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Digicam-Trends: GPS und Retrogeräte

Zur ersten Ausgabe der neuen japanischen Fotomesse CP+, die am Mittwoch in Yokohama eröffnet wurde, haben die großen Fotokonzerne ihre Neuigkeiten für die Sommersaison 2011 vorgestellt. Nikon präsentierte am Mittwoch nicht nur neue Geräte, sondern auch aktuelle Zahlen zum Digitalkameramarkt in Österreich.

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Auch 2010 ist der Markt für Digitalkameras in Österreich gewachsen. Laut Zahlen des Marktforschers GfK konnten die Hersteller im vergangenen Jahr 0,25 Prozent mehr Kameras absetzen - insgesamt 729.830 Geräte. Der Wert des heimischen Gesamtmarkts nahm um 1,43 Prozent auf 182,3 Millionen Euro zu. "Der Markt für Kompaktkameras mit fest eingebautem Objektiv ist gesättigt und wir erwarten, dass er im kommenden Jahr schrumpfen wird", so Wolfgang Lutzky, Chef von Nikon Österreich. Von den verkauften Stückzahlen her konnte der Konzern im letzten Jahr seinen ersten Platz auf dem heimischen Markt halten: Mit 152.011 Stück kam er auf 20,83 Prozent.

Während schon 2010 um 0,59 Prozent weniger Kompakt-Digicams verkauft wurden, konnte die Kategorie der Kameras mit Wechselobjektiven um 6,10 Prozent auf 97.010 Geräte zulegen. Zu dieser Kategorie gehören nicht nur die digitalen Spiegelreflexkameras (DSLRs), sondern auch die vergleichsweise junge Geräteklasse der Systemkameras wie Micro Four Thirds (MFT) von Olympus und Panasonic sowie Sonys Nex.

Systemkameras legen zu

Diese ist in Österreich von den Stückzahlen her mit zuletzt rund einem Prozent Anteil auf dem Gesamtmarkt noch relativ unbedeutend, unter den Kameras mit Wechselobjektiven konnten sie ihre Verkaufszahlen im Lauf des letzten Jahres aber auf rund zehn Prozent verdreifachen. "In Japan und Großbritannien machen die Systemkameras bereits ein Drittel der verkauften Kameras aus", so Lutzky, "wir sehen hier noch ein starkes Steigerungspotenzial."

Auf die naheliegende Frage hin, wann sich Nikon in diesem Bereich engagieren werde, verwies Lutzky auf die nächste Präsentation der Konzerngeschäftszahlen im März, das Nikon-Topmanagement könnte zu dieser Gelegenheit seine Pläne erläutern. Die Gefahr, dass die Klasse der kleinen Digicams durch die eingebauten Kameras in Mobiltelefonen verdrängt werden könnte, sieht Lutzky übrigens nicht, die Konsumenten würden sich vielmehr zusätzlich zum Handy eine Kamera als Lifestylegerät anschaffen.

Ladegerät mit USB-Anschluss

Nikon nutzte die Gelegenheit, eine große Zahl neuer Kompakt- und Superzoomkameras vorzustellen. Keines der neuen Geräte hat ein eingebautes GPS-Modul. Nikons Hardware-Experte Otto Gugler wies auf eine Neuerung bei der Stromversorgung hin: Anstatt eines beigelegten Ladegeräts würden die mit Lithium-Ionen-Akkus ausgelieferten Geräte künftig mit USB-Ladekabeln und entsprechenden Netzteilen ausgestattet.

Die Akkus lassen sich dann in der Kamera auch über den PC aufladen, damit lässt sich auf Reisen ein Ladegerät sparen. Andererseits konnte man bei der alten Lösung einen Ersatzakku im Hotelzimmer aufladen, während man mit der Kamera unterwegs war. Nun muss man dafür zum Zweitakku auch ein separat erhältliches Ladegerät erwerben. Nikon bietet allerdings auch Modelle an, die mit AA-Batterien laufen.

