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Fieberkurve einer Aktie

Riskantes Spekulieren mit "Trading-Apps"

Immer häufiger werben Anbieter wie "BDSwiss", "24Option" oder "Traderush" für Wetten auf Aktienkurse am Smartphone: Mit Trading-Apps wird dabei auf sogenannte binäre Optionen gesetzt. Die Unternehmen versprechen schnelles Geld, Konsumentenschützer warnen dagegen, dass es sich um reines Glücksspiel handelt. Die Einstufung der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) lautet "hochspekulative, hochriskante Wettgeschäfte".

Geld

"Die Börse für jedermann einfach gemacht", "in 60 Sekunden Gewinne von 300 Prozent", "alles risikofrei": Mit solchen Slogans wird in Fernsehspots für binäre Optionen geworben. Dabei geht es um Apps und Computersoftware, die als kinderleichte Tradinginstrumente angepriesen werden.

"In Wirklichkeit stehen binäre Optionen aber in keinerlei Verbindung zum realen Aktienmarkt", sagt Bernd Lausecker, Finanzexperte des Vereins für Konsumenteninformation (VKI). Hinter diesen Optionen würde im Gegensatz zu Firmenaktien, kein Wert, sondern nur die Zusage stecken, dass eventuell ein Gewinn ausgezahlt wird.

Wie im Casino - Anbieter gewinnt immer

Der Handel mit binären Optionen ist einfach erklärt: Anhand der Fieberkurve eines Aktienkurses darf man raten, ob es weiter bergauf oder bergab geht. Nach einer festgelegten Zeitspanne wird die tatsächliche Kursentwicklung ermittelt. Wer falsch geraten hat, verliert seinen gesamten Einsatz, wer richtig gelegen ist bekommt - je nach Anbieter - maximal 85 Prozent gutgeschrieben. Aus Sicht der Konsumentenschützer ist das ein Verlustgeschäft. "Wer einmal gewinnt und einmal verliert, macht einen Verlust. Der Anbieter gewinnt immer, das weiß man schon aus dem Casino", so Lausecker.

Ob Gewinnchancen immer im Zusammenhang mit dem Einsatz gesehen werden müssen, stellt BDSwiss, eine der bekanntesten Trading-Plattformen, gegenüber help.ORF.at in Frage. Die Risikohinweise seien mit diversen Aufsichtsbehörden, wie der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) abgestimmt worden. "Die Analyse einer sehr hohen Anzahl von historischen Handelsdaten ergibt das Bild, dass durch die Anwendung einfacher Handelsprinzipien auch Anfänger Gewinne erzielen können", so BDSwiss.

Preise jenseits der Aktienwerte

Neben dem hohen Risiko kritisiert der VKI die Preise für binäre Optionen. Sie hätten mit dem Marktwert der Aktien, auf die gewettet wird, nichts zu tun. Die Firmen würden den Preis einer binären Option selbst bestimmen, so Lausecker. Die Kosten würden laufend variiert, so dass die Gewinne am Ende zu Gunsten des Anbieters ausfielen. Das Geschäftsmodell scheint zu florieren. Die Zahl der Trading-Plattformen ist laut VKI inzwischen auf 150 gestiegen. Ein Anbieter betreibt oft mehrere Plattformen, auch wenn die dahinterliegende Software dieselbe ist.

Doie Unternehmen veröffentlichen Empfehlungsschreiben und bezeichnen sich "Testsiegern" mit Auszeichnungen, deren Herkunft undurchsichtig ist. Lausecker spricht von einer gegenseitiger Beweihräucherung unter den Anbietern. "Natürlich sind diese Firmen darauf angewiesen, Seriosität vorzugaukeln. Es ist eigentlich Augenauswischerei. Eine Testplakette ist nur soviel wert, wie die Organisation, die dahintersteht", so der VKI-Finanzexperte.

Geld zurückholen schwer möglich

Von zahlreichen Fallschilderungen kennen die Konsumentenschützer die Kundenfangmethoden der Firmen genau. Für den Einstieg zahlen User oft 100 Euro auf ein virtuelles Konto ein. Wer 500 Euro einzahlt, bekommt einen Bonus von weiteren 500 Euro. Kurze Zeit später würden die User angerufen und mit besseren Quoten, besserem Service und niedrigeren Preise gelockt, weitere 5000 Euro nachzuschießen, so Lausecker.

Gezielte Lockangebote verführen dazu, die Trading-Apps mit immer mehr Geld zu füttern.

Danach beginne entweder das Verlieren oder man bekomme ein Problem, wenn man das Geld wieder abheben möchte. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen stehe nämlich, dass das Kapital mehrfach umgesetzt werden muss, bevor eine Auszahlung möglich ist. "Hier wird das Geld solange im System gehalten, bis es verloren ist", so Lausecker.

Gewinne, die aus eingezahltem Kapital generiert wurden, würden ausgezahlt, wenn der Kunde einen, den Vorgaben der einschlägigen Gesetze zur Vermeidung von Geldwäsche entsprechenden Antrag stelle, so BDSwiss gegenüber help.ORF.at.

Zypern oder Elfenbeinküste als Firmensitze

Der VKI sieht eine konkrete Möglichkeit, rechtlich gegen die Unternehmen vorzugehen. Man könne argumentieren, dass es sich um "Lockangebote unter falschen Voraussetzungen" handle, so Lausecker. Schwierig würde aber die Rechtsdurchsetzung, denn die Firmensitze der meisten Unternehmen lägen in Zypern oder auch weit außerhalb der EU. "Selbst wenn ich in Österreich einen Rechtstitel erwirken sollte, hilft mir das nichts, wenn der Firmensitz in der Elfenbeinküste, liegt", so der Finanzexperte. Es sei schwer an die Vermögensgegenstände dieser Firmen heran zu kommen. Das wüssten die Anbieter auch. "Sie sitzen ihre Klagen einfach aus und davor schrecken Verbraucher zurück."

Das Problem kennt auch die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA). Für Unternehmen mit Firmensitz außerhalb von Österreich ist sie aber nicht zuständig. Im europäischen Wirtschaftsraum sind für binäre Optionen weder Rechtslage noch Rechtsauslegung einheitlich geregelt. Die europäische Wertpapieraufsichtsbehörde (ESMA) arbeitet deshalb derzeit an einer Vereinheitlichung der Rechtslage. Diese würde den Anlegerschutz verbessern, meint die FMA.

Auch Jugendliche als Zielgruppe

Besonders problematisch an der Werbung für binäre Optionen sei die Adressierung an ein junges, internetafines Publikum. Das Versprechen, auf einfachste Art und Weise mit einer App schnell Geld zu verdienen, locke Jugendlichen und Minderjährigen an, so Lausecker. Er rät Eltern, ihre Kinder gut über die Gefahren der Wettgeschäfte aufzuklären. "Das wichtigste ist, den Jugendlichen klar zu machen, dass es nicht funktinieren wird, damit reich zu werden oder sich ein regelmäßiges Taschengeld zu verdienen."

19.03.2016