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Holland-Fonds: Deutsche Banken klagen Anleger

Zeichnern von geschlossenen Immobilien- und Schiffsfonds des deutschen MPC-Konzerns drohen neben dem Verlust bereits ausgezahlter Dividenden nun auch Klagen von Banken, die Schiffe und Immobilien finanziert haben. Wer sein Geld in die Holland-Fonds von MPC gesteckt hat, ist dadurch auch Gesellschafter der Fondsgesellschaft geworden.

Geld

Die geschlossenen Fonds von MPC und anderen Emittenten waren keine klassischen, ausschüttenden Investmentsfonds, sondern zahlten eine Dividende aus, die zurückgefordert werden konnte. Bei MPC-Fonds schauen aber nicht nur Anleger durch die Finger. Auch die finanzierenden Banken bangen nun um ihre Investments. Einige von ihnen klagen nun Anleger. Diese wurden eigentlich Kommanditisten der Fondsgesellschaften, was sie aber großteils nicht gewusst haben. Gegen acht österreichische Anleger wurde in Frankfurt am Main Klage erhoben, eine Klage ist beim Obersten Gerichtshof (OGH) anhängig.

VKI: Wenn man zurückzahlt, ist das Geld weg

Der Verlust der Finanzierungsbanken sei minimal im Gegensatz zu dem der Anleger, hieß es auf einer Pressekonferenz des VKI, der bereits mehrere Klagen in der Kausa geführt, und Sammelaktionen gestartet hat. Die Banken hätten außerdem wissen müssen, was sie taten. Die ersten acht Jahre haben die MPC-Fonds laut VKI negativ bilanziert und trotzdem Geld an die Anleger ausgeschüttet.

Mit der Folge, dass hohe Verlustvorträge entstanden - zusätzlich zu den sehr hohen "Weichkosten" und den diversen Provisionen, die sich Vermittlerbanken abgezwackt haben. In Deutschland haben Banken, die Anleger geklagt haben, bereits recht bekommen. Sicher sei laut VKI nur eines: Wenn man zurückzahlt, ist das Geld weg. Betroffene sollten sich daher an die Konsumentenschützer wenden.

MPC: "Haben nicht fehlerhaft gearbeitet"

Die MPC-Österreich-Tochter CPM bestätigt, dass Anleger jetzt von Banken aufgefordert werden, ihre Ausschüttungen ganz oder in Teilen zurückzuzahlen. Das resultiere aus der Schieflage der Fonds, über dieses Risiko sei aufgeklärt worden, heißt es gegenüber der APA. Der VKI und auch Gerichte sehen das anders: So hat der Oberste Gerichtshof (OGH) in einem Urteil zugunsten eines Anlegers von einem "Ausschüttungsschwindel" gesprochen.

Die Vorwürfe des VKI, dass die Anleger weder über das Totalverlustrisiko noch über die Rückforderbarkeit der Ausschüttungen aufgeklärt worden seien, wies die Fondsgesellschaft erneut zurück. Es gebe weder in Österreich noch in Deutschland ein Urteil gegen MPC, wonach fehlerhaft gearbeitet worden wäre. Was Prozesse gegen Berater betrifft, müsse im Einzelfall geklärt werden, wie das Verkaufsgespräch abgelaufen ist.

Österreicher investierten 800 Millionen Euro

In Österreich haben vor der Finanzkrise rund 17.000 Anleger 70 verschiedene Fonds der Firma MPC gekauft. Fast alle Großbanken haben damals solche Schiffs- und Immobilienfonds - teils auch von kleineren Emittenten - großflächig vertrieben. Der VKI vertritt rund 2.500 Betroffene mit einem mutmaßlichen Schaden von 170 Millionen Euro. Die Fonds gerieten im Gefolge der Finanzkrise unter Wasser, einige sind schon in Insolvenz. Weltweit sind geschätzte 8 Milliarden Euro in solche riskante Immobilien- oder Schiffsfonds geflossen, davon 800 Millionen Euro aus Österreich.

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18.03.2016