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Apple iPad und MacBook Air

MacBook Air: IPad mit Tastatur

Die Zeiten, in denen Apple vornehmlich als Computerfirma wahrgenommen wurde, sind lange vorbei. Um dem entgegenzusteuern, hat Apple-Chef Steve Jobs nun das Motto "Back to the Mac" ausgegeben. Die Erfahrungen aus der Entwicklung von iPhone und iPad sollen verstärkt in die Gestaltung neuer Macintosh-Modelle fließen. Das erste Modell der neuen Mac-Generation ist das erneuerte MacBook Air. ORF.at hat sich das Gerät im Kurztest angesehen.

Rechner

Getestet wurde ein MacBook Air mit 13,6-Zoll-Bildschirm, 1,86 Ghz Core2Duo-CPU, 256 GB SSD-Massenspeicher und zwei GB RAM unter Mac OS X 10.6.4. Das Gerät kostet in dieser Konfiguration 1.599 Euro.

Die Verpackung des MacBook Air ist schlicht, nach Abheben des Kartondeckels sieht der Käufer bereits den silbern glänzenden Rechner in einer schwarzen Plastikschale vor sich liegen. Außer dem Computer befinden sich noch ein angenehm kompaktes Ladegerät mit Apples bekanntem Magnetanschluss sowie ein Päckchen von der Größe einer CD-Verpackung in der Schachtel. Das Päckchen enthält eine Kurzanleitung zur Inbetriebnahme des Rechners sowie - eine Neuheit bei Apple - einen USB-Stick, auf dem sich Sicherheitskopien des Betriebssystems sowie des vorinstallierten Unterhaltungsprogrammpakets iLife 11 befinden.

Auf der Verpackung des USB-Sticks steht auch eine Kurzanleitung, wie man davon notfalls booten und den Hardware-Test starten kann. Anders als bei anderen Herstellern muss der Nutzer also nicht erst einen Satz von Back-up-Datenträgern brennen, bevor er den Rechner in Betrieb nehmen kann. Betriebssystem und iLife 11 nehmen zusammen etwa zwölf GB Speicher auf der internen SSD in Anspruch. Das ist vor allem beim Kauf der kleineren Air-Modelle zu berücksichtigen - das günstigste Modell hat lediglich 64 GB Massenspeicher an Bord.

Besonders viel Auswahl an Hardware-Optionen hat der Interessent beim MacBook Air nicht. Für 90 Euro mehr kann er sich eine schnellere CPU mit 2,13 GHz einbauen lassen. Die kleinste und mit einem Kilo Gewicht auch leichteste Konfiguration des MacBook Air ist ein 11-Zoll-Gerät mit 1,4-GHz-CPU und 64 GB SSD.

Das in China hergestellte MacBook Air macht beim ersten Kontakt einen hochwertigen Eindruck. Sein Aluminium-Unibody-Gehäuse ist solide, der Deckel lässt sich mühelos öffnen, bleibt dann aber fest in der gewählten Position. Aufgrund der von Apple gewählten Aufhängung kann er allerdings nicht so weit nach hinten geneigt werden wie bei Modellen der Konkurrenz.

Der Bildschirm selbst hat eine glänzende Oberfläche, die mit einer Spezialbeschichtung entspiegelt wurde. Ganz eliminieren kann die Beschichtung störende Reflexionen leider nicht. Im Gegensatz um 15-Zoll-MacBook Pro lassen sich die beiden Air-Modelle auch nicht mit mattem Display bestellen. Dafür ist der Bildschirm sehr hell und die Auflösung von 1.440 x 900 Pixeln für die Klasse der Leichtrechner angenehm großzügig.

iPad und MacBook Air

Steuerung mit Gesten

Das Schreiben auf dem Air geht leicht von der Hand. Die Tastatur im Apple-üblichen "Chiclet"-Design ist gut verarbeitet und erlaubt zügiges Tippen im Zehnfingersystem ohne Geschwindigkeitseinbußen. Allenfalls die Return-Taste ist zu schmal ausgefallen. Auch auf zahlreiche vom PC her gewohnte Sondertasten wie "Entf" muss der Nutzer verzichten. So gut wie die Tastatur eines Lenovo X20x ist die des Air aber nicht, zur Exzellenz fehlt ihr das entscheidende Bisschen Hub.

Vier statt zwei GB Hauptspeicher kosten 90 Euro Aufpreis - mehr RAM passt nicht in die Air-Modelle. Das MacBook-Air-SuperDrive, ein im Design passendes optisches Laufwerk, das auch Double-Layer-DVDs abspielen und brennen, dafür aber mit Blu-ray-Datenträgern nichts anfangen kann, schlägt mit 79 Euro zu Buche, im Test hat das MacBook Air auch im Batteriebetrieb ein günstigeres externes Laufwerk des Herstellers LG klaglos akzeptiert.

