberarm. Beide Geräte sind in Österreich erhältlich und mit 25 und 40 Euro auch um einiges günstiger als die Testsieger von 2018.

Paul Urban Blaha, help.ORF.at

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