Nachfolger von „Plastic Planet“ ab März im Kino

Durch das eigene Konsumverhalten einen Beitrag zu einer besseren Welt zu leisten, ist der Wunsch vieler Verbraucher. Doch nachhaltiger Konsum ist nicht so einfach. Das zeigt Werner Boote in seinem neuen Dokumentarfilm „The Green Lie“. Konzerne würden Verbraucher mit Begriffen wie „nachhaltig“ und „grün“ an der Nase herumführen und damit gute Geschäfte machen.

Plakat zum Film "THe Green Lie"
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„The Green Lie“ läuft ab 9. März 2018 in den österreichischen Kinos. Das Buch „Die Grüne Lüge“ erscheint am 12. Februar 2018 im Karl Blessing Verlag.

„Ich bin ein durchschnittlicher Konsument und bevorzuge Produkte mit Nachhaltigkeitssiegel“, sagt Werner Boote („Plastic Planet“, „Population Boom“) in seinem neuen Film „The Green Lie“. Aber aus Zeitmangel und Bequemlichkeit würde eben auch er mitunter zu Lebensmitteln greifen, die weniger umweltschonend und fair hergestellt wurden.

„Es gibt kein nachhaltiges Palmöl“

Gemeinsam mit Buchautorin Kathrin Hartmann („Die grüne Lüge“) kauft der Filmemacher im Supermarkt ein. Da landen auch Fertigpizza, Packerlsuppe und Instantnudeln in seinem Einkaufswagen. Kopfschütteln räumt Hartmann die Produkte wieder zurück ins Regal. „Warum machst Du das“, will Boote wissen. „Weil da überall Palmöl enthalten ist“ und dafür Regenwälder abgeholzt würden, so die Umweltaktivistin. Egal welche Siegel auf der Verpackung seien, „es gibt kein nachhaltiges Palmöl“.

Werner Boote kommt im Film die Rolle des naiven, grünen Hedonisten zu, der sich um einen nachhaltigen Lebensstil bemüht. Skeptisch sträubt er sich gegen die Kernbotschaft der Doku, wonach es den Konzernen nur um ihr „grünes“ Image und Profit ginge. Dass Konsumenten auch dann nicht die Welt retten könnten, wenn sie selbst nachhaltig und fair einkaufen. Die Verantwortung werde von Firmen auf Konsumenten überwälzt, so Greenwashing-Expertin Hartmann und verlangt: „Schluss mit den grünen Lügen“.

Werner Boote und Kathrin Hartmann beim Einkaufen im Supermarkt
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In jedem zweiten Fertiggericht aus dem Supermarkt steckt Palmöl

„Den Konzernen ist der Mensch egal“

Das Filmteam sucht im indonesischen Regenwald nach Beweisen, ob Konzerne wie Unilever über Zulieferfirmen hinter illegalen Brandrodungen für den Anbau von Palmöl stecken, wie Umweltschutzaktivisten behaupten. Im Golf von Mexiko sammeln Boote und Hartmann Teerklumpen, die von der Ölkatastrophe durch die Explosion der Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Jahr 2010 stammen sollen, auch wenn BP beteuert, alle Schäden inzwischen beseitigt zu haben.

Beim deutschen Energieriesen RWE besuchen die beiden eine Aktionärsversammlung und sehen, wie Demonstranten aus dem Saal gezerrt werden, weil sie das Ende des Kohlebergbaus fordern. Mit Vertretern der indigenen Bewegung in Brasilien sprechen sie darüber, wie riesige Rindermastanlagen deren Lebensgrundlage zerstören. „Den Konzernen ist der Mensch egal“, so der Tenor des Fims.

Werner Boote in einem verkohlten Regenwald in Indoensien
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Für die Herstellung von Palmöl werden in Indonesien Regenwäler illegal abgebrannt

„Vorschläge akzeptieren, Propaganda zurückweisen“

Die perfekte Lösung zur Rettung der Welt bietet der Film nicht an. Boote und Hartmann vertrauen auf die Kraft von Bürgerinitiativen und überlassen es dem Einzelnen, selbst aktiv zu werden. Ihr Ziel ist nicht die schrittweise Verbesserung - etwa durch technologischen Fortschritt - , sondern der Wechsel des Systems. Nicht weniger Konsum, sondern kompletter Verzicht auf unfaire Produkte durch entsprechende Gesetze. Wer das mit all den Folgen, die sich daraus ergeben, durchsetzen soll, bleibt offen. Ebenso, wer in der Lage ist, die mächtigen Konzerne tatsächlich zu kontrollieren, wenn Staaten dabei versagen.

Pragmatischer klingt Noam Chomsky, Professor für Linguistik am US-amerikanischen Massachusetts Institute of Technology (MIT) im Film. „Akzeptieren Sie vernünftige Vorschläge von Konzernen, aber nicht deren Propaganda“, rät der neunundachtzigjährige Globalisierungskritiker.

Karin Fischer, help.ORF.at

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