Blondierungen fallen im Schadstoff-Check durch

Blondierungen sind zeitlos und immer wieder angesagt. Wer sein Haar aufhellen möchte, sollte sich über die gesundheitlichen und umweltschädigenden Konsequenzen im Klaren sein. Die deutsche Verbraucherzeitschrift „Ökotest“ hat deshalb 13 Produkte unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Kein Mittel konnte sich im Test bewähren, die meisten Aufheller fielen sogar komplett durch.

Wenn man blondiertes Haar tragen möchte wie Fußballprofi Jerome Boateng oder Sängerin Miley Cyrus, geht man in den nächsten Drogeriemarkt. Doch schaden Blondierungsmittel dem Haar? Und wie wirkt sich der Chemiecocktail zudem auf die Umwelt aus? „Ökotest“ achtete beim Testen nicht auf die Farbleistung, sondern auf die Verträglichkeit und die Umweltbelastung durch die Produkte.

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Kein Produkt kann bedenkenlos verwendet werden

Im Test waren sowohl Colorationen mit zusätzlichen Farbstoffen vertreten als auch Blondierungen, die nur ein einziges Mittel enthalten, das die Haare aufhellt. „Leider, leider können wir Ihnen von den chemischen Blondierungen keine Guten, noch nicht mal Befriedigende empfehlen. Wir sehen bei allen Produkten rot“, erklärt Kerstin Scheidecker, stellvertretende Chefredakteurin von „Ökotest“.

Der deutsche Fußballer Jérôme Boateng
APA/AFP/Christof Stache
Jerome Boateng: Auch Fußballer mögen es blond

Von den 13 getesteten Blondierungen schnitten drei mit „mangelhaft“ ab. Darunter „Garnier Olia Permanenter Aufheller, B+++“ für 5,90 Euro; „Poly Palette Intensiv Coloration Permanenter Aufheller, 100“ für 1,59 Euro und „Réell’e Super Aufheller“ für 2,75 Euro.

Die anderen 10 Aufheller fielen alle durch den Test. Auch Produkte wie „Syoss Blond Aufheller, 13-5 Platin“ für 3,65 Euro, „Schwarzkopf Color Expert Color-Creme, 10.1“ für 5,65 Euro oder der teuerste Kandidat „Colourless Extrem Aufheller Go Blonde“ für 9,95 Euro konnten sich nicht beweisen.

Hier wird klar: Weder bekannte Markennamen schützen vor Qualitätsverlust, noch spielt der Preis bei diesen Produkten eine Rolle.

Professionelles Blondieren im Friseursalon ist nicht zwangsläufig eine Alternative

Das Auftragen des Aufhellungsmittels kann für Schädigungen sorgen. Die Schuppenschicht werde durch die Einwirkzeit und die Inhaltsstoffe aufgeraut. Wasserstoffperoxid sorge dafür, dass Haare weniger reißfest würden und struppiger seien, erklärt Kerstin Scheidecker. Insgesamt würden sie dünner wirken und empfindlicher. Wer sich nun besser beraten glaubt und deshalb zum Friseur geht, um das Haar zu blondieren, irrt: Die Produkte, die in den Friseursalons zum Einsatz kommen, beinhalten die gleichen Substanzen.

Die US-amerikanische Popsängerin Miley Cyrus
APA/AFP/Angela Weiss
Prominent blond: Miley Cyrus

Jedoch hat der Gang zum Friseursalon einen Vorteil: In der Regel können die Profis das Anwenden besser. Somit passieren dort weniger Unfälle, als es zuhause der Fall sein könnte wie beispielsweise ein zu langes Einwirken auf dem Kopf. Das kann einerseits die Haarstruktur stark schädigen und dafür sorgen, dass die Haare dadurch abbrechen. Es kann aber auch zu unerwünschten Farbergebnissen kommen, sodass die Konsumenten viel zu hell werden. Falls das passiere, solle man auf jeden Fall dennoch abwarten und nicht gleich mit einer neuen Färbung über die enttäusche Haarfarbe gehen, warnt die Ökotest-Redakteurin.

Blondierungen enthalten gefährliche Schadstoffe für die Gesundheit und Umwelt

Die nachgeprüften Inhaltsstoffe tragen ein gesundheitliches Risiko, meint Kerstin Scheidecker: „Diese Produkte können Stoffe enthalten, die Allergien auslösen können. Darin können Substanzen sein, die als erbgutschädigend eingestuft sind und in einigen Produkten werden sie auch Polymere, also Kunststoffverbindungen haben, die am Ende in der Umwelt landen werden“.

Viele Inhaltsstoffe würden beim Auswaschen der Haarfarbe durch das Abwassersystem in den Kläranlagen landen, kritisiert Ökotest. Zwar werde ein Teil wieder herausgefiltert, dennoch kann ein anderer im Abwasser landen. Während die Industrie nur „feste Partikel“ in abwaschbaren Kosmetika als Mikroplastik bezeichnet, kritisieren Umweltschützer alle in der Umwelt schwer abbaubaren synthetischen Polymere. Die Inhaltsstoffe können über den Klärschlamm auf Felder und somit in die Umwelt geraten und bleiben dann auch dort.

Konsumenten können einen Beitrag leisten

Mikroplastik könne durch chemische Haarfärbemittel in die Umwelt gelangen. Laut Ökotest können Konsumenten viel dafür tun, dass Plastikverbindungen nicht in die Umwelt gelangen. Sie sollten von vornherein Produkte benutzen, die solche Verbindungen gar nicht erst enthalten.

Wer aber nicht auf seine hellen Haare verzichten mag und weiterhin seine Haare blondieren möchte, solle sich streng an die Packungsanweisungen halten, empfiehlt Kerstin Scheidecker. Das heißt konkret, sich genau an die Einwirkzeiten halten und das Ganze so selten wie möglich anwenden.

Britta Rotsch, help.ORF.at

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