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 Mann steht vor Flachbildfernsehern

Kreditversicherung wider Willen

Die Elektrokette Saturn wirbt immer wieder mit Null-Prozentfinanzierungen. Das heißt, die Kunden können den heißersehnten Fernseher oder Computer auf Raten kaufen, und ohne Zinsen oder Bearbeitungsgebühr abbezahlen. Viele Kunden schließen mit dem Ratenzahlungsvertrag jedoch unbewusst eine Kreditrestschuldversicherung ab. Von einer Nullprozentfinanzierung kann dann keine Rede mehr sein.

Geld

Ein Fernseher um 499 Euro. Keine Ausgabe, die jeder sofort aus dem Ärmel schütteln kann. Bei Saturn entdeckt Frau P. Anfang Juni 2012 ein verlockendes Angebot. Demnach könne sie den Fernseher in Raten zins- und provisionsfrei zahlen.

Verlockendes Angebot mit Haken

Frau P. will zuschlagen. Nach einer ausführlichen Bonitätsprüfung bekommt sie den Kaufvertrag vorgelegt. Kreditgeber ist die Santander Consumer Bank. Weil die Rate höher ist, als sie sich ausgerechnet hatte, wird die Konsumentin skeptisch. Erst jetzt merkt sie, dass eine Kreditrestschuldversicherung miteingerechnet wurde. "13 Euro 86 wäre die Rate gewesen. Schlussendlich habe ich den Vertrag dann auf knapp 15 Euro pro Monat unterschrieben", erinnert sich Frau P.

Keine Aufklärung

Dass sie eine Versicherung mitbezahlt,
habe ihr niemand im Vorhinein gesagt, ärgert sich Frau P. über die "unmögliche Gangart". "Würde das den Leuten vorher gesagt werden, würden nicht so viele dieses Angebot wahrnehmen." Auf die zusätzlichen Kosten angesprochen, habe ihr die Verkäuferin nichts sagen können. Ihre Multimedia-Fachberater würden von der Santander Consumer Bank speziell zum Thema Finanzierung geschult, entgegnet Saturn in einer Stellungnahme. In den Gesprächen würden die Kunden auf die Möglichkeit der Restschuldversicherung hingewiesen werde.

Santander: "Versicherung optional"

Die Leistung sei freiwillig und nicht Voraussetzung für eine Finanzierung, heißt es in einer Stellungnahme von Santander. Der Kunde entscheide also selbst. Im Kleingedruckten heißt es: "Der Abschluss einer Kreditrestschuldversicherung oder anderer Nebenleistungen ist freiwillig und nicht Voraussetzung dafür, dass der Rahmenkredit überhaupt oder zu den vorgesehenen Vertragsbedingungen gewährt wird."

Zustimmung nicht transparent

In ihrem Kaufvertrag habe es keine Möglichkeit gegeben die Versicherung extra anzukreuzen und damit dem Kauf der Versicherung zuzustimmen, berichtet Frau P. Durch die höhere Rate sei sie zwar auf die Versicherung aufmerksam geworden. Dass sie sie nicht abschließen muss, habe ihr die Beraterin aber nicht gesagt. Kann man hier noch von Freiwilligkeit sprechen? Christian Prantner, Konsumentenschützer bei der Arbeiterkammer Wien ist skeptisch: "Wenn eine kreditgebende Bank den Abschluss einer Kreditversicherung verlangt, ist das Verbraucherkreditgesetz eindeutig. Dann müssen die Kosten für die Versicherungsprämie in den effektiven Zinssatz eingerechnet werde. Die Null-Prozentfinanzierung zerbröselt."

Santander sieht das naturgemäß anders. Auch die Bank beruft sich auf das Verbraucherkreditgesetz. Der Abschluss einer Versicherung habe keinerlei Auswirkungen auf das Zustandekommen der Finanzierung. Deshalb müssten die Versicherungskosten auch nicht in den Effektivzinssatz eingerechnet werden.

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23.03.2013