Standort: help.ORF.at / Meldung: "Facettenreicher Internetbetrug mit Bargeldtransfers"

Grünes Logo Internetombudsmann

Facettenreicher Internetbetrug mit Bargeldtransfers

Im Ausland bestohlen zu werden ist der Albtraum jedes Reisenden. Ohne Papiere und ohne Geld ist man in solchen Situation oft auf die finanzielle Hilfe von Freunden oder Familienmitgliedern angewiesen. Um ohne Bankomat- oder Kreditkarte rasch an Bargeld zu kommen, eignen sich sogenannte Bargeldtransfers, wie sie etwa von Western Union oder MoneyGram angeboten werden. Doch diese Geldtransfermethode wird immer öfter von Internetbetrügern missbraucht.

Internet

Eine neue ungelesene E-Mail befindet sich im Posteingang. Eine Freundin hat geschrieben. In der Betreffzeile steht ein harmloses "Hallo". In der E-Mail schildert die Freundin, dass sie nach England gereist ist und dort ihre Tasche samt Reisepass und Kreditkarte verloren hat:

"Die Botschaft ist bereit, mich ohne meinen Pass fliegen zu lassen. Ich muss nur noch für mein Ticket und die Hotelrechnungen zahlen. (...) Ich wollte dich fragen, ob du mir 1100 Euro so schnell wie möglich leihen kannst. Ich gebe es dir zurück sobald ich da bin. Das Geld durch Western Union ist die beste Möglichkeit. Ich warte auf deine Antwort."

Mails von gehackten Adressen

E-Mails wie die zitierte seien schon oft beim Internetombudsmann gelandet, sagt dessen Leiter Bernhard Jungwirth: "Das ist sehr gefährlich, weil hier wirklich vom Original-E-Mail-Account, der allerdings gehackt worden ist, diese Zahlungsaufforderung verschickt wird. Da passiert es leider wirklich sehr oft, dass Leute in diese Falle tappen." Was bleibt, ist die Anzeige bei der Polizei.

Bei einem Bargeldtransfer zahlt man einen gewissen Betrag ein, gibt den Zielort der Summe und die Daten des Empfängers an. Dem Empfänger selbst lässt man eine sogenannte Transaktionsnummer zukommen. Mit dieser kann er das Bargeld bei einer Filiale im Ausland abholen. Die Ausweispflicht hält die Betrüger nicht von ihren Machenschaften ab. "Das Problem ist, dass ein Täter sich auch mit gefälschten Papieren ausweisen kann oder dass gestohlene Dokumente zum Einsatz kommen. Kleine Geschäftsfilialen sind nicht immer in der Lage, solche Ausweise auf ihre Echtheit zu überprüfen", sagt Jungwirth.

Bargeldtransfer nicht für Onlinekäufe geeignet

Auch Schein-Onlineshops versuchen via Bargeldtransfer Online-Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wird Bargeldtransfer als einziges Zahlungsmittel angeboten, sollten die Alarmglocken schrillen. "Ein seriöser Onlinehändler wird niemals eine solche Zahlungsmethode anbieten und schon gar nicht als einzige", erläutert der Onlineexperte.

Andere Betrugsmodelle haben nicht die Käufer, sondern die Verkäufer im Netz im Visier. Jungwirth schildert den Fall eines gebrauchten Autos, das der Verkäufer im Internet um 10.000 Euro angeboten hat: "Ein Käufer meldet sich und behauptet, den Betrag mittels PayPal zu überweisen. Der Verkäufer bekommt eine E-Mail, die nicht wirklich von PayPal ist, aber so aussieht. Darin ist nicht nur dieser 10.000-Euro-Kaufbetrag angeführt, sondern zusätzlich ein Betrag von 1.000 Euro. Dann meldet sich der vermeintliche Käufer wieder und meint, die 1.000 Euro seien ein Versehen gewesen, sie seien eigentlich für den Freund bestimmt, der das Auto abholen soll." Letztendlich läuft es darauf hinaus, dass der Käufer den Verkäufer bittet die 1.000 Euro mit Hilfe eines Bargeldtransferdienstes der Person zukommen zu lassen, die das Auto abholen wird. "Das ist natürlich eine Konstruktion, die Lug und Trug ist und auch hier gilt: Das Geld ist weg", warnt der Experte.

Misstrauisch sein

Fazit: Wer im Internet aufgefordert wird, einen Bargeldtransfer abzuwickeln, sollte erst einmal misstrauisch sein. Ob es um Gebühren bei vermeintlichen Gewinnen oder um Zahlungen geht: Sitzt wirklich ein Angehöriger, eine Freundin oder jemand aus der Familie im Ausland ohne Bargeld fest? Wenn man sich dessen aber sicher ist, dann ist der Bargeldtransfer eine einfache Möglichkeit, seinen Lieben rasch aus der Patsche zu helfen.

05.10.2013