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Warnung vor unseriösen Aufsperrdiensten

Schnell kann es passieren, dass man sich selbst aussperrt. Dann heißt es kühlen Kopf bewahren und nicht voreilig die Firmen und Notdienste kontaktieren, die die Suchmaschinen oder das Telefonbuch an prominenter Stelle anzeigen. In Wien sind seit einiger Zeit unseriöse Vertreter des Gewerbes unterwegs, die beim Aufsperren kräftig abkassieren. Die Hintermänner dürften in Deutschland sitzen.

Schlüsseldienste

Es war an einem Samstagvormittag, strahlender Sonnenschein, die Fenster offen. Agnes D. ging nur schnell vor die Wohnungstüre, um ein paar Flaschen hinauszutragen. Ein stärkerer Luftzug und die Eingangstüre fiel hinter ihr ins Schloss, der Schlüssel steckte innen, Handy, Geld – alles war in der Wohnung. Mit dem Mobiltelefon eines hilfsbereiten Nachbarn informierte Agnes G. ihren Freund und bat ihn, einen Aufsperrdienst zu bestellen. Ihr Freund habe dann bei Google einfach nach einem Schlüsseldienst gesucht und als eine der ersten Adressen sei dieser SOS-Schlüsseldienst gekommen, erzählt Frau D. Ihr Freund habe unter einer 0800-Nummer bei dieser Zentralstelle angerufen und die hätten dann tatsächlich innerhalb von einer halben Stunde einen Techniker vorbeigeschickt.

Nur Bargeld

Der junge Mann kam in einem Privatauto ohne Firmenaufschrift, ließ sich das Schloss zeigen und meinte dann, er müsse mit Frau D.s Freund sprechen, um zu erfahren, ob er einen Preis mit der Zentrale ausgemacht habe. Wenn nicht, würde er das Schloss für 171 Euro öffnen. Dann habe der Techniker das Gespräch mit ihrem Freund beendet und gesagt, dass ihr Freund schon einen Preis mit der Zentralstelle vereinbart habe, dass ihm das sehr leid tue und dass es mit Wochenendpauschale und Anfahrtskostenpauschale insgesamt 288 Euro kosten würde, so Frau D.

Der Techniker wollte das Geld in bar und so fuhr Agnes D. mit ihm zum nächsten Bankomaten, nachdem er das Schloss geöffnet hatte. Erst danach schaute die Wienerin die Rechnung genauer an. Als Firma ist dort ein SOS-Schlüsseldienst mit der Adresse Am Untergrün 7 im deutschen March ausgewiesen, einem kleinen Ort bei Freiburg im Breisgau. Keine E-Mail-Adresse, keine Telefonnummer. Und nur eine unleserliche Unterschrift anstelle des Namens des Technikers. Als Agnes D. dann mit ihrem Freund sprach, erfuhr sie, dass ihr Freund keinen Preis vereinbart hatte, dass er davon ausgegangen war, dass das Aufsperren 171 Euro kosten würde und dass der Techniker ihr etwas anderes erzählt hat als ihrem Freund.

Keine Kontaktmöglichkeit

Jeder Versuch, den Schlüsseldienst daraufhin zu kontaktieren, sei fehlgeschlagen, schrieb uns Frau D. und bat uns um Hilfe. Und so machten auch wir uns auf die Suche nach dem SOS-Schlüsseldienst im deutschen March. Unsere erste Anlaufstelle: Der 24-Stunden-Notdienst, den der Freund von Frau D. unter der Nummer 0800 100 343 kontaktiert hatte. Unsere Frage nach einer Telefonnummer des SOS-Schlüsseldienstes in March wurde nicht beantwortet. Mit dem Hinweis, man sei ein Notdienst und müsse die Leitung freihalten, wurde zweimal abrupt aufgelegt. Und in March, in der Nachbarschaft der angegebenen Adresse sowie beim Gewerbeamt gelang es uns trotz zahlreicher Telefonate auch nicht, den SOS-Schlüsseldienst auszuforschen und zu kontaktieren.

Viele Beschwerden

Der Wiener Landesinnung für Metalltechniker, die auch für Aufsperrdienste zuständig ist, sind Fälle, wie der geschilderte bestens bekannt. Die Beschwerden füllen schon einen ganzen Ordner, erzählt uns Innungsmeister Georg Senft: "Es ist leider in letzter Zeit immer wieder der Fall gewesen, dass hier deutsche Schlüsseldienste zum Zug kommen, die sowohl im Telefonbuch als auch im Internet an erster Stelle oder sehr weit vorne gereiht sind. Diese Aufsperrdienste führen jedoch ihre Arbeiten nicht ordnungsgemäß aus, übergeben den Kunden keine komplett ausgefüllten Rechnungen und verlangen überhöhte Preise."

Bis zu 2.500 Euro seien da schon verrechnet worden, so Innungsmeister Senft. Die Innung hat mit der Kriminalpolizei zusammengearbeitet und die bereits gesammelten Beschwerden der Staatsanwaltschaft übergeben. Es dürfte sich um ein EU-weit operierendes Netzwerk handeln, das u.a. auch in Frankreich und Belgien nach derselben Masche vorgeht. Die Zentrale liegt Innungsmeister Senft zufolge irgendwo in Deutschland. Wenn man lange genug suche, komme man drauf, dass alle diese Fälle bei einem zentralen Server in Berlin zusammenlaufen. Die Staatsanwaltschaft ermittle, sagt Georg Senft. Die Hintermänner auszuforschen ist schwierig, die Namen der Aufsperrdienste und die Nummern der Notruf-Zentralen ändern sich, nicht aber die beschriebene Methode des Abkassierens.

Aufsperrdienste mit Gütesiegel

Als Abhilfe verweist Innungsmeister Senft auf eine Initiative der Innung: "Wir haben als Schlosserinnung das Gütesiegel „Aufsperrer“ schon vor einigen Jahren kreiert. Bei der Gütesiegel-Initiative sind nur Aufsperrdienste dabei, die sich an die Regeln halten. Auch die Kosten werden hier, wenn sie überschritten werden, kontrolliert. Wir haben eine Wiener Notfallnummer 5135138 und zwar ist das die Aufsperr-Hotline, die im Rahmen der Wirtschaftskammer angeboten wird, wo 24 Stunden Dienst ist und immer ein anderer Betrieb für den Kunden greifbar ist. "

Die Aufsperrdienste mit Gütesiegel haben eigene Ausweise, laut Innung eine Garantie dafür, dass es sich um seriöse, kontrollierte Betriebe handelt.

24.05.2014