Nikon P300
Oberklasse-Kompaktkamera: Nikon P300 mit lichtstarker Optik

Das technisch Interessanteste unter den neuen Geräten ist die Coolpix P300, die als Nikons Antwort auf anspruchsvolle Kompaktkameras wie die Canon S95 oder die neue Olympus XZ-1 gesehen werden kann. Sie ist mit ihrem hintergrundbeleuchteten Zwölf-Megapixel-Sensor und ihrem Zoomobjektiv (24-100mm KB-äquivalent) mit der Anfangslichtstärke 1:1,8 auch für den Einsatz unter schlechten Lichtbedingungen gut gerüstet. Das kompakte Gehäuse verfügt sogar über zwei Einstellräder, über die sich die Belichtungsparameter der üblichen Automatikmodi sehr bequem einstellen lassen. Gegenüber den oben genannten Kameras der Konkurrenz muss der P300-Käufer allerdings auf den RAW-Modus verzichten - schade. Das Gerät soll im März zum Preis von 329 Euro auf den Markt kommen.

Digitalfotografie-Weltmarktführer Canon stellte am Montag nicht nur mit der PowerShot SX230 HS seine erste Kompaktkamera mit eingebautem GPS-Empfänger, sondern auch seine renovierten Einsteiger-DSLRs vor, die im April bzw. im März auf den Markt kommen sollen. In der Mittelklasse präsentierte der Konzern den Nachfolger der EOS 550, die EOS 600. Wie ihr Vorgänger ist diese um einen 18-Megapixel-Sensor herumgebaut, wichtigste Neuerung ist der ausschwenkbare Monitor, der sehr hilfreich sein kann, wenn man den Echtzeitvorschaumodus (Live View) oder den Videomodus nutzt. Das Gehäuse allein kostet rund 750 Euro.

Canon EOS 600D
Nach der EOS 60D ist die 600D die zweite Canon-DSLR mit schwenkbarem Monitor.

Die EOS 1100D bietet einen Zwölf-Megapixel CMOS-Sensor, Live View und einen Videomodus (720p). Der AF mit neun Punkten ist für Canon-Verhältnisse zwar eher einfach, dafür hat der Hersteller dem Gerät das Belichtungsmesssystem aus der EOS 7D und Unterstützung für drahtlosen Dateitransfer via Eye-Fi-Karte spendiert. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit beträgt drei JPEG-Bilder in Standardauflösung pro Sekunde. Leider fehlt dem Gerät der aktive Staubschutzmechanismus der größeren EOS-Modelle, mit dem störender Schmutz vom Sensor geschüttelt werden kann. Rund 550 Euro will Canon für sein neues Einsteigermodell inklusive Kit-Optik EF-S 18-55mm 1:3,5-5,6 IS II haben.

Damit sollte der Straßenpreis für das Gerät in der Liga der Systemkameras liegen. Während Canon und Nikon nach wie vor den Markt für Spiegelreflexkameras beherrschen, punkten das MFT-System von Olympus und Panasonic sowie Sonys Nex-System mit großen Sensoren in sehr kompakten Gehäusen, an denen sich zudem über Adapter auch eine breite Auswahl an alten Objektiven betreiben lassen. Sony hat im Vorfeld der CP+ bekanntgegeben, ab Anfang April die "grundlegenden Spezifikationen" seines E-Objektivanschlusses kostenlos an interessierte Dritthersteller abgeben zu wollen.

Kampf der Systeme

Die wichtigen Objektivhersteller Carl Zeiss - ohnehin eng mit Sony verbunden - Cosina (Voigtländer), Sigma und Tamron begrüßten den Schritt. Nex-Objektive mit Zeiss-Label hat Sony bereits auf der Photokina angekündigt. Wenn Cosina, Sigma und Tamron schnell ins Geschäft mit Nex-Objektiven einsteigen, dann könnte das größte Manko des jungen Sony-Systems behoben werden, denn bisher gibt es dafür nur drei Optiken mit Autofocus.

Ob das Autofocus-Protokoll mit zu den "grundlegenden Spezifikationen" zählt, die Sony kostenlos weitergeben will, gab der Konzern leider nicht bekannt. So ist Cosina 2010 zwar der gegnerischen MFT-Allianz von Olympus und Panasonic beigetreten und hat mit dem 25mm 1:0,95 eine sehr interessante Optik vorgelegt - die der Nutzer allerdings nur manuell scharfstellen kann. MFT hat wiederum zur CP+ angekündigt, dass Schneider Kreuznach der Allianz beigetreten ist, von Zeiss sollen Optiken kommen, die für den HD-Videobetrieb optimiert sind.

