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Mann mit Handy am Ohr, Detailaufnahme

Handyversicherung auf dem Prüfstand

Einen Mobilfunkvertrag mit inkludierter Geräteschutzversicherung für Smartphone und Tablet bewirbt derzeit eine Versicherung. Für Konsumenten stellt sich die Frage, ob sich solche Versicherungsverträge auszahlen. Auch punkto Datenschutz wirft das Angebot Bedenken auf: Könnte ein Versicherungsunternehmen über das versicherte Handy an persönliche Informationen gelangen, die sich letztlich negativ auf andere Polizzen auswirken - etwa auf die Prämienhöhe einer Lebensversicherung?

Mobiltelefon

Mit "Allianz Sim" steigt die Allianz Versicherung in den Mobilfunkmarkt ein. Eine Kooperation mit der "ATK Telekom und Service GmbH" – einem virtuellen Anbieter. Die ATK liefert den Mobilfunkvertrag, die Allianz bietet einen Versicherungsschutz für Smartphone oder Tablet. Virtuelle Anbieter verfügen in der Regel über kein eigenes Netz, sondern verwenden die Kapazitäten eines bestehenden Mobilfunkbetreibers für die Telekommunikationsdienste. Die ATK nutzt beispielsweise das Netz von T-Mobile.

Kann es bei virtuellen Anbietern zu Benachteiligungen kommen? Dazu Daniela Zimmer, Konsumentenschützerin der Arbeiterkammer Wien: "Im Moment hätten wir keine Hinweise auf eine unterschiedliche Behandlung von Kunden virtueller Netzanbieter und Kunden von Netzbetreibern mit eigenem Netz. In unserer Beratung gab es bislang keinerlei Beschwerden oder Anfragen dazu."

Vorsicht bei kostenpflichtiger Versicherung

Bei Geräteversicherungen rät Zimmer zur Vorsicht. Insbesondere sei auf die die diversen Ausschlüsse zu achten, die oft verklausuliert in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu finden seien. Diese sollte man sich genau ansehen. Vom Versicherungsabschluss über den Ladentisch rät Daniela Zimmer eher ab: "Wenn man mir einen Koppelungsvertrag zwischen einem Telekomvertrag und einer Handyversicherung anbietet, würde ich mir Bedenkzeit ausbedingen, um mir alle Details ansehen zu können. Ich würde mich nicht übereilt in so einen Kombivertrag stürzen. Vor allem dann nicht, wenn die Versicherungsleistung zusätzlich kostet."

Wer das allzu intensive Studieren von AGBs generell scheut, sollte aus Sicht von Daniela Zimmer vom Abschluss kostenpflichtiger Geräteversicherungen Abstand nehmen.

Gratisversicherung ist "nettes Zusatzangebot"

Im Fall der Allianz Sim bietet das Unternehmen zwei Versicherungsmöglichkeiten an: Eine ist kostenpflichtig, die andere gratis. Die Gratisversicherung sei ein nettes Zusatzangebot, so Zimmer. Dennoch sollte man auch hier auf die Ausschlussbedingungen achten: "Diebstahl wird beispielsweise nicht abgedeckt, das wäre nur bei Zusatzzahlungen möglich. Ausgeschlossen ist der Verlust des Handys – versichert ist aber immerhin die Unachtsamkeit, wenn ein Handy etwa zu Boden fällt und das Display dabei zerspringt."

Auf Vertragsausschlüsse achten

Darüber hinaus sollten Konsumentinnen und Konsumenten auch diverse Selbstbehalte, etwa im Falle einer Reparatur, im Auge haben, um sich bei Schäden ärgerliche Überraschungen zu ersparen.

Dass ein Versicherungsunternehmen direkt in den Mobilfunkmarkt einsteigt, ist derzeit eher ein Novum. Da stellt sich die Frage nach der Sicherheit persönlicher Daten: Smartphones und Tablets verraten schließlich eine ganze Menge über ihre Benutzer. So können etwa die verwendeten Apps etliche Rückschlüsse auf persönliche Lebensgewohnheiten zulassen, zum Beispiel ob man sportlich ist, sich gesund ernährt oder eben nicht.

Kein Zugang zu Mobildaten ohne Genehmigung

Bleiben diese Informationen auch privat, wenn der Vertragspartner eine Versicherung ist, oder könnte etwa ein ungesunder Lebenswandel letztlich die Prämie der Lebensversicherung erhöhen? Auf Nachfrage erklärt die Allianz, dass das Unternehmen keinen Zugriff auf die mobilen Daten habe. Auch die AK-Expertin gibt Entwarnung: "Dass langfristig Finanzdienstleister mit Telekomanbietern kooperieren könnten, um meine Fitnessdaten, die eine App speichert, als Basis für die Prämienberechnung einer Versicherung heranziehen zu können, das wären gesonderte Dienste, für die meine explizite Zustimmung einzuholen wäre.“

Wer also darauf achtet, so eine Zustimmung nicht versehentlich zu erteilen, etwa über die Bedingungen bei einem Gewinnspiel, dessen Daten sollten zumindest in diesem Fall vorläufig sicher sein.

Paul Urban Blaha, help.ORF.at

16.01.2016