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Screenshot zeigt Text über Cookies

Cookie-Hinweise: So wird man sie los

Wer im Netz unterwegs ist, stößt derzeit ständig auf sie: Cookie-Hinweise, die den Nutzer daran erinnern, dass sein Surfverhalten aufgezeichnet wird. Vor Jahren von der EU als nützliche Datenschutzinformation eingeführt, ist die jetzige Hinweisflut für viele nur noch eine lästige Surferschwernis. Help erklärt, wie man die Banner wieder loswird.

Internet

Hinweise wie der oben gezeigte poppen derzeit zuhauf auf allen möglichen Websites auf: "Wenn Sie Cookies akzeptieren, können wir Ihnen die bestmögliche Erfahrung auf dieser Website bieten." Die meisten Nutzer sind von den massenhaften Einwilligungsbegehren aber schlicht genervt. Denn was genau dahinter steckt, ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich. Die Warnhinweise versprechen nur vage die "bestmögliche Erfahrung" und das "beste Service" auf der Website, wenn man seine Zustimmung gibt.

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"Dieser Hinweis ist meiner Meinung nach relativ sinnlos, weil fast jede Website Cookies verwendet", sagt Edgar Weippl, Experte für Computersicherheit am Forschungszentrum SBA Research der Technischen Universität Wien (TU) im Gespräch mit help.ORF.at. Eine aktuelle Studie des deutschen Browserherstellers Cliqz spricht etwa von 95 Prozent aller Websites, die das Surfverhalten der Nutzer mit Cookies und anderen ausgefeilten Methoden systematisch aufzeichnen, wie die " Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ", Onlineausgabe) berichtet.

Verschiedene Cookie Hinweise
Websiteeinblendungen, die auf die Nutzung von Cookies hinweisen, sind allgegenwärtig

Google löste jetzige Hinweislawine aus

Eigentlich hat die EU bereits 2009 in der Cookie-Richtlinie festgelegt, dass eine Website das Onlineverhalten seiner Besucher nur dann speichern darf, wenn der einzelne User dem vorher zugestimmt hat. In Österreich und Deutschland wurden die EU-Vorgaben allerdings nie umgesetzt. Als gängige Praxis wurde bisher die Aufklärung mittels Datenschutzerklärung im Impressum als ausreichend angesehen.

Hinter der jetzigen Flut an Cookie-Hinweisen steckt ausgerechnet Google, der mit Abstand größte Datensammler im Internet. Im Herbst letzten Jahres verpflichtete Google all seine Werbepartner, die EU-Richtlinie zu befolgen und auf Cookies hinzuweisen. Das Ergebnis bekommen die Nutzer seit Monaten massenweise zu sehen.

Cookie weiß genau, was Nutzer macht

Bei jedem Websitebesuch hinterlässt der Nutzer Spuren. Diese werden von den Betreibern der Websites gespeichert und ausgewertet. Das nennt man Tracking. Dabei kommen unter anderem Cookies zum Einsatz, kleine Textdateien, welche die personenbezogenen Informationen direkt auf dem Computer des Nutzers speichern. "Ursprünglich wurden die Cookies eingeführt, um sich zu merken, was der Benutzer vorher auf der Seite gemacht hat", so Weippl. Damit wurden etwa Funktionen wie das automatische Log-in möglich. Doch auch die Werbewirtschaft machte sich die Technik in weiterer Folge zunutze.

Datenbrösel zeichnen klares Bild des Nutzers

Mit Hilfe der Cookies können die Websitebetreiber genau nachvollziehen, welche Videos wann angeschaut und welche Produkte wie oft aufgerufen wurden. Aus einer Fülle von Einzeldaten zeichnen sie so eine ausführliche Datenspur, die ein klares Bild des Nutzers ergeben. Besonders im Bereich der Onlinewerbung sind derart genaue personenbezogene Daten Gold wert.

Sollte man manche Cookies also besser nicht erlauben? "Das gezielte Ausschalten einzelner Cookies ist technisch möglich, aber unrealistisch für den Endnutzer. Das Blockieren aller Cookies ist hingegen technisch einfach möglich, hat aber den Nachteil, dass dann viele Funktionen von Webseiten einfach nicht mehr funktionieren", so Weippl. Zum Beispiel das automatische Log-in und das Hinterlegen von Produkten im Warenkorb. Wer auf solche Komfortfunktionen nicht verzichten möchte, dem bleibt beim Cookie-Hinweis also nur der Klick auf das "Ja".

Cookie-Warnungsblocker verschaffen Ruhe

Wer nicht auf jeder einzelnen Website den Hinweis manuell wegklicken möchte, kann auf Programme zurückgreifen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, den Cookie-Hinweisen den Garaus zu machen. Weippl geht davon aus, dass es etwa in Zukunft vermehrt Cookie-Warnungsblocker gibt, welche die Hinweise automatisch ausblenden. "Weil das einfach vielen Nutzern auf die Nerven geht," so der TU-Experte.

Ein solches Programm mit dem bezeichnenden Namen "I don’t care about Cookies" gibt es bereits. Einmal im Browser installiert, werden die Hinweise einfach ausgeblendet. Auch Adblock und uBlock bieten Filter wie etwa "Prebake - Filter Obtrusive Cookie Notices" gegen die massenhaften Hinweise an. Andere Programme wie zum Beispiel "Ghostery" und "Disconnect" zeigen genau an, wie viele Cookies auf welcher Website im Einsatz sind. "Das ist interessant zu sehen, denn bei vielen Websites weiß man gar nicht, was da alles im Hintergrund so läuft," so Weippl. Für mehr Anonymität beim Surfen empfehlt er zudem das TOR-Browser-Paket.

Im Falle der Cookie-Hinweise bleibt dem Nutzer nur die Wahl zwischen Komfort und Anonymität. Denn eines steht fest: Die „bestmögliche Erfahrung“ geht immer mit dem Ausspionieren von Daten einher.

Beate Macura, help.ORF.at

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27.02.2016