Dafür finden die Handballen zumindest auf dem Air mit 13-Zoll-Bildschirm eine sehr bequeme Stütze. Das Trackpad mit Hardware-Klickoption ist groß genug, um die von iPhone und iPad gewohnte Gestensteuerung, beispielsweise den Pinzetten-Griff zum Aus- und Einzoomen in Bildschirminhalte, elegant ausführen zu können. Gut: Wenn beim Tippen der Handballen auf das Trackpad gerät, reagiert dieses nicht gleich, sondern erkennt, wenn der Nutzer mit seinen Fingern gezielt Eingaben tätigt. Wie bei Mobil-Macs üblich sind häufig verwendete Optionen wie jene zur Einstellung der Bildschirmhelligkeit und Lautstärke einfach über die Funktionstasten zu erreichen, und zwar ohne Fingergymnastik über irgendwelche Sondertasten.

Tastatur und Trackpad des MacBook Air

Wenige Schnittstellen

Die weiteren Schnittstellen des Geräts sind schnell aufgezählt. Links und rechts an der Gehäuseseite gibt es je einen USB-2-Anschluss. Das alte MacBook Air hatte nur eine USB-Buchse. Auf der linken Seite gesellen sich noch MagSafe-Stromanschluss und Standardkopfhörerbuchse (3,5-mm-Klinke) sowie ein winziges Mikrofon dazu - einen Audioeingang haben die beiden Air-Modelle nicht, dieser lässt sich über USB-Lösungen von Drittherstellern aber nachrüsten.

An der rechten Gehäuseseite sitzt der MiniDisplay-Port zum Anschluss externer Monitore. Einen Adapter auf DVI bzw. VGA lässt sich Apple mit jeweils 29 Euro extra bezahlen, von Drittanbietern gibt es auch Adapter auf HDMI-Monitore. Externe Bildschirme lassen sich, zusätzlich zur vollen Darstellung auf dem eingebauten Monitor, mit einer Auflösung von bis zu 2.560 x 1.600 Pixeln und 16,7 Millionen Farben ansteuern. Das 13-Zoll-Air hat rechts auch noch einen Schacht für SD(HC)-Karten, leider muss die 11-Zoll-Version ohne diese Option auskommen.

Einige Design-Merkmale aus der Vorgängerversion des MacBook Air fehlen den neuen Geräten. So gibt es keinen Empfänger für die Apple-Fernbedienung, auch die klassische Schlaf-LED, die bei geschlossenem Notebook-Deckel beruhigend im Alpha-Rhythmus pulsierend den Stand-by-Modus anzeigte, wurde eingespart. Dass die Anschlüsse nun nicht mehr unter dem Gerät in einer ausfahrbaren Klappe stecken, stellt hingegen eine Verbesserung dar, denn nun lassen sich auch größere Datenfunksticks mit Scharnier ohne Schwierigkeiten einstecken. Das ist auch deshalb wichtig, weil es merkwürdigerweise keine Air-Version mit internem 3G-Modem zu kaufen gibt. Die beiden Air-Varianten funken ab Werk nur mit Bluetooth 2.1 und WLAN gemäß 802.11/n.

Datenstick am MacBook Air

Kühler Rechner

Das neue Air hat von Apples iOS-Geräten einige wesentliche Tugenden geerbt. Diese sind es auch, die den Rechner letztlich interessant machen. Zunächst ist das Gerät vollkommen ruhig, und zwar auch unter längerer Belastung wie bei der Arbeit mit einem Lightroom-Katalog. Die CPU hat einen Lüfter, aber den hört der Nutzer nur dann ganz zart surren, wenn er mit dem Ohr sehr nah ans Gehäuse geht. Auch in stillen Räumen ist das MacBook Air nicht zu hören. Im Gegensatz zu anderen Apple-Maschinen wird es auch nicht heiß. Allenfalls ist unterhalb des Scharniers eine leichte Erwärmung zu spüren, mehr aber nicht.

Die Akkulaufzeit des 13-Zoll-Modells gibt Apple mit rund sieben Stunden im Mischbetrieb mit aktiviertem WLAN an. Das deckt sich mit den Beobachtungen im Test. Mangels Zeit konnten wir nicht prüfen, ob Jobs' Angabe stimmt, dass das System 30 Tage Stand-by-Zeit hat. Da das iPad einen ähnlichen Wert aufweist, klingt die Behauptung jedoch plausibel. Der Akku soll 1.000 Ladezyklen überstehen und rund fünf Jahre lang halten, er kann bei Problemen vom Nutzer nicht selbst ausgetauscht, sondern muss vom Apple-Service erneuert werden. Der Austausch der MacBook-Air-Akkus kostet derzeit 129 Euro, Arbeitskosten, Mehrwehrtsteuer und ein Jahr Herstellergarantie inklusive.

MacBook Air Software Reinstall Drive
Praktisch: USB-Stick mit Betriebssystem, iLife 11 und Diagnosesoftware

Das herausragende Merkmal des MacBook Air besteht im konsequenten Einsatz von Flash-Chips als Massenspeicher, im Gegensatz zum Vorgängermodell ist keine Konfiguration mit herkömmlicher Festplatte mehr erhältlich. Natürlich gab es auch schon vor den neuen Air-Modellen im Apple-Angebot und auch bei Herstellern wie Lenovo die Möglichkeit, mobile Rechner mit SSDs zu kaufen. Neu ist aber das Vordringen größerer SSDs in einigermaßen bezahlbare Preisregionen.