Retro mit Adapter

Sowohl an MFT- als auch an Nex-Kameras lassen sich mittlerweile über Adapter auch viele alte Objektive anschließen, die sich freilich nur manuell scharfstellen lassen. Mit den Vergrößerungsfunktionen der Monitore und elektronischen Sucher der beiden Systeme ist das aber recht einfach möglich. Das Nex-System hat aufgrund des kleineren Formatfaktors hier allerdings einen kleinen Vorteil. Die Kleinbild-Brennweite muss an den Sony-Kameras nur mit 1,5 multipliziert werden, um die äquivalente Bildwirkung zu errechnen, an den MFT-Geräten aufgrund des kleineren Sensors aber mit dem Faktor 2. Während ein altes Objektiv mit einer Brennweite von 35mm an der Nex noch als Normaloptik durchgeht, wirkt es an der MFT-Kamera wie ein leichtes Porträt-Tele.

Die Anpassung der alten Optiken an die beiden modernen Systeme ist deshalb viel einfacher als bei DSLRs, weil der Abstand zwischen Sensor und Objektivanschluss bei ihnen sehr gering ist - und damit mit simplen Adapterringen auf das originale Auflagemaß des anzupassenden Objektivs gebracht werden kann. Die alten Objektive müssen dazu auch nicht verändert werden, es genügt, sie auf den Adapter aufzuschrauben. Die einschlägigen Onlinehändler bieten für zahlreiche Systeme solche Adapter an.

Fujifilm Finepix X100
Nur äußerlich retro: Fujifilm Finepix X100

In der Liga der Systemkameras spielt auch die Finepix X100 von Fujifilm. Das bereits zur Photokina 2010 vorgestellte Gerät kommt zwar im klassischen Design einer 60er-Jahre-Sucherkamera daher, bietet aber einen großen Zwölf-Megapixel-Sensor im APS-C-Format und einen neuartigen Sucher, bei dem - auf Wunsch des Fotografen zuschaltbar - wichtige Belichtungsparameter und andere Informationselemente über einen Minimonitor in den optischen Sucher eingespiegelt werden können. Die Kamera soll nun, laut Ankündigung zur CP+, Anfang April auf den europäischen Markt kommen, zu einem Preis von 999 Euro. Anders als bei MFT- oder Nex-Geräten lässt sich die Optik, die einen Bildwinkel äquivalent zu einem 35mm-Objektiv auf Kleinbild bietet, allerdings nicht wechseln.

Auch bei Pentax setzt man auf den Retrofaktor, so soll es vom derzeitigen DSLR-Flaggschiff K5 ab März ein Sondermodell im traditionellen Silber/Schwarz-Farbschema mit drei passenden silbernen Festbrennweiten geben. An den Leistungsdaten der Geräte hat der Hersteller nichts geändert, lediglich die Preise liegen etwas höher, so kostet das Gehäuse rund 1.500 Euro. Der Trend, Kompaktkameras mit GPS-Empfängern auszustatten, ist auch an Pentax nicht vorbeigegangen, die Outdoor-Kamera WG-1 ist auch in einer Geolocation-Variante zu haben - außerdem ist sie bis zehn Meter Tauchtiefe wasserfest und soll auch bei minus zehn Grad Celsius noch anstandslos funktionieren.

Die Riege kompakter Kameras mit großem Sensor wird zur CP+ auch von Sigma verstärkt, die das neueste Modell der DP-Serie vorgestellt haben. Die DP2x verfügt, wie seine Vorgänger, über einen Sensor mit Foveon-Technologie, der in jedem "Pixel" das Licht in drei übereinanderliegenden Schichten (RGB) aufnimmt. Das fest eingebaute Objektiv hat eine Brennweite von 41mm (KB-Äquivalent) bei einer Lichtstärke von 1:2,8. Laut Sigma wurde auch der Autofocus schneller gemacht - der langsame AF war ein wiederkehrender Kritikpunkt an den Vorgängermodellen.

Günter Hack, ORF.at

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09.02.2011