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Neue Armaturen

Zu viel Blei in Küchenarmaturen

Kaum sind Meldungen von Blei in Kinderspielzeug, Schmuck oder Buntstiften verdaut, wird ein neuer Fundort bekanntgegeben: Küchenarmaturen. Der VKI hat nämlich bei der Untersuchung von 16 Wasserhähnen für die Küchenabwasch gleich in mehreren Fällen eine hohe Bleibelastung festgestellt. In einem Fall lag sie bei mehr als dem Fünffachen des gesetzlichen Grenzwertes. Und auch das teuerste getestete Produkt belastet das Trinkwasser mit hohen Blei- und Nickelmengen.

Schadstoffe

Mit diesem schlechten Ergebnis hätten sie nicht gerechnet, sagt VKI-Projektleiter Konrad Brunnhofer: "Wir haben bei der Armatur, die 227 Euro kostet, 150 Mikrogramm Blei gefunden." Ein Mikrogramm ist der millionste Teil eines Gramms, 150 Mikrogramm klingen nicht nach viel. "Das ist sehr, sehr viel, wenn man nämlich bedenkt, dass der Grenzwert 25 Mikrogramm pro Liter beträgt, und ab 2013 nur mehr 10 Mikrogramm."

Im teuersten Produkt: viel zu viel Blei ...

Und das ausgerechnet bei der teuersten Armatur im Test. Das Preisspektrum der 16 getesteten Wasserhähne war breit: das billigste Produkt kostet 9 Euro 99 Cent, die Tester des VKI stellten hier bei Blei eine "sehr geringe" Schadstoffabgabe fest, die bestmöglichste Bewertung.

Der Test verlief wie folgt: Die neuen Armaturen wurden mit destilliertem Wasser gespült, und dann ebenfalls mit destilliertem Wasser befüllt. Nach 24 Stunden wurde das Wasser auf gelöste Metalle untersucht. Cadmium, Chrom und Kupfer waren dabei kaum nachweisbar. In einer zweiten Stufe des Tests wurden die Armaturen gründlich gespült – und wieder schnitt die teuerste Armatur der Marka Hansa am schlechtesten ab, sagt Konrad Brunnhofer: "Nachdem wir diese Armatur dann in einem Praxistest mit 150 Liter gespült haben, fanden wir noch immer 85 Mikrogramm Blei in der Armatur."

... und viel zu viel Nickel.

Blei wird den Legierungen der Armaturen beigemengt, um sie besser bearbeiten zu können. Für den Kunden ist der Schadstoffgehalt beim Einkauf nicht ersichtlich, eine Kennzeichnung oder Warnhinweise existieren nicht, einzig Tests wie der des VKI können eine Orientierungshilfe sein.
Auch bei einem weiteren Metall wurden die Tester fündig:

"Beim Nickel fanden wir Werte von nicht nachweisbar bis 220 Mikrogramm. Der Grenzwert für Nickel beträgt 20 Mikrogramm pro Liter", kritisiert Brunnhofer. Auch bei der Nickelbelastung schnitt die teuerste Armatur mit einer "sehr hohen" Belastung schlecht ab, und wiederum glänzte der billigste Wasserhahn: Das Produkt des schwedischen Möbelhauses IKEA war lediglich "sehr gering" belastet.

Vor dem Trinken abrinnen lassen

Der Preis ist demnach kein Anhaltspunkt, und andere Hinweise auf eine mögliche Schadstoffbelastung existieren nicht. Was also tun? Wichtig ist, dass kein Stagnationswasser, das ist Wasser, das längere Zeit in der Armatur stand, getrunken wird, sagt Konrad Brunnhofer: "Das heißt in der Früh sollte man das Wasser entsprechend lang rinnen lassen, bis es wirklich gleichmäßig kalt ist." Das sei keine Verschwendung, sondern notwendig. Wer hier spart, tue dies am falschen Ende. Wasser lasse sich sinnvoller sparen, indem beispielsweise geduscht statt gebadet wird, so Brunnhofer.

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19.08.2011