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Spagetti werden auf Gabel aufgerollt

Allergenkennzeichnung nicht immer sinnvoll

Im Supermarkt regiert der Trend, Lebensmittel mit Kennzeichnungen wie "Ohne Laktose", "Glutenfrei" oder "Kann Spuren von ... enthalten" zu versehen - und zwar auch dann, wenn die genannten Substanzen nie Bestandteil des Produktes waren. Die Österreichische Arbeitsgemeinschaft Zöliakie kritisiert diesen Hang zur übervorsichtigen Kennzeichnung von möglicherweise enthaltenen Allergenen.

Gesundheit

Hertha Deutsch, die Leiterin der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft Zöliakie, sagt in Reaktion auf einen Help-Bericht, Lebensmittelkennzeichnungen würden zwar missbräuchlich verwendet, der Kern des Problems liege jedoch woanders: "Unser Problem ist diese sogenannte Spurendeklaration: Kann Spuren von allen möglichen Allergenen enthalten. Wenn eine Firma freiwillig bekannt gibt, dass ein sogenanntes Allergen nicht enthalten ist, dann ist das eigentlich sehr gut, weil wir wissen, dass die Firmen dementsprechend sensibel sind und die Rezepturen kontrollieren."

Was nicht heißt, sagt Hertha Deutsch, dass sie den inflationären Gebrauch von Allergenfrei-Kennzeichnungen nicht für problematisch hält: "Vor allem sehe ich die große Gefahr, wenn das so hoch gepusht wird, dass sich Personen sozusagen selbst diagnostizieren und gar nicht mehr zum Arzt gehen. Das ist das große Risiko dabei."

Kein Frage: Für Menschen, die an der Stoffwechselkrankheit Zöliakie leiden, sind glutenfreie Lebensmittel buchstäblich lebensnotwendig. Die Österreichische Arbeitsgemeinschaft Zöliakie, der Hertha Deutsch vorsteht, vergibt gemeinsam mit ihren internationalen Partnerorganisationen seit rund 50 Jahren das Glutenfrei-Gütesiegel, die durchgestrichene Ähre. Um dieses Siegel zu bekommen, müssen sich die Fabrikanten einem strengen Kontrollverfahren unterziehen. Auch ohne dieses Gütesiegel müssen die Auslobungen stimmen, das ist gesetzlich geregelt. Aber rechtliche Konformität bedeutet noch nicht, dass Konsumenten davon profitieren, sagt Hertha Deutsch: "Selbst wenn man, bei einer Firma zum Beispiel, niemals Spuren von Gluten gefunden hat, trotzdem kommen diese Warnhinweise 'Kann Spuren von Gluten enthalten' oder womöglich 'Kann Spuren von allen glutenhaltigen Getreiden enthalten' drauf. Und ganz, ganz schlimm ist, dass Firmen sich bemüßigt fühlen auf deren Homepage nicht eine Kennzeichnung, sondern einen Balken zu machen mit 'Allergene', und wenn man da draufklickt, kommen nicht nur alle Allergene zum Vorschein, die in dem Lebensmittel drinnen sind, sondern die eventuell theoretisch auch enthalten sein könnten. Und das ist nicht akzeptabel."

Nicht akzeptabel, weil damit ganze Produktpaletten flächendecken als allergen gekennzeichnet werden. Das führe jede Lebensmittelverordnung ad absurdum, sagt Hertha Deutsch, und verunsichere die Konsumenten. Das gelte gleicherweise für den Hinweis auf mögliche Spuren von Nüssen, Krustentieren oder Milchbestandteilen. Als Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Zöliakie hat sie häufig Kontakt mit Nahrungsmittelproduzenten: "Wenn ich mit Leuten von der Qualitätssicherung spreche, geben die mir alle Recht und sagen, ja, von der Qualitätssicherung aus sind da ja keine Glutenspuren drinnen, aber unser Rechtberater besteht darauf."

Help hat Katharina Koßdorff, die Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie in der Wirtschaftskammer Österreich gefragt, was sie von dieser Kritik hält. Sie könne den Vorwurf nicht ganz nachvollziehen, so Koßdorff. Solche Hinweise sollen die Konsumenten sensibilisieren, da selbst bei peinlichst genauer Einhaltung sämtlicher Reinheitsvorschriften eine Kontamination nicht ganz ausgeschlossen werden könne, und die Lebensmittelhersteller so gut wie möglich informieren möchten. Hertha Deutsch entgegnet: "Eine richtige Deklaration, wenn eine Zutat wirklich verwendet wird, ist sehr, sehr hilfreich. Wir haben jahrelang darum wirklich gekämpft, dass das stattfindet. Nur sollte man diese erreichte Lebensmitteldeklaration, die wirklich zum Schutz der sogenannten allergenen Bevölkerung ist, bitte nicht aufweichen oder ad absurdum führen mit diesen sogenannten 'Kann Spuren von enthalten'".

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15.02.2014