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Frau mit VR-Brille

Elektrohändler verkauft Werbegeschenk

Eine Help-Hörerin erwirbt online bei Saturn eine Virtual-Reality-Brille zur Verwendung in Kombination mit einem Smartphone. Die ausgefolgte Ware ist allerdings nicht zum Verkauf bestimmt. Zur ausführlichen Rückmeldung von Seiten des Elektronikmarktes kommt es erst, nachdem die Kundin ihrem Ärger auf der Facebook-Seite des Unternehmens Luft gemacht und die ORF help-Redaktion eingeschalten hat.

Handel

Eine böse Überraschung erwartete Help-Hörerin Saskia P. unter dem Christbaum: Sie wollte ihrem Lebensgefährten eine Freude machen und hatte eine Virtual-Reality-Brille für dessen Smartphone erstanden. Das Handy wird in eine solche Brille eingesetzt und dann über einen Ring an der Seite des Brillengestells gesteuert. So sollen Spiele und Videos besonders plastisch erlebbar gemacht werden. Anfang Dezember hatte Saskia P. ihre Bestellung beim Elektronikhändler Saturn online aufgegeben. Doch die ausgefolgte Ware war gar nicht zum Verkauf bestimmt – die Brille entpuppt sich als Werbegeschenk des Herstellers, wovon ein Etikett mit der Aufschrift "This product is a promotional giveaway, thus is not for sale and has no warranty" zeugt.

Mühselige Kontaktaufnahme

Saskia P. wendet sich daraufhin an das Kundenservice des Elektronikmarktes. Ein Mitarbeiter bietet ihr an, das Produkt zurückzubringen. Der Konsumentin ist das zu wenig, "denn es ist ja mein Weg, meine Zeit, wie komme ich dazu". Daraufhin wird sie von einem Einkäufer des Elektronikhändlers kontaktiert, der nach Angaben von Frau P. behauptet, das getätigte Geschäft habe seine Richtigkeit und es sei auch eine Garantie vorhanden. Damit will sich Frau P. nicht zufriedengeben.

Der Konsumentin wird ein erneuter Rückruf am Folgetag in Aussicht gestellt, um den Sachverhalt letztlich zu klären. Nachdem keine weitere Kontaktaufnahme erfolgt, schreibt Saskia P. das Unternehmen online an – über die offizielle Facebook-Seite von Saturn. Dort wird sie erneut aufgefordert, sich an den Kundenservice des Unternehmens zu wenden.

Unternehmen entschuldigt sich

Mittlerweile hat Saskia P. auch die Help-Redaktion kontaktiert. Als wir Saturn ebenfalls um Stellungnahme zum geschilderten Sachverhalt bitten, wird die Konsumentin schließlich zurückgerufen – mit einer Entschuldigung, wie Saskia P. berichtet: "Es sei nicht korrekt gewesen, zu sagen, der Verkauf sei rechtens. Und man biete mir an, dass ich die Brille behalten kann und zusätzlich den Kaufpreis sowie 20 Euro extra als Online-Gutscheincode bekomme".

Auch Help gegenüber entschuldigt sich das Unternehmen – es habe sich um einen Fehler bei der Registrierung im firmeneigenen Lagersystem gehandelt: "Daher kam es zu diesem Fehler beim Verkauf, für den wir uns aufrichtig entschuldigen. Die Garantie liegt als Verpflichtung beim Hersteller, weshalb wir diese nicht in seinem Namen übernehmen können."

Gewährleistung Sache des Verkäufers

Was den letzten Punkt betrifft, gibt Konsumentenschützerin Daniela Zimmer von der Arbeiterkammer Wien dem Unternehmen recht: "No warranty" sei mit "keine Gewährleistung" zu übersetzen. Für die gesetzliche Gewährleistung habe immer der Händler geradezustehen. Davon zu unterscheiden sei der Garantiefall: "Das sind freiwillige Garantieerklärungen, die entweder der Händler oder der Hersteller geben kann. So gesehen kann sich die Aussage des Anbieters eigentlich nur auf eine Herstellergarantie beziehen. Insofern ist das richtig; aber für die gesetzliche Gewährleistung hat immer der Verkäufer geradezustehen."

Was die Rückabwicklung eines solchen Kaufs selbst anbelangt, gibt es laut Daniela Zimmer zwei mögliche Vorgangsweisen. Einerseits dürfte es sich um Umstände handeln, über die der Anbieter vor Verkauf eigentlich aufklären muss - weil es sich um Einschränkungen handelt, die wesentliche Eigenschaften des Produkts betreffen. Leistet der Anbieter diese Aufklärung nicht, sei denkbar, dass die Käuferin den Vertrag wegen Irrtums der vom Anbieter veranlasst wurde, auflöst - mit der Konsequenz, dass sie ihr Geld zurückbekommen muss.

Rücktrittsrecht bei Online-Käufen

Gestaltet sich die Kommunikation mit dem Anbieter mühsam, gebe es bei Online-Käufen aber ein anderes probates Mittel, aus einem unerwünschten Vertrag "herauszukommen": Es besteht die Möglichkeit eines Vertrags-Rücktritts binnen 14 Tagen (gerechnet ab Erhalt der Ware). Der Konsument muss sich in diesem Fall nicht weiter erklären.

Im Fall von Saskia P. hat man sich schließlich gütlich geeinigt: Zusätzlich zur Kostenerstattung erhält Frau P. einen Gutschein im Wert von 20 Euro als Entschädigung. Ernüchtert hält sie fest, das sei zwar "nett, aber es ist schade, dass das nur funktioniert, wenn man es öffentlich macht, oder wenn der ORF sich einschaltet."

Johanna Jaufer, help.ORF.at

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