Jobs wies auf seiner letzten Präsentation darauf hin, dass sein Konzern mittlerweile weltweit die meisten Flash-Chips verbaut und die Technologie auch das für den Durchbruch auf dem Markt nötige Preisniveau erreicht haben dürfte.

Leistungsdaten

Mit Xbench 1.3 ermittelte Leistungsdaten des Testgeräts.

Flüssig arbeiten mit SSD

Laut Benchmark-Programm Xbench 1.3 schafft das Testgerät beim sequenziellen Schreibzugriff (256-k-Blöcke) ohne Cache 151 MB/s und beim Random-Lesezugriff 82 MB/s. Im Vergleich zu einem weißen MacBook mit 2-GHz-Core2Duo-Prozessor und Hitachi-Festplatte aus dem Jahr 2009 war das Air hier, je nach untersuchtem Wert, doppelt bis dreimal so schnell.

Mit dem schnellen Speicher kompensiert das MacBook Air seine für heutige Begriffe etwas langsame CPU. Wenn das System aus dem Schlafmodus aufwacht, ist es sofort einsatzbereit, auch wenn mehrere große Programmpakete wie LibreOffice 3.3.2 und Lightroom 3.2 gleichzeitig geöffnet sind. Beide Programme brauchten zum Start rund drei Sekunden, Lightroom musste dabei einen kleinen Katalog mit 621 Bildern laden.

Auf einem Lenovo ThinkPad X200 mit 2.0-GHz-Prozessor (Core2Duo; Intel-Onboard-Grafik) dauerte der Start von LibreOffice sieben Sekunden, der von Lightroom 3.2 (64 Bit) 15 Sekunden. Für das Rendern eines RAW-Bilds aus einer Sony A850 (ARW) mit einer Größe von 25,4 MB brauchte das Air je nach Komplexität des zu berechnenden Motivs rund zehn bis 14 Sekunden. Auf dem Lenovo muss der Nutzer 30 Sekunden warten, bis das System ein solches RAW-File fertiggerendert hat.

USB-Anschluss des MacBook Air

Fazit

Das MacBook Air ist, zumindest in der größeren Version, mehr als nur Apples Interpretation eines Nobel-Netbooks. Mit ihm lassen sich die meisten im Alltag anfallenden Aufgaben zügig bewältigen, auch Gestalter und Fotografen, die eine leichte Zweitmaschine suchen, können damit durchaus glücklich werden. Das Schreiben von Texten auf dem Air ist ein Vergnügen, da der Computer weder rackelt noch röchelt oder sonstwie vor sich hinventiliert, wenn sein Besitzer gerade ungestört denken möchte.

Vervollständigt wird das System allerdings erst mit der nächsten Version von Mac OS X, die im Sommer 2011 erscheinen soll. Mit Version 10.7 "Lion" werden sich die Anwendungen unter anderem nach ihrem Neustart merken, an welcher Stelle der Nutzer zuletzt gearbeitet hat. Auch die Verwendung optischer Datenträger wird durch Einführung des App Store für Mac-Software noch seltener nötig werden. Erst dann wird aus dem Leicht-Mac eine Art iPad mit Tastatur - ein Gerät, das aber im Alltag ungleich nützlicher ist als sein Tablet-Vorläufer.

Die härteste Konkurrenz für das MacBook Air ist im eigenen Haus das kleine MacBook Pro, das ab Werk mit doppelt so viel RAM, eingebautem optischen Laufwerk und schnellerem Hauptprozessor geliefert wird, mit zehn Stunden eine längere Akkulaufzeit aufweist und dabei auch noch günstiger ist. Stattet man es aber bei Apple selbst mit einer 256-GB-SSD aus, steigt der Basispreis schnell um satte 720 Euro auf 1869 Euro. Und eine 11-Zoll-Option, die nur ein Kilo wiegt, gibt es in der Pro-Serie erst gar nicht.

Für sich genommen ist das neue MacBook Air jedenfalls ein gut austarierter Computer, den man gern verwendet, weil er bei der Arbeit nicht im Weg steht. Ob der Leistungsmix des Air den absolut gesehen doch recht hohen Preis rechtfertigt, muss jeder Interessent nach Anwendungsgebiet selbst entscheiden - Konkurrenzgeräte mit SSD von Markenherstellern wie etwa das ThinkPad x301 von Lenovo sind auch nicht billiger.

Der eigentliche Wert des MacBook Air lässt sich schwer in technischen und finanziellen Daten ausdrücken. Er besteht im ruhigen und konzentrierten Arbeitsfluss, der durch die kluge und ausgewogene Kombination der eingesetzten Komponenten ermöglicht wird.

Günter Hack, ORF.at

25.10.2010