Bargeldlos beim Ski-Opening: Die Tücken des Plastikgeldes

Zwar sind Münzen und Scheine nach wie vor das liebste Zahlungsmittel der Österreicher, immer öfter wird an der Kassa aber die Karte gezückt. Auf vielen Großveranstaltungen, von Musikfestivals bis zu Skirennen, ist inzwischen nur noch Kartenzahlung möglich – und zwar mit eigenen, nur beim jeweiligen Event gültigen Plastikkarten. Das sorgt nicht nur für gute Laune.

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Mit einem Konzert der schwedischen Band Mando Diao wurde die Skisaison im Vorarlberger Skigebiet Silvretta Montafon im vergangenen Dezember eröffnet. Das wollte sich auch Annika Bergmann (Name von der Redaktion geändert) nicht entgehen lassen. Mit der Eintrittskarte um 30 Euro in der Tasche, sowie etwas Bargeld im Börsel machte sie sich auf den Weg zum Konzertgelände an der Talstation der Hochjochbahn. Beim Betreten des Geländes stellte sie fest, dass an den Gastrostandeln in diesem Jahr erstmals kein Bargeld mehr angenommen wurde.

Leere Plastikkarte kostete einen Euro

Zum Bezahlen wurde eine spezielle Chipkarte benötigt - die vorher gegen eine Bearbeitungsgebühr von einem Euro gekauft werden musste. „Mich hat einfach gestört, dass ich einen Euro dafür zahlen muss, damit ich überhaupt bezahlen kann. Wenn man bedenkt, da kommen 4.000 Leute auf so ein Opening und jeder muss einen Euro Bearbeitungsgebühr bezahlen, dann verdient der Veranstalter schon alleine 4.000 Euro fürs Nichtstun“, so Bergmann. Auch habe man keine Möglichkeit ein alternatives Zahlungsmittel zu nutzen.

Blick auf die Bühne und das Publikum des Ski Openings
Montafon.at
Mando Diao beim Ski-Opening im Montafon

Kritik an kurzer Rückbuchungsfrist

Grundsätzlich ist das erlaubt. Jeder Veranstalter kann die Zahlungsmodalitäten für sein Event selbst festlegen. Hat man die Plastikkarte einmal um einen Euro gekauft, muss wie bei einer Handywertkarte Geld darauf geladen werden. Das erfolgt an eigenen Ladestationen am Konzertgelände. Wie viel der Besucher aufbucht, wählt er selbst. Doch wie bekommt man nicht verbrauchtes Geld wieder von der Karte herunter? Ein weiteres Ärgernis für Konzertbesucherin Bergmann. Denn das Restguthaben wird nicht direkt nach dem Konzert zurückgegeben, sondern muss über eine Website angefordert werden. Ein Monat hat der Besucher dafür Zeit.

„Am 16. Dezember war die Veranstaltung und bis zum 13. Jänner hatte man Zeit das zurückzubuchen“, so Bergmann. Konsumentenschützer bemängeln die kurze Frist.

„Wir sehen das sehr kritisch,“ so Bernd Lausecker vom Verein für Konsumenteninformation (VKI). Man könne die Plastikkarte durchaus mit einem Gutschein des Eventveranstalters vergleichen und Gutscheine dürften nicht einer solch kurzen Befristung unterliegen, so der Experte. Das habe der Oberste Gerichtshof bereits in Urteilen festgestellt. Durch die kurze Frist bestehe die Gefahr, dass viele Besucher vergessen oder zu spät daran denken die Rückbuchung zu veranlassen. Das Restguthaben auf der Plastikzahlkarte würde dann wohl dem Veranstalter zufallen. „Ein nettes Körberlgeld“ so Bernd Lausecker.

Registrierung nur mit E-Mail-Adresse

Jeder der sein Restgeld zurücküberwiesen haben möchte, muss außerdem seine persönlichen Daten angeben. Auf einen Schlag gelangt der Veranstalter so an die E-Mail-Adressen der Besucher. „Ich gebe dem Veranstalter damit meine Kontodaten, meinen Namen und meine E-Mail-Adresse - auf der er mich in Zukunft für das nächste Event nerven kann“, so Lausecker. „Hier wird schon ein unverhältnismäßig großes Entgegenkommen vom Verbraucher dafür verlangt, dass es für den Veranstalter einfacher geht - und das ist einseitig.“

Blick von der Bühne auf das Publikum des Ski Openings
Montafon.at
Erstmals musste auf dem Konzertgelände mit Plastikkarte bezahlt werden

Die Veranstalter bewerben ihre Bargeldlos-Systeme damit, dass Besucher an den Gastronomieständen nicht mehr warten müssen. Lange Schlangen gehörten der Vergangenheit an, da nicht mit Wechselgeld hantiert werden müsse. „Das ist klar, Zeit ist bei solchen Menschenmassen ein wichtiger Faktor. Aber man sollte dabei den Verbraucher nicht außer Acht lassen“, so der VKI-Experte. Denn von den kürzeren Wartezeiten an den Gastroständen profitieren freilich nicht nur die Besucher. Auch die Umsätze steigen. Die bargeldlose Abwicklung verleitet dazu, mehr Geld auszugeben.

Hier zeigt sich aber auch eine Stärke des Bargeldlos-Systems: Um den Überblick über ihre Ausgaben nicht zu verlieren, können Konzertbesucher ihre Einkäufe und den Kontostand der Karte jederzeit über eine Website abrufen. So lässt sich am nächsten Tag doch noch nachvollziehen, woher so mancher Kater kommt.

Veranstalter räumt längere Frist ein

Der Veranstalter des Ski-Openings erklärte auf unsere Nachfrage, man habe von vielen Gästen sehr positive Rückmeldungen zu dem neuen System bekommen. Die meisten Gäste hätten sich ihr Restguthaben auch bereits erfolgreich überweisen lassen. Wer die Ein-Monats-Frist verpasst habe, könne sich aber jederzeit melden und bekomme das Guthaben weiterhin zurück.

Ob es die Ein-Euro-Bearbeitungsgebühr auch im nächsten Jahr wieder geben wird, konnte man uns noch nicht sagen. Das hänge damit zusammen, auf welches System man im nächsten Jahr setzen werde. Und das sei noch nicht entschieden.

Beate Macura, help.ORF.at

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