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Aufkleber: "Flugblattverzichter - Bis Ende 2014"

Werbeverzichtskleber nur noch "befristet"

Wer keine unadressierte Werbung wünscht, kann dies mit einem entsprechenden Aufkleber auf dem Postkasten kundtun. Die Kleber haben allerdings mit der Bezeichnung "Flugblattverzichter" nicht nur einen neuen Namen, sie sind neuerdings auch befristet, das heißt, sie verlieren nach einiger Zeit ihre Gültigkeit, und wer dann weiter von unerwünschter Papierflut verschont werden möchte, muss sich einen neuen Aufkleber besorgen.

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Seitens der Wirtschaft spricht man von einer "kundenfreundlichen Lösung“. Wer das nicht so sieht, muss sich seinen "Flugblattverzichter" künftig wohl selber gestalten.

"Bis Ende 2014"

Wer ein Pickerl für seinen Briefkasten möchte, mit dem er unadressierte Werbung für unerwünscht erklärt, bekommt neuerdings Kleber mit dem Text: "Flugblattverzichter – Bis Ende 2014".

In einem Begleitschreiben wird man darauf hingewiesen, "dass Sie mit dem Kleber zwar unerwünschte Sendungen vermeiden, andererseits aber auch die Zustellung von potentiell interessanten und für Sie wertvollen Informationen, wie zum Beispiel Gutscheine oder Warenproben verhindern".

Um "Wildwuchs zu vermeiden"

Außerdem würden "viele Empfänger" überlegen, den bereits angebrachten Verzichtskleber wieder von den Brieffächern zu entfernen, heißt es weiter: "Es gibt immer mehr Postkästen, auf denen unerwünschte, vom Vormieter/Vorbesitzer angebrachte Aufkleber haften, welche oft nur sehr schwer oder unvollständig entfernt werden können. Um den Wildwuchs an Verzichtsklebern zu vermeiden und dem tatsächlichen Bedarf des jeweiligen Brieffachbesitzers Rechnung tragen zu können, werden daher ab sofort Aufkleber mit begrenzter Gültigkeit versendet."

Der neue Kleber sei bis Ende 2014 gültig und wird danach von den Brieffächern entfernt. Anschließend habe man natürlich die Möglichkeit, einen neuen Aufkleber zu bestellen, heißt es schließlich.

Um also den "Wildwuchs" an Verzichtsklebern zu vermeiden, wurden neue Kleber geschaffen, und wer nicht rechtzeitig "nachbestellt", muss mit zwischenzeitlicher unerwünschter Werbeflut rechnen. Das Ganze nennt sich dann "tatsächlicher Bedarf der Brieffachbesitzer".

Rechtlich vertretbar

Rechtlich ist gegen diese neue Idee der Werbemittelverteiler nichts einzuwenden, gilt doch das Berücksichtigen der Verzichtskleber als "freiwillige Selbstbeschränkungsmaßnahmen der österreichischen Werbewirtschaft".

Besitzstörungsklage möglich

Wer dennoch dauerhaft vor unerwünschter Werbung geschützt sein will, hat allerdings auch andere Möglichkeiten, erklärt help-Jurist Sebastian Schumacher: "Wenn jemand klar erkennbar signalisiert hat, dass er kein Werbematerial wünscht, dann darf auch keine unadressierte Werbung hinterlegt werden. Wer trotz dieses Hinweises mit unerwünschter Werbung belästigt wird, der kann sich dagegen wehren. Das ist sogar mit einer Besitzstörungsklage bei Gericht möglich."

Wichtig ist laut Schumacher, dass der entsprechende Hinweis eindeutig ist: "Es ist allerdings ohne Relevanz, ob dabei ein Aufkleber der Wirtschaftskammer verwendet wird. Natürlich kann man sich auch selber einen solchen Aufkleber basteln."

Eigenbau gilt unbefristet

Ob damit der "Wildwuchs" verhindert wird, sei dahingestellt, aber immerhin ist diese Reklameablehnung nicht befristet, betont der help-Jurist: "Jeder Hinweis, dass man keine Werbung wünscht, gilt grundsätzlich unbefristet. Man muss also die unbefristete Geltung nicht extra vermerken."

Vom zuständigen Fachverband Werbung und Marktkommunikation der Wirtschaftskammer Österreich hieß es auf eine help-Anfrage übrigens, man halte die neu erfundene Befristung der Werbeverzichtskleber für eine "kundenfreundliche Lösung". Immerhin wurde versichert, dass die alten – unbefristeten – Kleber weiterhin gelten und nicht ausgetauscht werden müssten.

Von der Post hieß es auf eine ORF-Anfrage aber auch, man könne ja bei den neuen Aufklebern einfach den Text "bis 2014" durchstreichen – dann wären auch die unbefristet gültig.

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31.03.2012