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Jemand steckt einen 100-Euro-Schein in ein Sparschwein

Test: Private Zusatzpensionen wenig sinnvoll

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat in einer großangelegten Untersuchung private Pensionsversicherungs- und Vorsorgemodelle getestet. Das Ergebnis war ernüchternd: Die privaten Zusatzpensionen basieren vorwiegend auf unflexiblen, undurchsichtigen, kostenintensiven Lebensversicherungen und decken aus heutiger Sicht nicht einmal den Kaufkraftschwund ab.

VKI

Durchgeführt wurde die Untersuchung des VKI im Auftrag der Arbeiterkammern Tirol und Wien. Getestet wurden alle für die Pensionsvorsorge relevanten "Fertigprodukte" von Banken und Versicherern: Er- und Ablebensversicherungen, Rentenversicherungen, fondsgebundene Lebensversicherungen und die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge. Neben der Transparenz der Angebote und Polizzen lag das Hauptaugenmerk der Tester auf den garantierten Renditen, insbesondere den Nettorenditen, also dem Ertrag, der nach Abzug von Steuern und Kosten tatsächlich übrig bleibt und auch garantiert ausgezahlt wird.

Wenig ertragreich

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Die Testergebnisse im Detail gibt es in der März-Ausgabe des Konsument-Magazins oder unter konsument.at.

Laut VKI sind die Zusatzpensionen nur für die privaten Anbieter ein Geschäft. Die garantierten Renditen würden so gut wie nie an der 1-Prozent-Marke streifen und lägen in vielen Fällen sogar im Minusbereich. Ein Grund dafür sei einerseits die schwierige Situation auf den Kapitalmärkten, andererseits auch die aufgeblähten Strukturen der Angebote und die hohen Kosten für solche Produkte. In Anbetracht der tatsächlichen Erträge rät der VKI deshalb davon ab, sich auf ein privates vorgefertigtes Pensions- oder Anlageprodukt zu verlassen.

VKI-Testergebnisse

  • Die überwiegende Mehrzahl der Vorsorgeprodukte basiert auf Lebensversicherungen, die aufgrund mangelnder Flexibilität, hoher Kosten und geringer Transparenz nicht mehr den Anforderungen der Anleger entsprechen.
  • Angaben über die Gesamtkosten fehlten weitgehend. Zinssätze alleine sagen zu wenig aus oder verwirren sogar, und die Beratung glich in vielen Fällen eher einem Verkaufsgespräch ohne tiefergehender Betreuung. Bedarfsanalysen fanden so gut wie nicht statt, nach bereits vorhandener Vorsorge wurde oft nicht gefragt, und Produktwünsche der Testpersonen wurden übergangen.
  • Aus heutiger Sicht wird die Garantieverzinsung oder die staatliche Förderung bei privaten Vorsorgeprodukten von den Kosten aufgefressen, die prognostizierten Renditeerwartungen werden kaum eingehalten. So wird oft nicht einmal die Inflation abgedeckt.
  • Als Alternative kann man entweder auf eigene Faust vorwiegend sichere Anlageprodukte wie Kapitalsparbücher, Bundesschätze oder lang laufende Anleihen wählen oder in der staatlichen Pensionsversicherung höher versichern. Dort liegen die Renditen höher als bei privaten Anbietern, und der Ein- und Ausstieg ist jederzeit möglich.

Gesetzliche Einsparungen

Mit dem kürzlich präsentierten Sparpaket wird die Förderung der prämiengeförderten Zukunftsvorsorge halbiert. Der VKI prüft derzeit, ob Kunden Verträge deshalb kündigen können und regt an, dass Gesetzgeber und Anbieter diese Verschlechterung auch nutzen könnten, um Vorsorgeprodukte attraktiver zu gestalten.

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23.02.2012