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Passagiere mit Gepäck am Flughafen Wien Schwechat

Wie schwer, wie groß? Handgepäckregeln bleiben uneinheitlich

Was hineindarf, ist genau reglementiert. Wie groß und schwer das Handgepäck sein darf, und wie viel man davon mitnehmen darf – das hängt von der jeweiligen Fluglinie ab. Ein kleinster gemeinsamer Nenner für ein universell einsetzbares Handgepäckstück ist nicht auszumachen. Mit einer Vereinheitlichung ist nicht zu rechnen.

Fliegen

"Ich bin von Rejkavik über London nach Wien geflogen, und der Flug von Reykjavik nach London war mit Icelandair, die wesentlich großzügiger sind bei ihren Handgepäckbestimmungen als Easyjet, mit denen ich dann von London nach Wien flog. Ich wurde dann am Gate angehalten meinen Rucksack einzuchecken, weil ich noch eine kleine Damenhandtasche dabei hatte." Das passiert selbst Fachleuten - Maria Renner ist Reiseexpertin bei der ÖAMTC-Touristik. Easyjet kennt bei seiner Ein-Handgepäckstück-pro-Person-Regel kein Pardon. Einmal Rucksack einchecken, das macht 50 Euro, zahlbar sofort und per Kreditkarte.

"Ich glaube, dass gerade Billigairlines diese Geschäftspraktik jetzt wählen, weil es für sie ein zusätzliches Körbergeld bedeutet", vermutet Maria Renner. Hätte sie das nicht vorher wissen können? Naja, eigentlich schon, sagt sie, in den Beförderungsbedingungen der Airlines seien die Handgepäckbestimmungen schließlich nachzulesen. Wenn eine Reise aus mehreren Teilflügen besteht, müsse man sich eben die Bedingungen aller beteiligten Airlines durchlesen.

Handgepäckbestimungen: Frohe Suche!

Nur: der Weg dorthin ist nicht immer einfach, wie ein Praxistest zeigt. Auf manchen Websites ist der Link zu allen Gepäckfragen prominent platziert, bei anderen muss ein wenig danach gesucht werden, wieder andere verstecken die Beförderungsbedingungen irgendwo in einem Submenü, Englischkenntnisse sind generell von Vorteil.

Handgepäckbestimmungen: Zehn Airlines im Vergleich

  • Austrian Airlines: 55cmx40cmx23cm, 8 kg
  • British Airways: 56cmx45cmx25cm, 23 kg
  • American Airlines: Summe der Außenmaße höchstens 114 cm (Maximalmaße: 56cmx35cmx23cm), keine Gewichtsangabe
  • Lufthansa: 55cmx40cmx23cm, 8 kg
  • Easyjet: 56cmx45cmx25cm, keine Gewichtsangabe
  • Air France: 55cmx35cmx25cm, 12 kg
  • Iberia: 56cmx45cmx25cm, keine Gewichtsangabe
  • Condor: 55cmx40cmx20cm, 6kg plus Handtasche
  • Alitalia: 20cmx40cmx55cm, 7kg
  • Air Berlin: 55cmx40cmx20cm, 8 kg

Die Suche bringt gelegentlich auch Merkwürdiges ans Licht. So gehört es bei der Billiglinie Easyjet offenbar zu den vier häufigst gestellten Fragen, ob und wie ein Brautkleid ins Handgepäck darf und wie viele Druckerpatronen mitgenommen werden dürfen (Antwort: Nicht mehr als 500 Gramm). "So einen ähnlichen Fall gibt es auch bei Air Lingus", erinnert sich Maria Renner. "Die haben auch unter ihren FAQ einen Punkt zum Thema Hochzeitskleid und Hochzeittorte. Ich weiß zwar nicht, wer mit einer Hochzeitstorte im Handgepäck fliegt, aber es scheint dort oft nachgefragt zu werden."

Brautkleid, Hochzeitstorte und Druckerpatronen

Was der Vergleich der Gepäckbestimmungen nicht ergab, war ein brauchbares Mittelmaß für ein universell passendes Handgepäckstück. Das zulässige Höchstgewicht liegt je nach Fluglinie zwischen fünf und 23 Kilo, die maximalen Ausmaße der Koffer und Rucksäcke schwanken zwar weniger stark, aber dennoch deutlich. Manchmal zählen Laptop, Handtasche und Regenschirm ausdrücklich nicht zum Handgepäck, manchmal ausdrücklich schon, und manchmal werden sie gar nicht erwähnt. Als wäre das nicht genug, setzen manche Airlines unterschiedliche Limits für verschiedene Economy-Tarife.

"Es gibt derzeit keine einheitliche EU-weite Regelung für diese Handgepäcksbestimmung", sagt Barbara Forster, Juristin am Europäischen Verbraucherzentrum mit dem Spezialgebiet Reisen. "Aber natürlich wird diese Forderung immer wieder im EU-Parlament laut, denn für Passagiere, ganz egal ob sie beruflich oder privat fliegen, wäre das natürlich eine Erleichterung."

Keine einheitliche Regelung in Sicht

In einem aktuellen Vorschlag der EU-Kommission zu dem Thema ist von einer Vereinheitlichung der Handgepäcksbestimmungen keine Rede, im Gegenteil. Luftfahrtunternehmen könnten aufgrund ihrer unternehmerischen Freiheit die Regeln frei gestalten, heißt es da. Allerdings müssten sie bei Buchung und Check-In eindeutig darüber aufklären, fordert die Kommission. Das ist bis jetzt oft nicht der Fall, besonders wenn über Reiseportale, und nicht bei den Fluglinien selbst gebucht wird.

Das Interesse an einer einheitlichen Regelung scheint überschaubar. Die Sparte Luftfahrt in der Wirtschaftskammer Österreich teilt die Ansicht der Kommission: Keine Regelung, mehr Aufklärung.
Wäre eine Regulierung denn überhaupt sinnvoll? Vielleicht auf Kurzstrecken, sagt Barbara Forster vom Europäischen Verbraucherzentrum, das Problem wird sich durch eine EU-Vorschrift allerdings nicht aus der Welt schaffen lassen: "Sobald ich Flüge unternehme, die aus der EU führen, am Bestimmungsort dann vielleicht mit einem Inlandsflug mit einer nationalen Airline fliege, dann habe ich wieder ganz andere Bestimmungen."

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03.08.2013