Standort: help.ORF.at / Meldung: "Was Konsumenten beim Lebensmittelkauf ärgert"

Eine junge Frau überprüft in einem Supermarkt Haarshampoos.

Was Konsumenten beim Lebensmittelkauf ärgert

Überraschende Zutaten, geringe Füllmengen und versteckte Preiserhöhungen: Mitunter verwenden Unternehmen gefinkelte Verkaufstricks, mit denen sie ihre Lebensmittel im Handel anbieten. Aufmerksame Konsumentinnen und Konsumenten können auffällige Produkte der Plattform "Lebensmittel-Check" melden. Im Jahr 2015 wurden dort mehr als 100 Lebensmittel unter die Lupe genommen.

Bilanz

Ein großer Aufreger im vergangenen Jahr waren widersprüchliche Herkunftsangaben, sagt Katrin Mittl: "Das heißt, ich hab da zum Beispiel Heidelbeeren oder Erdbeeren laut Regalschild mit Herkunft Österreich. Auf der Verpackung an sich steht aber drauf, sie kommen aus Deutschland oder Polen. Da haben wir sehr viele Beschwerden bekommen. Es hat dann immer geheißen, das war ein Fehler des Mitarbeiters. Aber diese Fehler haben sich dann wirklich verdächtig oft gehäuft und das hat ziemlich aufgeregt auf unserer Plattform."

Zweimal wöchentlich wird auf Lebensmittel-Check.at
ein Produkt veröffentlicht - inklusive Foto und Reaktion des Unternehmens. Auch das Testmagazin "konsument" greift monatlich eine Beschwerde auf.

Meldungen werden per Brief, Mail, Telefon und seit einiger Zeit auch über Facebook entgegen genommen.

Mittl betreut für den Verein für Konsumenteninformation (VKI) die Plattform "Lebensmittel-Check". Neben den falschen Herkunftsangaben werden dort auch oft Produkte gemeldet, die nur in Spuren das halten, was sie versprechen: "Ein klassisches Beispiel dafür sind die Smoothies, die oft mit den höherpreisigen Beeren werben, aber tatsächlich ganz anders zusammengesetzt sind. Zum Beispiel ein Smoothie, der sich betitelt mit Orange-Mango, tatsächlich aber überwiegend aus Pfirsichmark, Traubensaft und Apfelmark besteht. Und das sehe ich auf den ersten Blick überhaupt nicht, sondern maximal, wenn ich das Ding umdrehe und auf die Zutatenliste schaue."

Unterschiedliche Reaktionen

Wenn ein Produkt gemeldet wird, prüfen die Verbraucherschützer die Beschwerde und geben dem Unternehmen Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen. Und die Antworten können sehr unterschiedlich ausfallen, so Mittl: "Zum einen gibt es die Firmen, die sich da rauswinden und sagen, es sei ja rechtlich in Ordnung. Andere sagen, wir werden was ändern - das tun sie dann auch, aber nur so, dass ein bisschen was getan wird, aber nicht wirklich konsumentenfreundlicher gestaltet. Und dann gibt es die Bemühten, die sagen, wir wollen das ändern, damit es für Konsumenten in Zukunft unmissverständlich ist."

Verspricht eine Firma eine Änderung, dann wird dies nach einer gewissen Zeit überprüft und als so genannter "Re-Check" ebenfalls auf der Plattform veröffentlicht. Vieles von dem, was die Verbraucher aufregt, ist übrigens rechtlich zulässig oder liegt zumindest in einem Graubereich. Katrin Mittl spricht deshalb nicht von Irreführung, sondern von Kundentäuschung.

Immer weniger Inhalt

Immer mehr Meldungen verzeichnet die Plattform zu versteckten Preiserhöhungen, so die Expertin: "Das heißt, der Preis bleibt einfach ident und die Füllmenge verringert sich kontinuierlich. Vor allem wenn ich etwas oft einkaufe, achte ich nicht mehr auf die Füllmenge und merke gar nicht, dass das eigentlich verteuert wurde. Und das ist ein Aufreger, der immer öfter kommt, weil im Jahr 2009 die einheitlichen Füllmengen abgeschafft wurden. Also eine Tafel Schokolade muss nicht mehr 100 Gramm haben, sie kann jetzt auch 67 Gramm haben. Das nutzen halt viele Hersteller aus." Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollte man sich also die Kilo- und Literpreise am Regal genau ansehen.

Viel Luft im Inneren

Viele Beschwerden verzeichnet die Plattform auch zu Verpackungen, die nach mehr aussehen als sie enthalten - die so genannten Mogelpackungen: "Wir haben auch ein paar Sachen mittels Computertomograph näher durchleuchtet, und da sieht man ganz schön, dass der Großteil Luft ist und nur ganz wenig Inhalt, was man eben durch den Außenkarton nicht sehen geschweige denn erfühlen kann."

Hersteller sprechen in solchen Fällen gern von "produktionsbedingten Gründen" oder erklären, dass das Produkt den Luftraum sogar brauche, sagt Katrin Mittl: "Manche Hersteller geben an, dass sie diesen Luftraum benötigen, weil sie eben keine Luft einfüllen, sondern ein spezielles Luftgasgemisch, das für die Haltbarkeit des Produktes notwendig ist. Aber wir haben den Vergleich, dass andere Hersteller viel weniger Luft einfüllen und das Produkt deshalb nicht schlechter ist."

Gemüse mit Fett und Zucker

Aus den "Lebensmittel-Checks" des Vorjahres haben Leser der Zeitschrift "konsument" die größten Aufreger ausgewählt. Spitzenreiter wurde dabei ein vermeintlich besonders gesundes Tiefkühlprodukt, sagt Katrin Mittl: "Das ist eine Gemüsemischung, die sich als dampfgegart kennzeichnet, und man glaubt, man tut sich etwas Gutes. Tatsächlich enthält sie auch ganze elf Gramm Fett und über fünf Gramm Zucker, was ich in einer dampfgegarten Gemüsemischung nicht erwarte geschweige denn auf den ersten Blick sehe."

Kristina Singer, help.ORF.at

16.01.2016