Hohe Kosten bei Partnerbörsenausstieg

Jeder vierte Österreicher sucht sein Liebesglück über Onlinepartnerbörsen. In Österreich buhlen 500 verschiedene Singlebörsen um Mitglieder, darunter auch ElitePartner. Bis zu 75 Euro kostet die Plattform monatlich. Wer von seinem 14-tägigen Widerrufsrecht Gebrauch macht, ist oft mit hohen Kosten konfrontiert.

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Ein Salzburger auf Partnersuche entschied sich die Dienste von ElitePartner auszuprobieren. Nach dem Ausfüllen eines Persönlichkeitstests war der Abschluss mit wenigen Klicks erledigt. Mit der recht eingeschränkten Gratisversion - sie zeigt keine Fotos und erlaubt auch keine Nachrichten - war der Mann aber nicht lange zufrieden. Also schloss er eine Premium-Mitgliedschaft ab. Sollte ihm die Plattform nicht zusagen, könnte er ja von seinem gesetzlichen Widerrufsrecht Gebrauch machen, war sich der Salzburger sicher.

Liebesschlösser auf einer Brücke
APA/dpa
Laut Umfragen nutzt inzwischen jeder vierte Single Online-Partnerbörsen

14 Tage haben Kunden bei Onlinegeschäften Zeit um vom Vertrag zurückzutreten. Der Salzburger hielt sich an die Frist und war umso überraschter, als ElitePartner ihm für die paar Tage Nutzungsdauer drei Viertel der Jahresgebühr in Rechnung stellte. 180 Euro sollte der Mann für eine Woche Nutzung der Plattform bezahlen.

AK Salzburg: „Überzogene Forderungen“

Zwar darf ElitePartner einen so genannten „Wertersatz“ für das Ausprobieren seines Dienstes verlangen. Drei Viertel des Jahrespreises für eine Nutzungsdauer von nur wenigen Tagen sind laut Konsumentenschützerin Bettina Pichler von der Arbeiterkammer Salzburg aber viel zu viel.

"Das ist natürlich weit überzogen. Wir von der Arbeiterkammer sind der Meinung, dass hier aliquot nach Tagen abgerechnet werden muss, so Pichler. Laut der AK-Expertin wird die Jahresabogbühr (240 Euro) dabei durch 365 geteilt und anschließend mit der Anzahl der Tage multipliziert, an denen der Dienst genutzt wurde.

Fünf Euro statt 180 Euro

Im Fall des Salzburger kommt man so auf knapp fünf Euro, statt der geforderten 180 Euro Wertersatz. ElitePartner begründet seine Verrechnungspraxis mit der so genannten Kontaktgarantie. Diese garantiert den Mitgliedern eines Jahresabos, dass innerhalb dieser Zeit zumindest sieben Kontakte mit anderen Singles zustande kommen. Ein nicht sehr hoch gestecktes Ziel für eine Partnerbörse mit nach eigenen Angaben 4,3 Millionen Registrierungen im deutschsprachigen Raum. Zumal schon ein Klick auf den „Like“-Button von ElitePartner als erfolgreicher Kontakt gezählt wird. Verbraucherschützer haben gegen diese Verrechnungspraxis geklagt.

Erstes Urteil liegt vor

„Zu diesem Sachverhalt liegt bereits ein erstinstanzliches Urteil des Handelsgerichts Wien vor“, so Pichler. Die Arbeiterkammer hatte gegen PE Digital GmbH geklagt und gewonnen. Der Konzern, der wiederum zu ProSiebenSat.1 Media SE gehört, betreibt die Plattformen Parship und ElitePartner.

Die Partnerbörse legte jedoch Berufung ein, daher ist das Urteil nicht rechtskräftig, sondern geht an die nächsthöhere Instanz. „Wir warten natürlich gespannt auf das Berufungsergebnis, sind uns aber sicher, dass und das Gericht auch hier Folge geben wird“, so Pichler. Betroffene müssen also noch ein wenig durchhalten, bis ElitePartners diesen hohen Wertersatz nicht mehr verlangen darf.

AK-Tipp: Nur aliquoten Wertersatz bezahlen

Bis ein höchstgerichtliches Urteil vorliegt, empfiehlt die AK-Salzburg-Expertin Betroffenen, die ihr Jahresabo nicht im voraus bezahlt haben: „Kunden sollen sich den aliquoten Wertersatz ihrer Nutzungstage bis zum Widerruf ausrechnen und diesen Betrag überweisen.“ Damit zeige man seine Bereitschaft durchaus Wertersatz zu leisten. „Nicht, dass es dann heißt, man sei nicht zahlungswillig gewesen,“ so Pichler.

Wer den Jahresbetrag im voraus bezahlt hat, sollte sein Geld minus angemessenem Wertersatz zurückfordern. Die Arbeiterkammer Salzburg berate Konsumenten dabei und unterstütze auch bei einer eventuellen Klagseinbringung und den Prozesskosten.

Beate Macura, help.ORF.at

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