Standort: help.ORF.at / Meldung: "Zika-Virus: Schwangerschaft kein Stornogrund"

Zwei Gelbfiebermücken (Aedes Aegypti) Die Art gilt als Hauptüberträger des Zika-Virus, welches derzeit vor allem in Südamerika grassiert. In Hessen wird unter anderem an dieser Mückenart geforscht.

Zika-Virus: Schwangerschaft kein Stornogrund

Wegen des grassierenden Zika-Virus wird Schwangeren derzeit von einer Reise nach Südamerika abgeraten. Bei einer Burgenländerin wurde kurz vor Reiseantritt in das betroffene Gebiet eine Schwangerschaft festgestellt. Die Familie wollte die Reise stornieren, ihre Reiseversicherung erteilte ihnen aber eine Absage.

Versicherung

In wenigen Wochen wollte die Familie nach Paraguay reisen. Der Flug war schon im vergangenen November gebucht worden, nichts ahnend, dass sich daraufhin das Zika-Virus in Lateinamerika ausbreiten würde, das im Verdacht steht, schwere Schädelmissbildungen bei Neugeborenen zu verursachen. Schwangeren wird deshalb seit Wochen dringend davon abgeraten, nach Lateinamerika zu reisen. Für die burgenländische Familie war diese Warnung irrelevant, bis bei der Mutter Anfang Februar eine Schwangerschaft festgestellt wurde.

"Unvorhersehbare Ereignisse" nicht versichert

Die Familie stornierte die Reise und informierte die Wiener Städtische Versicherung, bei der sie über eine Kreditkare reiseversichert war. Man müsse prüfen, ob eine Schwangerschaft ein zwingender Reiserücktrittsgrund im Sinne der Stornobestimmungen sei, antwortete die Wiener Städtische. Hier könne tatsächlich Zweifel bestehen, sagt Barbara Forster vom Europäischen Verbraucherzentrum.

"Wenn es an der Urlaubsdestination plötzlich für den durchschnittlichen Reisenden zu gefährlich wird, ist das normalerweise nicht von einer Stornoversicherung umfasst. Dann bringt mir eine Versicherung in aller Regel nichts", so die Juristin.

Veranstalter bei Pauschalreisen in der Pflicht

Bei unvorhersehbaren Ereignissen wäre nicht die Versicherung, sondern der Reiseveranstalter in der Pflicht. Etwa bei Pauschalreisen. "Wenn dort ein Tsunami wütet oder eine Seuche ausbricht, würde die Geschäftsgrundlage wegfallen und Konsumenten können argumentieren, dass es nicht mehr zumutbar ist dorthin zu fahren", erklärt die Expertin. In so einem Fall gelte es, den Reiseveranstalter zu kontaktieren und eine Umbuchung zu fordern. "Möglicherweise kann man die Reise auch später, wenn die Gefahr gebannt ist, antreten. Anderenfalls hat man Anspruch auf einen kostenlosen Rücktritt vom Vertrag", so Forster.

Im vorliegenden Fall handelt es sich aber nicht um ein Pauschalangebot und es keinen Reiseveranstalter. Die Familie hatte nur die Flüge gebucht. In so einem Fall sei der Aufenthalt vor Ort nicht Inhalt des Vertrages, erklärt Barbara Forster. Mit der Fluglinie sei nur ein Beförderungsvertrag abgeschlossen worden.

Werbebroschüre ist kein Versicherungsvertrag

In der dazugehörenden Broschüre der Reiseversicherung sei nicht ausreichend auf die eventuellen Ausschlüsse hingewiesen worden, kritisiert die Familie. Doch das liegt in der Natur der Sache. "Eine Broschüre schafft nur einen Überblick, aber es geht bei Versicherungspolizzen um die Details", sagt die Juristin. Deshalb sei es wichtig, die Vertragsbedingungen genau durchzulesen.

Vorsicht bei Reiseversicherung über die Kreditkarte

Versicherungen die in Kombination mit einem Kreditkartenvertrag angeboten werden, unterscheiden sich besonders stark, was die Leistung betrifft. In der Regel gilt: Je höher die Kartengebühr, desto umfassender der Versicherungsschutz. Außerdem muss man gerade hier auf Ausschlüsse achten. So kann es beispielsweise sein, dass die Reise zwingend mit der Kreditkarte bezahlt werden muss, damit die Reiseversicherung für einen eventuellen Schaden aufkommt. "Wenn mir Punkte, die für meine individuelle Reise relevant sind, fehlen, kann ich zusätzlich eine Reiseversicherung abschließen, um die Dinge abzusichern, die von der Kreditkartenversicherung nicht gedeckt sind", sagt Forster.

Kulanzlösung für Schwangere

Dabei bewerten die Versicherer Schwangerschaften unterschiedlich. Während etwa die Uniqa bei unvorhersehbaren Ereignissen am Urlaubsort nicht zahlt, wäre bei der Europäischen Reiseversicherung eine Schwangerschaft als Reiserücktrittsgrund abgedeckt. Die Wiener Städtische sieht im Fall der burgenländischen Familien zwar keinen Versicherungsfall, erklärt sich aber dennoch bereit, aus Kulanzgründen, 90 Prozent der angefallenen Stornokosten zu übernehmen.

Paul Urban Blaha, help.ORF.at

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27.02.2016