Fünfer im Zeugnis: Was Eltern tun können

Während viele Schüler auf ein erfolgreiches Semester zurückblicken, überkommt andere beim Gedanken an die bevorstehende Zeugnisverteilung die Panik. Eltern können entscheidend dazu beitragen, um den Nachwuchs in solchen Situationen zu stützen und zu fördern, statt zu demotivieren.

Rat auf Draht ist auch in den Ferien unter der Notrufnummer 147 rund um die Uhr aus ganz Österreich erreichbar. Der Anruf kostet nichts und ist anonym.

„Bei Rat auf Draht ist rund um die Zeugnisverteilung immer besonders viel los. Viele Kinder und Jugendliche, die sich bei Rat auf Draht melden, fürchten sich vor der Reaktion ihrer Eltern oder Erziehungsberechtigten. Einige trauen sich mit einem schlechten Zeugnis auch nicht nach Hause und haben Angst vor den möglichen negativen Konsequenzen oder Strafen“, sagt Birgit Satke, Leiterin von Rat auf Draht.

Erst einmal: Ausruhen

Mit der richtigen Reaktion können Eltern ihr Kind fördern, statt zu demotivieren, so Satke. Wichtig ist: Auch wenn das Semesterzeugnis schlecht ausgefallen ist, sollten dem Kind Ferien zugestanden werden. Es braucht eine Auszeit vom anstrengenden und stressigen Schulalltag - egal, ob das Semester positiv oder negativ abgeschlossen wurde.

Auch sollten nicht nur die Patzer im Zeugnis, sondern die guten Noten von den Eltern bemerkt und lobend anerkannt werden. Schimpfen, anschweigen oder bestrafen sollten Eltern ihren Nachwuchs nicht, raten die Experten. Kinder und Jugendliche sind meist selbst unzufrieden über schlechte Leistungen in der Schule und brauchen besonders in dieser Zeit Unterstützung und die Gewissheit, dass ihre Eltern sie auch trotz schlechter Noten lieben.

Ein Schüler lernt mit angestrengtem Gesichtsausdruck in einem Lerninstitut
dpa/Malte Christians
Die Kinder selbst trifft eine schlechte Note am härtesten

Gemeinsam Lernplan erstellen

Nach einer Erholungsphase sollten Eltern und Kinder gemeinsam nach dem Grund für das schlechte Abschneiden suchen. Liegt es am Stoff, am Verständnis, an einer schlechten Zeiteinteilung beim Lernen, an Konzentrationsproblemen oder eventuell an zu vielen anderen Aktivitäten?

Weiß man, woran es liegt, empfehlen die Experten von Rat auf Draht, gemeinsam einen Plan zu schmieden, wie die Leistungen im nächsten Semester besser werden. Es sollten dabei aber unbedingt realistische Ziele, idealerweise mit fixen Lernzeiten, vereinbart werden.

Nach günstiger und Gratisnachhilfe fragen

Oft ist es auch sinnvoll, sich Hilfe von außen zu holen. Das können Mitschüler, Verwandte oder Freunde sein. Gratisnachhilfe wird etwa in Wien für Kinder der Volksschule, Neuen Mittelschule und AHS-Unterstufe von Lernbetreuern der Wiener Volkshochschulen angeboten.

Weiters gibt es an vielen Gymnasien Tutorenprojekte: Schüler aus der Oberstufe helfen Schülern in der Unterstufe. Zwar muss hier die Nachhilfe bezahlt werden, die Beiträge sind aber mit Kosten um die zehn Euro pro Nachhilfestunde (manchmal übernimmt der Elternverein zudem einen Teil des Betrages) deutlich geringer. Eltern sollten am besten in ihrer Schule nachfragen, ob es entsprechende Angebote gibt.

Was Zeugnisse eigentlich aussagen

Ein Zeugnis zeige außerdem nur den aktuellen Stand eines Kindes im jeweiligen Schulfach an, mahnen die Experten von Rat auf Draht. Es sage nichts über die Intelligenz und andere Fertigkeiten auf sozialer oder kreativer Ebene eines Kindes aus. Misserfolge im Schulleben bedeuteten außerdem keineswegs auch Misserfolge im späteren Berufsleben.

Ein „Nicht Genügend“ im Zeugnis heißt noch lange nicht, dass das Schuljahr wiederholt werden muss. Doch in manchen Fällen könne ein Wiederholen der Klasse durchaus helfen, so die Profis. Das Kind kann sein Wissen aus dem Vorjahr nützen, um bessere Noten zu schreiben. Somit kann es vielleicht zum ersten Mal Erfolge erzielen, die ihm bisher versagt geblieben sind.

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