Hühner-Nuggets im Test: Viel Panier, wenig Brust

Tiefgekühlte Hühner-Nuggets aus dem Supermarkt bestehen meist aus gepresstem Formfleisch und viel Panier, auch wenn die Werbung anderes erwarten lässt. Das ergab ein Test des Vereins für Konsumenteninformation (VKI). Auch in bekannten Marken findet sich Formfleisch statt Brust. Einige Ausnahmen gibt es aber.

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Tiefgekühlte Hühner-Nuggets aus dem Supermarkt gelten als rasche und unkomplizierte Mahlzeit. Vor allem Kinder lassen sich die goldgelben Happen gerne schmecken.

Nur zwei Produkte schnitten „gut“ ab

Der VKI testete zwölf Produkte aus dem Tiefkühlregal, die in österreichischen Supermärkten erhältlich sind. Nur zwei Produkte schnitten „gut“ ab. Testsieger waren die „Hähnchen-Nuggets“ der deutschen Marke Jeden Tag (5,38/kg), das in Österreich bei Unimarkt erhältlich ist. Dieses Produkt war fettärmer als die Konkurrenz und enthielt besonders viel Muskelfleisch. Auf Platz zwei lag ein österreichisches Produkt: „Chicken-Nuggets“ von Spar (10,76 Euro/kg). Viel Muskelfleisch gab es auch beim Viertplatzierten: Den „Hähnchen-Nuggets“ Gutknecht von Lidl (3,98 Euro).

Verschiedene Hühnernuggetsanbieter
Iglo/Clever/Spar/Hubers/jeden Tag
Die drei erstgereihten Produkte, zwei davon mit Fleisch aus Österreich

Vier Tiefkühlprodukte enttäuschten im Test, darunter auch bekannte Marken. Die Hühner-Nuggets von Iglo, Clever, S-Budget und Hofer wurden mit „weniger zufriedenstellend“ bewertet. Hier lag der Anteil an feinporigem Formfleisch bei über 50 Prozent. „Das hat mit Muskelfleisch nichts mehr zu tun“, so Testleiterin Birgit Beck vom VKI gegenüber help.ORF.at.

„Aus Fleischteilen zusammengefügt“

Formfleisch besteht aus haselnussgroßen Fleischstücken und Hühnerhaut, die mit Salz und Gewürzen versetzt, mechanisch bearbeitet und gepresst werden. Am Ende ähnelt die Masse dem Brät einer Extrawurst. Formfleisch per se sei nichts schlechtes, weil die Nährstoffe erhalten blieben, so Beck. Auch sei in den getesteten Nuggets nur das enthalten, was drinnen sein darf. Bei der Überprüfung wurden keine zermahlenen Knochenteile und Schnäbel festgestellt.

Verschiedene Hühnernuggetsanbieter
Iglo/Clever/Spar/Hubers/jeden Tag
Produkte mit hohem Anteil an Formfleisch wurden im Test abgewertet

„Wir würden uns von den Herstellern aber mehr Ehrlichkeit wünschen“, so die VKI-Expertin. Wenn auf der Verpackung stünde „aus Fleischteilen zusammengefügt“ müssten Konsumenten nicht damit rechnen, das kaum noch Muskelfleisch enthalten ist. In Deutschland dürfe ein solches Produkt nicht einmal als Formfleisch gekennzeichnet werden, da dort nur ein Anteil von zehn Prozent erlaubt sei. In Österreich gebe es keine entsprechende Definition.

Große Preisunterschiede

Der hohe Anteil an Panier machte einige Produkte zu Kalorienbomben. Laut Test lag der Anteil an Panade meist bei 40 Prozent und darüber. Nur der Testsieger kam auf 27 Prozent. Geschmeckt haben den Verkostern auch die weniger gut bewerteten Hühner-Nuggets. Ausgerechnet das einzige Bioprodukt im Test, „Le Picoreur“ von denn’s, fiel im Geschmackstest als Einziges durch.

goldbraune Hühner-Nuggets auf einem Teller
vki.at
Die Panier macht Hühner-Nuggets zu einem gehaltvollen Essen

Große Unterschiede gab es beim Preis. Mit 23 Euro pro Kilogramm war das Bioprodukt am teuersten. Die günstigsten Chicken-Nuggets kosteten rund vier Euro pro Kilogramm. Die Produkte aus Österreich waren mit rund zehn Euro pro Kilogramm deutlich teurer. Sie enthielten dafür ausschließlich Fleisch von Hühnern aus österreichischer Haltung.

Ein Huhn auf der Fläche eines DIN-A5-Blattes

Woher das Fleisch stammt muss auf der Verpackung nicht deklariert werden. Nach Angaben der Hersteller wird es meist aus verschiedenen EU-Ländern bezogen. Bei einem Produkt sei als Herstellungsland Österreich angegeben gewesen, so Beck. Eine Isotopenanalyse habe allerdings ergeben, dass das Fleisch aus Italien stammte. „Wir hatten auch Produkte, wo in einer Packung Fleisch aus drei Ländern gemischt war“, so die VKI-Expertin. Im Gegensatz zum letzten Test 2011 wurde kein Fleisch aus Brasilien verarbeitet.

Fleisch aus biologischer und aus konventioneller österreichischer Landwirtschaft ist teurer, weil die Vorgaben für die Aufzucht von Masthühnern hier strenger sind. Die maximale Besatzdichte für konventionelle Betriebe liegt in Österreich bei 30 Kilogramm pro Quadratmeter, EU-weit sogar bei 42 Kilogramm pro Quadratmeter. Ein ausgewachsenes Masthuhn hätte damit so viel Platz wie die Fläche eines DIN-A5-Blattes. "Das ist weniger als Hühnern in der Käfighaltung zugestanden wurde, so Testleiterin Beck.

Karin Fischer, help.ORF.at

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