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Die Westbahn „verlängert“ Strecken für höhere Tarife

Die Westbahn hat mit 1. März ihre Tarife geändert. Einige Strecken sind billiger geworden, andere teurer. Die Änderungen haben speziell bei Kilometerbank-Kundinnen und Kunden für Verwirrung gesorgt. Denn höhere Tarife werden bei den im Voraus bezahlten Kilometerbanken über eine willkürliche Verlängerung von Strecken erzielt.

Verkehr

Änderungen bei Abbuchungen

Silvia Neubauer pendelt seit 20 Jahren zwischen Linz und Wels. Das sind rund 25 Kilometer und 25 Kilometer wurden ihr auch bei jeder Fahrt von ihrer Kilometerbank abgebucht. Seit 1. März rechnet die Westbahn anders. Als sie die Kilometerbank mit 1.ooo Kilometern bei der Westbahn gekauft habe, habe sie angenommen, dass sie damit 40 mal diese Strecke fahren könne, sagt Frau Neubauer. Das passe jetzt nicht mehr, weil 30 Kilometer pro Einzelstrecke zu bezahlen sind. Nicht nur Linz und Wels sind bei der Neugestaltung der Tarife der Westbahn auseinandergedriftet, auch der Weg von Wien Westbahnhof nach Wien Hütteldorf ist um Einiges länger geworden. Dafür hat sich die Strecke von Wien West nach Salzburg um 20 Kilometer verkürzt.

Keine Kilometer, sondern Tarifeinheit

Von der Westbahn bekam Silvia Neubauer als Erklärung für das Phänomen, dass die Mindestabbuchung auf der Kilometerbank der Westbahn jetzt 30 Kilometer betrage, früher waren es 23. Daraus folge, so ließ die Westbahn ihre Kundin wissen, dass die Kilometer in der Kilometerbank der Westbahn keine Kilometer, sondern Tarifeinheiten seien. Warum man diese Ticketversion dann Kilometerbank nennt, ist für Frau Neubauer nicht nachvollziehbar. Sie ärgert sich, dass die Barzahlung gleich geblieben ist: "Es waren immer 2,90 Euro, seit die Westbahn die Strecke Linz-Wels fährt. Und nur für die Dummen, die vorausbezahlt haben, werden jetzt nicht 25 sondern 30 Kilometer abgebucht", sagt Frau Neubauer.

Stellungnahme der Westbahn

Bei der Anpassung der Tarifkilometer sei die Westbahn bestrebt gewesen, „das Rabattausmaß der jeweiligen Streckenrelationen gleichmäßig zu gestalten“, heißt es dazu in der Stellungnahme der Westbahn Management GmbH. an help. Die Strecke Wels-Linz sei mit der Kilometerbank extrem günstig und im Vergleich zu anderen Streckenrelationen zu stark rabattiert gewesen. Auch nach der Tarifanpassung zähle diese Strecke noch immer zu den am stärksten rabattierten zwischen Wien und Salzburg. Die Tarifänderung sei außerdem der Schienen Control vorab zur Kenntnis gebracht worden. Womit wohl alles in bester Ordnung scheint.

Einschätzung der Schienen-Control

Nun, Maria-Theresia Röhsler, die Geschäftsführerin der Schienen-Control hat dazu einiges anzumerken: "Die Westbahn Management GmbH. hat uns die Tarifbestimmungen vorgelegt. Das bedeutet aber nicht, dass wir die als gut befunden haben und das können wir auch gar nicht. Wir haben keine Vorprüfungskompetenz, wir können sie erst im Nachhinein prüfen. Also das, was die Westbahn geschrieben hat, dass sie uns sie vorgelegt haben, das stimmt. Wir haben aber die Probleme, die wir sehen, angemerkt."

Auch die Schienen-Control habe Beschwerden über die neue Tarifgestaltung der Westbahn bekommen und sei als Schlichtungsstelle gerade dabei, eine Lösung zu finden.
"Wir haben auch die Westbahn darüber informiert, dass wir diese Änderung der Kilometerbank zumindest als problematisch erachten, weil es eine Abkehr von diesem Bezahlen nach dem Kilometer, der gefahren wird, was vorher zumindest annähernd der Fall war. Ein durchschnittlich verständiger Kunde geht davon aus, dass er Kilometer bezahlt und nicht irgendeine fiktive Zahl", so die Schienen-Control Geschäftsführerin.

Fahrgastrechtegesetz

Abgesehen davon schreibt das seit 1. Juli 2013 gültige Fahrgastrechtegesetz vor, dass jede Fahrkarte erstattbar sein muss, so Maria-Theresia Röhsler. Nach Einschätzung der Schienen-Control ist eine Kilometerbank eine Zeitfahrkarte: "Das heißt. innerhalb der Geltungsdauer dieser Kilometerbank muss ich die Möglichkeit haben, diese auch wieder zurück zu geben und mein Geld zurück zu bekommen. Das ist derzeit nach den Tarifbestimmungen der Westbahn nicht der Fall und das haben wir bereits Anfang dieses Jahres bei der Westbahn angemerkt, dass das möglich sein muss, diese Erstattbarkeit."

Dann kann jeder frustrierte Kilometerbank-Besitzer seine Karte – gegen Erstattung eines Verwaltungsaufwandes – zurückgeben und sich nach günstigeren Möglichkeiten umschauen.

29.03.2014