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Kinderarbeit in der Lederproduktion in Bangladesh. Blaues, nasses Leder wird zum Trocknen ausgespannt.

In Lederschuhen steckt Sklavenarbeit

Wer Schuhe aus Leder kauft, fördert damit Sklaverei und Tierquälerei. So drastisch fällt das Resümee einer Untersuchung europäischer Verbraucherschutzorganisationen (darunter der VKI) aus, für die 16 prominente Hersteller von Markenschuhen unter die Lupe genommen wurden. Vor allem bei der Rohstoffgewinnung - auf Rinderfarmen, in Schlachthöfen und Gerbereien - herrschen Zustände, die an den Feudalismus erinnern.

Ethiktest

Moderne Sklavenhaltung geht so: Mit dem Versprechen hoher Löhne werden Arbeiter auf entlegene Rinderfarmen gelockt, zum Beispiel mitten im brasilianischen Regenwald. Dort sie sind von der Außenwelt völlig abgeschnitten, schuften ab dem ersten Tag, doch der Lohn bleibt aus. Wer nachfragt, wird misshandelt, bekommt weder zu essen noch zu trinken oder wird tagelang an einen Baum gefesselt.

Eine Flucht ist meist unmöglich, sagt Peter Platzek, Redakteur der VKI-Zeitschrift "Konsument": "Wenn jemand eine Zahnbürste braucht, oder eine Seife, oder ein Stück Brot, dann muss er das vom Sklavenhalter kaufen, es gibt keine andere Möglichkeit. Die können sich also gar nichts ersparen für die schwere Arbeit, sondern müssen immer weiter arbeiten, weiter arbeiten, weil die Schulden immer größer werden."

"Es gibt keine Nachverfolgbarkeit"

Aus dem Leder, das mit Sklavenarbeit produziert wurde, fertigen westliche Bekleidungskonzerne Schuhe. Und zwar nicht bloß billige Diskontware, wie man annehmen könnte, sondern ebenso gut Markenprodukte, zum Beispiel von Birkenstock, Tod’s, Geox oder Kickers. Die genannten Unternehmen gehören zu den 16 Herstellern, die von europäischen Verbraucherschutzorganisationen, darunter der VKI, einem Ethiktest unterzogen wurden. Kein einziges Unternehmen kann mit Sicherheit sagen, woher das Leder stammt aus dem seine Schuhe sind, oder unter welchen Bedingungen es produziert wurde.

"Es gibt keine Nachverfolgbarkeit, auch nicht für die großen Hersteller. Wobei man sie auch nicht aus der Schuld entlassen sollte: Es wäre an ihnen, dass sie Auflagen erteilen, und dass sie sich zusammentun und sagen, wir kaufen ab jetzt nur mehr Leder von zertifizierter Stelle", so Peter Platzek.

Geschundene Menschen, gequälte Tiere

Der Ledermarkt ist undurchsichtig: Ein dänische Organisation besichtigte im Auftrag der europäischen Verbraucherschützer Farmen, Schlachthöfe und Gerbereien in Brasilien und in Indien, doch bis auf eine Ausnahme konnten die Ergebnisse nicht eindeutig einer Schuhmarke zugeordnet werden. Die Prüfer fanden nicht nur katastrophale Arbeitsbedingungen, sondern auch Tierhaltungsmethoden, die nur noch als Quälerei beschrieben werden können, sagt Konsument-Redakteur Platzek: "Eine artgerechte Tierhaltung kann kein Hersteller, auch der beste nicht, gewährleisten."

Als noch bester Hersteller schnitt im Ethiktest Timberland ab. Und das kurioserweise obwohl er den Fragebogen der Verbraucherschützer nicht retournierte. Üblicherweise ist das ein Anlass für die schlechteste Bewertung, aber Timberland stellt auf seiner Homepage detaillierte und vor allem glaubwürdige Informationen über verwendete Materialien und Produktionsbedingungen in seinen Schuhfabriken zu Verfügung, verteilt selbst Öko-Noten an seine Schuhe und schreckt auch nicht davor zurück, ein eigenes Produkt diesbezüglich schlecht zu bewerten. Diese vorbildliche Transparenz hört jedoch mit dem Endprodukt auf, Informationen zur Herkunft und Produktion des Leders sind dürftig. Bei anderen Herstellern fehlen sie völlig.

24.03.2012