Wirbel um Windows-Raubkopien bei Bundesheer

Das österreichische Bundesheer soll jahrelang illegale und total veraltete Kopien des Microsoft-Betriebssystems Windows eingesetzt haben. Das berichtet das Rechercheportal Dossier. Demnach musste das Heer insgesamt 3,8 Millionen Euro an Nachzahlungen berappen.

Zwar sind die Vorfälle schon zehn Jahre her, öffentlich gemacht wurden sie jedoch nun erstmals vom heimischen Rechercheportal Dossier. Demnach soll das Bundesheer bis zum Jahr 2007 rund 8.000 der insgesamt 17.000 Arbeitsplätze mit Microsoft-Software ohne gültige Lizenz betrieben haben. Auf den Heerescomputern waren laut Dossier illegale Kopien des Betriebssystems Windows XP sowie Microsoft Office installiert.

Schuhe von Soldaten
Bundesheer
Ständige Herausforderung: Mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten

Cyberabwehr mit total veralteter Software

Doch damit nicht genug, selbst als das Heer im Jahr 2009 einen All-inclusive-Vertrag mit Microsoft für insgesamt 21.500 Arbeitsplätze abschloss, wurde dieser trotzdem nicht genutzt, so Dossier. Statt der neuesten Software, damals Windows Vista und Microsoft Office 2007, verblieb weiterhin das total veraltete Windows XP auf den Rechnern des auch für die Abwehr von Cyberbedrohungen zuständigen Heeres.

Hintergrund waren offenbar Überlegungen, statt auf teure Microsoft-Produkte, doch auf Open-Source-Alternativen zu setzen - zu einem tatsächlichen Umstieg durchringen konnte sich wegen Kompatibilitätsproblemen aber offenbar niemand, es blieb laut Dossier bei der Lähmung der Heeres-IT. Erst Jahre später, im Jahr 2015, wurde laut den Recherchen schließlich auf aktuelle Software (Windows 7) umgestellt.

Bundesheer: Alles korrekt gelaufen

Beim Bundesheer kann man die Vorwürfe des Einsatzes von Raubkopien und der massiven Unterlizenzierung nicht nachvollziehen. In einer Stellungnahme gegenüber help.ORF.at erklärt der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Robert Rauter, es sei Teil der Vertragsvereinbarung mit Microsoft gewesen, dass periodisch Anpassungen des sich ändernden Bedarfs erfolgen würden. Mit Beendigung und Abrechnung des Vertrages im Jahr 2007 sei dies geschehen, entsprechende Lizenzen wurden angekauft. Auch habe der überlegte Umstieg auf Open-Source-Produkte zu keinerlei Verzögerungen geführt, so Sprecher Rauter. Aus welchem Grund man dann so lange mit dem Umstieg auf ein aktuelles Betriebssystem gewartet habe, wurde nicht erklärt.

2018 Umstieg auf Windows 10

Offenbar hat man beim Heer jedoch aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Der nächste Umstieg von Windows 7 auf Windows 10 soll 2018 durchgeführt werden, so Lambert Scharwitzl, Leiter des „Kommandos Führungsunterstützung und Cyber-Defence“, gegenüber dem „Standard“. Auch gegenüber help.ORF.at bestätigte der Sprecher des Verteidigungsministeriums den heurigen Wechsel auf Windows 10. Gleichzeitig werde auch die Hardware ausgetauscht.

Beate Macura, help.ORF.at

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